Anklage, Rechtsprechung und Vollzug - der Gebäudekomplex am Heuplatz in Klagenfurt ist heute das Zentrum der Justiz in Kärnten. Doch das war nicht immer so. Das Haus mit der Nummer 3, ein Spätempirebau und gleichzeitig der älteste Teil des Justizgebäudes, wurde als Gasthaus errichtet. Es entwickelte sich zu einem Hotel, wo getanzt und gefeiert wurde. Doch alles von Anfang an.
Es war ein gewisser Joseph Mandl, Postbeförderer und Gastwirt in Moosburg, der in den 1830er Jahren anstelle der alten Reitschule „ein repräsentatives Wirtsgebäude im Stile des Spätbiedermeier begonnen hat“, schreibt der ehemalige Landesarchivar Wilhelm Deuer 1992 in seinem Artikel „Auf den Spuren der Habsburger in Klagenfurt“. Der Name war, so Deuer, für den Vormärz typisch patriotisch: Zur Kaiserkrone.
Einfach wurde es für Mandl in der Folge nicht. Einerseits gab es gewisse Auflagen, andererseits hatte er mit Geldschwierigkeiten und einer vom Magistrat mehrmals verweigerten Schank-, Gast- und Einkehrgasthausbefugnis zu kämpfen, so Carl Lebmacher im 1993 erschienenen Buch „Klagenfurt in alter Zeit“.
Versteigerung
Es kam, wie es wohl kommen musste, Mandl wollte sich vom Haus trennen. In der Hausblattsammlung Hans Sabidussis, die im Kärntner Landesarchiv verwahrt wird, kann die Entstehungsgeschichte des Hauses nachvollzogen werden. Darin findet sich auch ein Verkaufinserat Mandls im Intelligenzblatt zur Klagenfurter Zeitung vom 4. Februar 1840. Doch ein Käufer wurde wohl nicht gefunden, es kam zur Versteigerung. Am 29. April 1841 ersteigerten der k. k. Postmeister Jakob Kappitsch und seine Frau Anna die Kaiserkrone.
Kappitsch ließ „elegante Gastzimmer“ errichten und einen großen Tanzsaal mit Galerie, wie es in einem Artikel der Klagenfurter Zeitung vom 14. August 1887 heißt. 1843 wurde die Eröffnung des Großgasthauses im Intelligenzblatt verlautbart. „Kappitsch verstarb bereits ein Jahr später. Für wenige Jahre blühte noch das zum Hotel aufgestiegene Gasthaus“, sagt Deuer. Bälle und andere Tanzunterhaltungen wurden abgehalten. Der Saal der Kaiserkrone war auch Geburtsstätte des Klagenfurter Volksvereins. „Hier fanden auch unter lebhafter Theilnahme und großem Andrange des Publikums die ersten Plenarversammlungen statt“, heißt es in den Blättern aus Kärnten vom 1. Jänner 1880.
Der letzte Ball
Laut Lebmacher fand der letzte Ball, jener der Nationalgarde, am 14. Februar 1849 statt. Ein Jahr später wurde das Gebäude an das k. k. Aerar verkauft. Anna Kitzl, wie die wiederverheiratete Witwe mittlerweile hieß, erhielt 70.000 Gulden. In der Folge wurde das Landesgericht aus den „unwürdigen Räumen im Hause Waagplatz 2“, so Lebmacher, in das ehemalige Hotel verlegt.
Im Saal, wo früher große Festveranstaltungen stattgefunden hatten, wurde fortan gerichtet. Bei der ersten Schwurgerichtsverhandlung musste sich eine Kindesmörderin verantworten, heißt es in der Carinthia I von 1917. Der Redakteur der Klagenfurter Zeitung brachte es wohl auf den Punkt: „Es ist eine Art Ironie der Stadtgeschichte, daß im großen Tanzsaale, wo einst nur Lust und Freude herrschte, gegenwärtig das Schwurgericht tagt, und an derselben Stelle, wo mancher glücklich Verliebte in einer Tanzpause himmlische Erhörung fand, jetzt mancher arme Sünder mit Bangen auf das Urtheil des Gerichtshofes harrt.“
Gefängnis entsteht
Im Jahr 1859 wurde nach einem Grundankauf mit der Errichtung des Gefängnisses, des Arrestantenhauses, begonnen, ist der Hausblattsammlung zu entnehmen. Ebenso, dass aus dem großen Saal die Verhandlungssäle im ersten und zweiten Stock wurden. Weitere bauliche Veränderungen folgten – wie etwa der Bau des Gerichtsgebäudes in der Dobernigstraße in den 1920er Jahren - und werden auch in Zukunft folgen. Ende nächsten Jahres soll die Justizanstalt in den Neubau nahe des Flughafens übersiedeln. Auch dem Landesgericht steht ein großer Umbau bevor.