Am Samstag, dem 22. November, verwandelt sich das Spittl der Fachhochschule Spittal in ein musikalisches Zentrum: Das Jugendsinfonieorchester Oberkärnten feiert zehn Jahre Orchesterakademie Kärnten – und tut das mit einem Konzert, das gleichermaßen Jubiläum, Aufbruch und Fest der Jugend ist. „Es ist unglaublich, wie rasant und sehr gut sich dieses Projekt bei uns in Oberkärnten entwickelt hat“, sagt Johann Brunner, Gründer und musikalischer Leiter.

Mehr als 80 Musikerinnen und Musiker, großteils im Alter von zwölf bis 19 Jahren, stehen am Samstag auf der Bühne, die Jüngste ist die erst siebenjährige Bratschistin Hemma Bach – jenes hochbegabte Talent, das sich am 17. Oktober mit ihrem selbstkomponierten Ballett „Prinzessin Dreckfuß“ in Feldkirchen vorstellte. Der Älteste, Norbert Kampitsch, ist 70 Jahre alt und Kontrabass-Schüler bei Franz Unterpirker. Schon in dieser Altersbreite spiegelt sich der Geist des Orchesters: gemeinsames Können, generationsübergreifender Enthusiasmus und die Überzeugung, dass Musik verbindet.

Bahn Frei! Jugendsinfonieorchester Oberkärnten. Behind the Scenes Fotos.
Bahn frei, Jugend-Sinfonieorchester Kärnten und Steiermark. Aufnahmen zur Bewerbung der Koralmbahn.
Unter der Leitung von Hans Brunner formt das Jugendsinfonieorchester Oberkärnten seit zehn Jahren eine musikalische Gemeinschaft, die Oberkärnten weit über die Landesgrenzen hinaus hörbar macht © KK/Nina Friedl

Bühnen in ganz Europa

Brunner gründete das Orchester 2014 gemeinsam mit engagierten Musikschullehrern. Seit 2015 ist es Teil der Orchesterakademie Kärnten – ein Ausbildungsprojekt, das sich der professionellen Nachwuchsarbeit verschrieben hat. Besonders den Streichern wollte man damals eine Zukunft eröffnen. „Wenn es das Orchester nicht gäbe, wo sollten diese jungen Leute aus Oberkärnten in dieser Qualität spielen?“, so Brunner weiter. Dass die Entscheidung richtig war, bestätigt der Erfolg: Wien, Salzburg, Innsbruck, Eisenstadt, Zagreb in Kroatien, Kočevje in Slowenien – die Liste der Auftrittsorte liest sich wie ein Tourkalender eines etablierten Profiensembles. Das Jubiläumskonzert ist zugleich Auftakt einer Konzertserie unter dem Titel „Bahn frei“ – eine Kooperation mit dem Jugendsinfonieorchester Steiermark zur Eröffnung der Koralmbahn, die die jungen Musiker am 24. November in den Stefaniensaal Graz und am 30. November ins Konzerthaus Klagenfurt führen wird.

Doch bevor sich die musikalische Reise auf Schienen bewegt, gehört der Samstag ganz Spittal: Gemeinsam mit der Trachtenkapelle Molzbichl und dem Jugendblasorchester Molzbichl wird ein Programm geboten, das Tradition, Virtuosität und große Emotion verbindet. Brunner betont, wie wichtig die Partner aus Molzbichl für diesen Konzertabend sind – nicht nur musikalisch: „Ohne sie könnten wir das gar nicht machen. Wir brauchen im Spittl 120 Quadratmeter Bühne. Die Trachtenkapelle baut uns das in zwei Stunden auf. Das ist gelebte Kooperation.“ Das Jugendsinfonieorchester wird abwechselnd von Brunner und von ihm eingeladenen Gastdirigenten geleitet.

Von Filmwelt bis Walzerklang

Zu den besonderen Momenten des Abends zählt das Solokonzert der jungen Oboistin Sophia Brunner. Der 18-jährigen Maturantin wurde von Rimsky-Korsakows „Variationen über ein Thema von Glinka“ ein maßgeschneidertes Arrangement geschrieben. „Sie ist eine tolle Oboistin“, sagt Hans Brunner – und man spürt, dass er dabei nicht nur ihr Talent meint, sondern ihren ganzen Weg: Musikschule, Wettbewerbe, Goldenes Leistungsabzeichen, Matura – und nun die Vorbereitung auf ein Musikstudium. Im zweiten Teil wird es filmreif und festlich zugleich: Howard Shores „Lord of the Rings“, Tschaikowskys Schwanensee-Suite und Johann Strauß’ „Rosen aus dem Süden“, die – wie Brunner verrät – thematisch perfekt ins Bahn-Motto passen: „Wir bringen die Rosen aus dem Süden mit der Bahn nach Graz.“