„Es ist ein Skandal, der die eklatanten Lücken in der medizinischen Notfallversorgung der Einwohner und Urlaubsgäste auf kroatischen Inseln aufzeigt“, schreibt 24sata.hr am Dienstag in seiner Onlineausgabe.
Ein aktueller Notfalleinsatz sorgt für Bestürzung in Kroatien. Für ein verletztes Kind auf der beliebten Urlauberinsel Insel Lošinj wurde ein Rettungshubschrauber vom Festland angefordert. Das eingetroffene Notarztteam verweigerte allerdings den Transport und flog ohne Patienten zurück nach Rijeka. Das Kind musste mit dem einzigen Rettungswagen der Insel über den Land- und Wasserweg ins Krankenhaus am Festland gebracht werden. Dort kam der kleine Patient erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages an.
Ob es sich beim Kind um einen Bub oder ein Mädchen handelt, ist unklar. Die kroatischen Behörden und Medien machen keinerlei Angaben zum Geschlecht und zum Alter des Kindes.
Leinwand fiel auf Kind
Der Unfall ereignete sich vergangenen Dienstag gegen 21.40 Uhr in einem Hotel in der Bucht Sunčana uvala. Eine Projektor-Leinwand fiel um, stürzte auf das Kind und verletzte es. Die alarmierte Rettung aus Mali Lošinj war schnell vor Ort. Ersthelfer immobilisierten das Kind auf einer Transportrage mit Luftpolstern, Wirbelsäulenverletzungen konnten zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Eine Ärztin forderte gegen 22.30 Uhr einen Rettungshubschrauber an, um das Kind so schnell wie möglich ins Krankenhaus in Rijeka zu bringen. Der Rettungswagen brachte das verletzte Kind zum Flugplatz Lošinj und um 23 Uhr traf dort der Helikopter ein. Bis dahin habe die Rettungskette einwandfrei funktioniert, erzählt ein Elternteil 24sata.
„Transport nicht gerechtfertigt“
Alles sei bereit für einen schnellen Weitertransport gewesen, doch die Notärztin des Hubschraubers entschied anders. Die Verletzungen seien nicht so akut, dass ein Krankentransport mit dem Hubschrauber gerechtfertigt wäre, lautete ihre Einschätzung. Das Team stieg wieder in den Hubschrauber und flog ohne Patienten zurück aufs Festland. Um 23.30 Uhr musste sich der Rettungswagen auf den fast 140 Kilometer langen Land- und Wasserweg über die Inseln Cres und Krk nach Rijeka machen.
Eigene Fähre organisiert
Die Nachtstunden ermöglichten verkehrsbedingt zwar eine schnelle Fahrt, nachdem die letzte reguläre Fährverbindung von Merag (Cres) nach Valbiska (Krk) aber bereits um 22.30 Uhr abgelegt hatte, musste eigens eine Fähre für die Überfahrt angefordert werden. Etwa gegen 1 Uhr in der Früh konnte das Team von Lošinj ihren Patienten einem Rettungswagen aus Krk übergeben. Um 1.45 Uhr traf dieser im Krankenhaus in Rijeka ein. Vier Stunden nach dem Unfall. Der einzige Rettungswagen von Mali Lošinj war um 3 Uhr wieder zurück. Den Inselbewohnern stand über fünf Stunden kein Rettungswagen zur Verfügung.
„Richtlinien befolgt“
„Die Entscheidung über die Transportmethode wurde auf Grundlage der medizinischen Beurteilung der Ärzte des Hubschrauberteams gemäß den aktuellen Richtlinien für den medizinischen Transport von Patienten getroffen“, teilte Senka Kajčić, Direktorin des Instituts für Notfallmedizin der Gespanschaft Primorje-Gorski Kotar 24sata mit. Der Patient sei leicht verletzt gewesen und die Transportdauer hätte bei seiner Versorgung keine Rolle gespielt, dies habe auch das Krankenhaus in Rijeka bestätigt, sagt Kajčić.
In Kärnten undenkbar
Für Thomas Jank, Geschäftsführer der ARA Flugrettung in Kärnten, ein unverständliches Vorgehen: „Ferndiagnosen sind schwierig, aber wenn ein Hubschrauber angefordert wurde, gab es bereits eine medizinische Einschätzung für die Notwendigkeit. Wenn der Hubschrauber nicht zu einem anderen akuten Notfall musste und tatsächlich einfach leer zurück zum Krankenhaus geflogen ist, ist das abenteuerlich.“
Schließlich würde es auch darum gehen, Patienten eine möglichst schmerzfreie Überstellung ins Krankenhaus zu gewährleisten. Diese hätte mit dem Hubschrauber nur etwa 20 Minuten und nicht vier Stunden gedauert. So etwas wäre in Kärnten undenkbar, so Jank.