Edith Zuschmann erkennt man leicht. Meistens läuft sie. Wenn die Zeit drängt, auch quer durch ein Café, in der Regel begegnet man der Klagenfurterin aber joggend am Wörthersee-Ufer. Und dabei ist sie nicht alleine. Mit ihrer Leidenschaft vereint sie viele verschiedene Frauen.
Zuschmann leitet den „Club 261“. Eine Organisation, die Frauen nicht nur zum Laufen bewegen soll, wie die Zahl 261 verdeutlichen soll. Sie zierte Kathrine Switzers Startnummer bei ihrem Versuch, im Jahr 1967 den Boston-Marathon zu absolvieren. Damals durften Frauen am historischen Bewerb nicht teilnehmen. Weil sie sich nur mit ihren Initialen registriert hatte, „erschlich“ sich Switzer aber einen Platz. Das Foto, das den Renndirektor dabei zeigt, die illegale Teilnehmerin erfolglos auf halber Strecke aus dem Rennen zu boxen, ging um die Welt. Schließlich überquerte Switzer nach vier Stunden und 20 Minuten die Ziellinie. Seitdem steht die Zahl für weiblichen Mut, für Willenskraft und Durchsetzungsvermögen.
Laufclub ermutigt Frauen
Und sie steht für Inspiration, zumindest für Zuschmann, die seit 14 Jahren Frauen in ihrem Laufclub zusammenbringt. Österreichweit besteht die „Club 261“-Gemeinschaft aus rund 200 Damen, die an elf verschiedenen Orten einmal pro Woche joggen. Ohne Blick auf Tempo oder Zielzeit. „Es ist ganz egal, wie sportlich jemand ist, wie schnell oder weit jemand laufen kann. Nicht der Leistungsgedanke, sondern der Spaß steht im Vordergrund“, sagt Zuschmann, die mit ihrer Bewegung Frauen körperlich und mental fördert. Ihre Non-Profit-Organisation bildet nämlich Interessierte zu Lauftrainerinnen aus. Im Zuge des Programms übernehmen die Damen Verantwortung, eignen sich Führungsqualitäten an und lernen, andere zu motivieren. Fähigkeiten, die in allen Lebensaspekten nützlich sind. „Wir können beobachten, wie das Laufen viele Frauen ermutigt. Und wenn ich mutig bin, kann ich alles schaffen“, ist die 49-Jährige überzeugt.
Dieses Credo verbreitet die Sport-PR-Beraterin nicht nur in ihrer Heimat. Zuschmanns Bewegung gehören mittlerweile rund 1000 Frauen in 14 Ländern und auf fünf Kontinenten an. Und erstmals überweist die EU Fördermittel, mit denen die von Zuschmann und Switzer gegründete internationale Organisation „261 Fearless“ die Infrastrukturen in Albanien und im Kosovo stärkt. „Ich war im Jahr 2017 zum ersten Mal in Albanien. Dieses Land kämpft mit politischen Herausforderungen, hat aber so viel Potenzial. Dort die Frauen zu ermutigen, kann ein Gamechanger sein“, sagt Zuschmann. 200.000 Euro fließen im Westbalkan in den Aufbau neuer Laufgruppen, in denen sich Frauen vernetzen und austauschen können. Zwei Jahre lang läuft das Projekt.
Währenddessen möchte Zuschmann auch in Klagenfurt mehr Frauen zum Laufen bewegen. Mut kann man nicht kaufen, eine Mitgliedschaft im „Club 261“ dafür schon. Mit 30 Euro pro Jahr ist die Teilnahme am wöchentlichen Lauftreff möglich.