Die Bereitschaft, in die Schule zu gehen, sinkt derzeit offenbar und der Trend scheint unumkehrbar – bei Lernenden und Lehrpersonen. Die „Null-Bock-Mentalität“ ist längst keine Seltenheit mehr. Immer öfter müssen sich Lehrpersonen mit Motivationsproblemen von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen und das zeigt sich auch an den Leistungen.
Orientierungslosigkeit, Stress und Frustration gewinnen die Oberhand. Man könnte meinen, das Bildungssystem hinke manchen gesellschaftlichen Veränderungen hinterher. Lehrplan und Schulsystem müssen sich schneller an aktuelle Themen, die die Jugend bewegen anpassen, und auf offene Fragen zur digitalen Transformation, Beeinflussung durch digitale Medien, gesellschaftlichen Wandel eingehen.
Trotzdem dürfe man nicht nur die Schulen für Herausforderungen verantwortlich machen, betont Bildungsdirektorin Isabella Penz. Lernen beginnt Zuhause, deshalb haben Eltern auch die Aufgabe richtige Motivation und Arbeitseinstellung an ihre Kinder weiterzugeben. „Es hilft nicht, dass der Lehrer die bunteste Stunde macht, eine gewisse intrinsische Motivation muss gegeben sein“, wird Penz konkret. Es gibt Dinge, die eine Lehrkraft nicht für ein Kind erreichen kann, und genau dann müssten die Erziehungspersonen ins Bild treten und Verantwortung übernehmen.
Dennoch gibt es zweifelsohne Bereiche, in denen sich Schulen verbessern können. Eine der wichtigsten Baustellen aus Sicht der Bildungsdirektion ist die digitale Grundbildung. Dabei müsse man auch den Mythos überwinden, es sei mit dem Erlernen des Zehn-Finger-Systems getan.
Jugendliche sollen sich verstärkt mit Algorithmen auseinandersetzen, um deren Einflussnahme auf ihr Leben und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verstehen. Außerdem müsste ein gesunder Umgang mit sozialen Medien vermittelt werden, schließlich kann eine vom Handy ausgelöste Dopaminsucht auch zu Motivationsproblemen führen. Aber auch die Rahmenbedingungen an den Schulen sollen überdacht werden. „Diese verkrustete Schulform aus Maria Theresias Zeit sollte bestmöglich aufgelöst werden“, so die Bildungsdirektorin. Durch die Förderung von Wahlpflichtfächern und unverbindlichen Übungen könne man individuelle Talente besser unterstützen und damit einen größeren Ansporn liefern.
Je besser ausgebildet die Jugend ist, desto mehr Perspektiven hat sie und davon profitieren alle: Die Jugendlichen, die Eltern und die gesamte Gesellschaft. Deshalb sollten Eltern, Schulen und Schülerinnen und Schüler diese schwierige Aufgabe der Bildung gemeinsam angehen.