Der Klagenfurter Benediktinermarkt ist viel mehr als nur Bauernbrot und buntes Gemüse. Stilecht gelingt ihm der Spagat zwischen eingesessenen Standlern und urbaner Haubenküche und zieht viele an - die Ernährungsbewussten, die Heimatkoster sowie zahlreiche Fieranten aus Italien und Slowenien, die dem Markt im Alpen-Adria-Raum sein ganz eigenes Flair verleihen.
Doch im "Wohnzimmer", wie der Benediktinermarkt von vielen Klagenfurterinnen und Klagenfurtern liebevoll bezeichnet wird, wird es langsam ungemütlich. Einige Standler sind mit der Politik, die am Markt herrscht, unzufrieden. "Viele Fieranten wollen gar nicht mehr kommen, weil sie sich von oben herab behandelt fühlen", nennen sie die Dinge beim Namen. Es fehle an der Kommunikation und sprechen dabei konkret den Marktkoordinator Alexander Adamitsch an. Er selbst wollte sich dazu nicht äußern. Karin Zarikian, Leiterin Abteilung Baurecht und Gewerberecht, zu der die Marktverwaltung gehört, argumentiert: "Die Kritik ist seitens der Marktverwaltung nicht nachvollziehbar. Die Marktverwaltung ist nicht nur eine Servicestelle für Fieranten, sondern auch Behörde. Dass diese nicht immer ´Everybody‘s Darling` sein kann und auch viele administrative Tätigkeiten zu erledigen hat, liegt auf der Hand. Bitte auch um Verständnis, dass sich das Team der Marktverwaltung nicht weiter zum Thema über die Medien äußern wird, sondern dazu das direkte Gespräch mit den Fieranten suchen wird."
Auch an der Vergabe der Marktstände üben die Unternehmer Kritik: "Es werden frei werdende Marktstände einfach willkürlich vergeben!" Sie fordern ein Mitsprachrecht im Zusammenhang mit dem Branchenmix in Form eines Beirates. Aktuelles Beispiel: Die Fleischerei Stromberger gab aufgrund von Personalmangel das Marktgeschäft Anfang November des Vorjahres auf. Seitdem ist kein Fleischer am Markt vertreten. Den in der Folge frei gewordenen Stand bekam das bekannte Familienunternehmen Frierrs. Es hätte aber genug andere Bewerber gegeben.
Nur innerhalb der Familie
"Für die Vergabe ist eine Kommission zuständig, die endgültige Entscheidung trifft der Marktreferent", erklärt dazu Patrick Jonke, Leiter des Büros von Bürgermeister Christian Scheider (TK), der auch die Position des Marktreferenten innehat. Detail am Rande: Ein Betrieb am Markt kann nur innerhalb der Familie weiter gegeben werden, außerhalb der Familie ist eben der Marktreferent zuständig, der Unternehmer hat kein Mitspracherecht mehr - im schlimmsten Fall muss er dann auch auf eine Ablöse verzichten.
Jonke spricht eine aktuelle Umfrage an, die erhoben hat, in welchem Bereich Nachholbedarf bestehe. Diesem Ergebnis leiste man auch Folge. "Ein Beirat ist in Zukunft auch angedacht", so Jonke. Ein Marktsprecher, der von den Standlern gewählt wird, soll deren Interessen dann vertreten. Kritik an den Öffnungszeiten lässt Jonke nicht zu: "Wir haben diese erst vor Kurzem auf Wunsch der Standler geändert." Bürgermeister Scheider will in Kürze ein Gespräch mit allen Beteiligten suchen.