„Der Ansturm ist nicht mehr so groß, wie vor drei, vier Wochen“, erzählt die Tankstellen-Angestellte in Dravograd in gebrochenem Deutsch. Wenn ihr die Wörter nicht einfallen, redet sie auf Englisch weiter. Nach Ausbruch des Iran-Konflikts hat man für den Liter Diesel in Slowenien fast 50 Cent weniger bezahlt als in Österreich. Obwohl inzwischen auch in Slowenien die Spritpreise gestiegen sind, herrscht noch immer reger Zulauf an der Tankstelle der Marke „Ina“ wenige Kilometer nach dem Grenzübergang bei Lavamünd. „Die meisten Kunden kommen aus Österreich“, fährt die Angestellte in ihren Erzählungen fort.

Von der alten Grenzstation in Lavamünd sind es drei Kilometer bis zur ersten Tankstelle in Dravograd
Von der alten Grenzstation in Lavamünd sind es drei Kilometer bis zur ersten Tankstelle in Dravograd © Bettina Friedl

Sonntagnachmittag ist der Liter Diesel in Dravograd „nur“ noch um 16 Cent billiger als beispielsweise im angrenzenden Lavanttal. Mit 1,894 Euro ist der Liter an der „Ina“-Tankstelle angeschrieben, bei den Jet-Tankstellen im Lavanttal lag der Dieselpreis zeitgleich bei 2,054 Euro.

Keine Beschränkung der Abgabemenge mehr

An den Zapfsäulen in Dravograd sieht man am Sonntag fast nur Autos mit Wolfsberger und Völkermarkter Kennzeichen. Inzwischen ist auch die Maximalabgabemenge für Privatpersonen Geschichte. Nachdem der Tanktourismus nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs ausuferte, haben Tankstellen in Grenznähe die Abgabemenge auf 50 Liter pro Pkw und Tag beschränkt, andere sogar auf 30 Liter (wie die „Ina“-Tankstelle) pro Auto. Nachdem immer wieder einmal Diesel und Benzin ausverkauft waren, sei diese Maßnahme damals nötig gewesen.

Jede Menge Wolfsberger Kennzeichen an der Tankstelle in Dravograd am Sonntag
Jede Menge Wolfsberger Kennzeichen an der Tankstelle in Dravograd am Sonntag © Bettina Friedl

Doch viele nutzen die Fahrt ins Nachbarland nicht nur zum Tanken. „Gerade der Sonntag bietet sich für einen Familienausflug an. Wir haben im Restaurant ,Ta Fabrika‘ super gesessen. Die Portionen dort sind riesig und das Essen billiger als in Gasthäusern bei uns zu Hause“, erzählen Lavanttaler, die den Tipp geben, vorab einen Tisch zu reservieren. Denn: „Geheimtipp ist dieses Restaurant in Dravograd keines mehr, es sind sehr viele Kärntner hier.“ Danach fahren sie noch drei Kilometer weiter stadteinwärts. „Dort gibt es gleich nach der ersten Tankstelle ein nettes Café mit super Eis und Torten.“ Auch dort sieht man lauter Kärntner Kennzeichen am Parkplatz. „Die Café-Konditorei wird dann der letzte Stopp unseres Sonntagsausflugs. Wir sind zwar 35 Kilometer von Wolfsberg hierher gefahren, aber mit dem Volltanken und Essen gehen als fünfköpfige Familie haben wir uns einiges gespart“, ist die Mutter überzeugt.

Andere Unterkärntner wiederum sieht man nach dem Tanken in den Shops unmittelbar nach dem Grenzübergang. Auch hier verrät ein Blick auf die Auto-Kennzeichen am Parkplatz, dass Unterkärntner dort einkaufen sind. „Wenn wir schon in Slowenien sind, nehmen wir gleich Zigaretten und Spirituosen mit“, schmunzelt ein junger Mann, der ein wenig ungeduldig wirkt, weil sich seine bessere Hälfte in aller Ruhe bei den Handtaschen und der Kleidung umsieht. „Hast eh schon so viele Taschen“, sagt er. „Das muss ich ausnutzen, wenn ich schon an einem Sonntag shoppen kann“, bittet sie ihn mit einem Augenzwinkern um etwas Geduld. Praktischerweise haben beide täglich geöffneten Shops nach der Grenze vor dem Eingang einen Sitzbereich eingerichtet, in dem der junge Mann schließlich Platz nimmt, um bei einer Zigarette (oder mehr) auf seine Freundin zu warten.