Der Klimawandel setzt auch dem Skilanglauf zu. Besaß das grenzüberschreitende Loipenkarrusel Dolomiti Nordic Ski (DNS), zu dem auch die Osttiroler Langlaufpisten zählen, bei der Gründung vor 25 Jahren eine Streckenlänge von 1300 Kilometern, sind davon „nur“ noch 700 Kilometer übrig. Grund für die DNS-Verantwortlichen, aber auch für den Tourismusverband Osttirol, das Thema Skilanglauf komplett zu überdenken. Der neue Leitgedanke: „Nicht die Größe zählt, sondern die Qualität des Erlebnisses.“ Dazu wurde ein von EU-Geldern gefördertes Projekt auf Schiene gebracht, das bei einer Pressekonferenz in Sillian vorgestellt wurde. Dessen etwas sperriger Name: EDNS – Empowering Nordic Ski in den Dolomiten.
Dass diese Weiterentwicklung dem Tourismus und damit der Wirtschaftskraft im Bezirk zugutekommen soll, bekräftigte TVB-Obmann Franz Theurl bei seiner Eröffnungsrede: „Wir hoffen, mit dem Langlaufsport in Osttirol noch mehr Gäste zu generieren. Dazu müssen wir weiterhin darauf achten, dass die Qualität stimmt, das ist zusammen mit Dolomiti Nordic Ski sehr gut möglich.“
Osttirol trägt 75.000 Euro der Projektkosten
Osttirol übernimmt als Projektpartner rund 75.000 Euro der Gesamtkosten um 200.000 Euro. Diese sind zu 70 Prozent über Förderungen („Interreg CLLD Dolomiti Live“) abgedeckt, der Rest stammt aus Eigenmitteln. Dazu Philipp Schlemmer, Geschäftsführer des Regionsmanagements Osttirol: „Die Herausforderungen nehmen zu, touristische Angebote müssen sich dem Klimawandel anpassen. Genau da greift Interreg Österreich-Italien als bürgernahes Förderprogramm. Wir stellen grenzüberschreitende Probleme, vor allem grenzüberschreitende Lösungen in den Fokus.“ Auch DNS-Präsident Thomas Walch ergänzte diese Worte: „Es geht nicht nur darum, unsere Strategie und Projekte zu präsentieren, sondern auch darum, politische Entscheidungsträger, Tourismusorganisationen und Stakeholder aktiv einzubinden. Nur gemeinsam können wir den Langlaufsport als zukunftsfähiges Tourismusprodukt weiterentwickeln.“
Alberto Comini, DNS-Manager und Leiter des Projekts, lobte zunächst die Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband: „Der Support seitens Osttirols war ausgezeichnet, und wir wünschen uns eine weitere enge Zusammenarbeit. Dolomiti Nordic Ski ist mehr als ein Langlaufnetzwerk, es ist eine strategische Allianz.“ Danach stellte Comini seine Kernfragen: „Alles traumhaft, schneebedeckte Berge, tolle Loipen – doch ist das noch so? Wie reagieren wir auf die veränderten Bedingungen? Unsere Vision ist es, das beste Langlauferlebnis Europas zu bieten. Durch perfekte Pisten, modernste Technologien und Zusammenarbeit mit Partnerregionen.“
Schulprojekte in Süd- und Osttirol
Im Detail sind es zwei Säulen, auf denen das EDNS-Projekt basiert. Zum einen technologische Innovationen und Neuausrichtungen, zum anderen grenzüberschreitende Veränderungsprozesse. Zu Letzteren zählen Loipenpflege-Workshops mit Themen wie nachhaltige Präparation und optimale Ressourcennutzung, aber auch Teambuilding und Networking. Zwei Workshops sind geplant, einer im Südtiroler Pustertal, einer in Osttirol. Die „DNS Schooldays“ fallen ebenso in diesen Bereich, auch diese werden im Pustertal sowie in Osttirol stattfinden. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zusammen mit ihren Familien für das Langlaufen und die Natur zu begeistern. „Langlauf ist mehr als ein Sport, es ist eine nachhaltige Bewegung für die nächste Generation“, so Comini weiter.
Neben dem Relaunch der DNS-Website sind die „Contwise Maps“ Kernthema der Digitalisierung. In Zusammenarbeit mit General Solutions Software sollen Gäste interaktiv in die Loipen eintauchen können, sogar Augmented Reality“ und 3D-Technologien kommen zum Einsatz, mit denen man die Loipe quasi mit eigenen Augen abfahren kann.
Digitales Loipen- und Wege-Management
Osttirol wiederum kommt bei „Contwise Infra“ als Projektleiter ins Spiel: Per Software können Wegemitarbeiter, aber auch das TVB-Team die Infrastruktur digital warten und pflegen. So ist etwa die Bestellung und der Druck neuer Loipenschilder über das System möglich. Und eine App für die Fahrer der Loipengeräte soll diesen ermöglichen, den Zustand der Langlaufpisten in Echtzeit zu ermitteln. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf Loipen, das System soll aber laut Otto Trauner, Leiter Infrastruktur beim TVB Osttirol, auch auf Wanderwege und MTB-Strecken ausgeweitet werden. „Wir profitieren nicht nur von unserem Anteil, sondern von allen Projekten wie der neuen Homepage oder durch diverse Marketingaktivitäten. Überall ist Osttirol integriert“, freute sich Trauner zudem auf die weitere Kooperation.
Auf die wirtschaftliche Bedeutung des Skilanglaufs ging Comini zum Ende seiner Präsentation erneut ein. Zwar laufe eine Studie des Südtirol-Vermarkters IDM zum Thema gerade erst an, steigende Verkaufszahlen bei den Loipengebühren würden aber eine klare Wachstumstendenz zeigen: „Der Tourismus ist der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor in den DNS-Gebieten, der Langlauf trägt dabei zur Wertschöpfung bei.“ Auch die Bedeutung für die Einheimischen hob er hervor: „Offene Loipen sind ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität.“
Führende Stimme und treibende Kraft
Abschließend beantwortete Comini seine Eingangsfrage, ob sich die Investition in den Skilanglauf noch lohne mit einem klaren Ja: „Langlauf ist der Schlüssel zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Wintertourismus. Und wir wollen die führende Stimme und treibende Kraft dieser Bewegung sein.“