Dass in einem Sportlerleben mit Höhen und Tiefen zu rechnen ist, weiß Paraskiläufer Thomas Grochar aus eigener Erfahrung. Jetzt ist der Goldmedaillengewinner im WM-Teambewerb von 2013 und Slalom-WM-Silbermedaillengewinner von 2017, der bei Olympischen Spielen oft Pech hatte, am Tiefpunkt angelangt: Beim Schwimmen im Wörthersee verlor der Klagenfurter am Freitag seine Prothese.
Grochar fehlt von Geburt an der linke Oberschenkelknochen und das Wadenbein, sodass Schienbein und der Vorfuß bereits ab der Hüfte beginnen. Also steht der 29-Jährige im Alltag auf einer "Genium X3"-Prothese mit elektronischem Kniegelenk – ein Heilbehelf um 60.000 Euro, das die Krankenkasse finanzierte. "Es ist wassertauglich, daher war ich damit beim Strandbad Maiernigg schwimmen. Plötzlich hat sich das Teil, das mit einem Band fixiert ist, gelöst. Die Gehhilfe ist fünf Kilo schwer und ich habe noch versucht, ihr nachzutauchen, aber sie ist wie ein Stein versunken", erzählt Grochar.
Schadet der Wasserdruck?
Ein zufällig anwesender Taucher versuchte sein Glück, schaffte es aber nicht in 30 Meter Tiefe. Die verständigten Taucher der Berufsfeuerwehr Klagenfurt schon, aber das Unterfangen war erfolglos. "Die Sicht ist mit Lampen recht gut. Daher wollen es die Taucher Anfang der Woche noch einmal probieren, vielleicht mit einem Spezialroboter", so Grochar. Aber selbst wenn es klappt: Ob die Prothese durch den Wasserdruck Schaden nimmt, ist unklar.
Karbon und Alu
Es handelt sich um eine Spezialanfertigung mit elektronisch gesteuertem Kniegelenk. "Schaft und Gehäuse sind aus Karbon, die Prothese enthält auch Aluteile, das ist kein Massenprodukt, denn zum Glück brauchen nicht viele so einen Heilbehelf", erzählt der Athlet. Doppelt bitter: Das künstliche Bein ist erst ein halbes Jahr alt und hätte wohl noch vier, fünf Jahre "Lebenszeit" vor sich. Wie die Kasse reagiert, wenn die Gehhilfe nicht im wahrsten Sinn des Wortes wieder auftaucht, ist unklar. "Ich bin jetzt mit Krücken unterwegs, kann nichts tragen, brauche Hilfe, bin in meiner Lebensqualität und im Training doch sehr eingeschränkt", so der Klagenfurter, der aktuell als Zollbeamter arbeitet und neun Monate im Jahr als Skiprofi durch den Weltcup tourt.