Drei Köcheverbände, vier Jahreszeiten, zwölf Rezepte: Das sind die Zutaten des Euregio-Projekts „So isst Euregio“, das von Philipp Stohner, Präsident des Tiroler Kochverbandes, initiiert wurde und nun unter der Südtiroler Euregio-Präsidentschaft durchgeführt wird. Unter dem Motto „Grenzen überwinden“ soll die kulinarische Vielfalt von Tirol, Südtirol und dem Trentino gezeigt und gefeiert werden – und das im Rahmen einer kulinarischen Roadtrip-Filmserie von Koch zu Koch. Auch in Osttirol machte das Kamerateam Halt: bei Küchenchef Clemens Gesser vom gleichnamigen Hotel in Sillian.

Lokale Produkte stehen in der alpinen Heimatküche von Gesser im Vordergrund
Lokale Produkte stehen in der alpinen Heimatküche von Gesser im Vordergrund © Hotel Gesser / Jürgen Schmücking

„Es gibt zwölf Folgen, in jeder kocht ein Koch ein Gericht, das seine Küche, aber auch seine Heimat widerspiegelt“, erklärt Gesser. „Ziel ist es Kultur und Kulinarik der drei Regionen hervorzuheben und so auch wieder mehr Achtsamkeit für eine hochwertige Küche zu erreichen“, so der 32-Jährige, der das Hotel Gesser zusammen mit seinem Bruder in dritter Generation leitet, weiter. „Die Rezepte aus den Episoden können natürlich nachgekocht werden.“

Auch Landschaft und Kultur im Fokus

Neben den Kochkünsten stehen in den Filmen auch die Natur und der historische Hintergrund der Regionen im Fokus. So wanderte Gesser mitsamt Hund und Filmteam durch eine Winterlandschaft Richtung des imposant gelegenen Helmhaus am karnischen Höhenweg, das künftig – ebenfalls ein Euregio-Projekt – zu einem länderübergreifenden Ort der Begegnung werden soll.

Zusammen mit seinem Bruder Markus führt Clemens Gesser das gleichnamige Hotel in Sillian in dritter Generation. 1954 wurde der Betrieb von Gessers Großeltern gegründet
Zusammen mit seinem Bruder Markus führt Clemens Gesser das gleichnamige Hotel in Sillian in dritter Generation. 1954 wurde der Betrieb von Gessers Großeltern gegründet © Hotel Gesser / Jürgen Schmücking

Zu sehen sind die zwölf Episoden mit je vier Folgen pro Landesteil und drei pro Jahreszeit bei Youtube, es wird aber auch Ausstrahlungen im Fernsehen in der ganzen Euregio auf Deutsch oder Italienisch geben – unter anderem bei RAI Südtirol, beim ORF Südtirol oder bei Zillertal TV. Im Februar ging es bereits los, aktuell sind die ersten drei Episoden online. Darunter auch die Osttiroler Folge (Nummer 2) mit Clemens Gessers Kreationen, bei dem er ein Stück Osttirol erzählt und modern interpretiert: „Das ist einfach ein tolles Projekt, gerade mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit.“

Vernetzung und Wertschätzung

Tatsächlich lautet auch das offizielle Ziel des vom Land Tirol und den beiden italienischen Provinzen geförderten Projekts, „die Köcheverbände zu vernetzen, ihre Arbeit grenzüberschreitend zu stärken und die kulinarische Tätigkeit in Tirol, Südtirol und dem Trentino wertschätzend vors Scheinwerferlicht zu holen“. Feierlich präsentiert wird das komplette Projekt am 7. Mai in der Messe Bozen vom Südtiroler Landeshauptmann und Euregio-Präsident Arno Kompatscher.

Wer die Künste der Gesser-Brüder nicht nur im Film sondern „live“ genießen will, kann dies beim Chef‘s Table im Hotel Gesser machen. Von Mittwoch bis Samstag gibt es Überraschungsmenüs mit „ausschließlich regionalen Produkten von kleinen Landwirtschaften sowie kleinen Produzenten und Manufakturen“, so der Sillianer, dessen Küche seit dem Vorjahr zwei Gault-Millau-Hauben und 87 Falstaff-Punkte führt. Dabei nehmen die Gäste an einem Tisch unmittelbar vor der Küche Platz, wo das Menü vom Küchenchef selbst inszeniert und serviert wird. Bruder und Maître Markus Gesser wiederum sorgt für die passende Weinauswahl.

Am Chef‘s Table: Bergküche aus regionalen Produkten, innovativ und modern zubereitet
Am Chef‘s Table: Bergküche aus regionalen Produkten, innovativ und modern zubereitet © Hotel Gesser / Jürgen Schmücking

„Das Menü beim Chef‘s Table ist auf die Bergküche aus ausschließlich regionalen Produkten reduziert, die wir innovativ zubereiten und an den Tisch bringen“, so Gesser, der im vergangenen Jahr am WIFI die Ausbildung zum Diplom-Küchenmeister NQR 6 absolvierte. Wer jetzt buchstäblich auf den Geschmack gekommen ist, muss sich jedoch anstellen, die Termine sind oft Wochen im Voraus ausgebucht. „Es ist schon etwas Exquisites mit vielen Details, die wir auch erklären. Auch der Respekt vor den Tieren, vor den Lebensmitteln ist dabei ganz wichtig. Wir sind selbst erstaunt, wie gut das angenommen wird. Aber das macht schon stolz.“

Maître Markus Gesser kredenzt aus einem erlesenen Weinsortiment
Maître Markus Gesser kredenzt aus einem erlesenen Weinsortiment © Hotel Gesser