AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Zum zehnten TodestagDie letzten Stunden eines Rastlosen

Heute vor zehn Jahren verstarb Jörg Haider bei einem Autounfall. Er war stark alkoholisiert und viel zu schnell unterwegs. So verliefen seine letzten Stunden.

Am Vormittag ist Haider bei der 10.-Oktober-Feier im Landhaushof © Daniel Raunig
 

Totengedenken. Es gibt erfreulichere Termine, um einen Tag zu beginnen. Am Kärntner Landesfeiertag gehört das für einen Landeshauptmann aber dazu. 9.30 Uhr am Freitag, 10. Oktober 2008. Noch hängt ein wenig Hochnebel über Klagenfurt. Jörg Haider und seine Regierungskollegen legen, wie jedes Jahr, am Friedhof Annabichl einen Kranz nieder – am Ehrenmal der Kärntner Abwehrkämpfer.

Im Landhaushof in Klagenfurt nehmen Militär, Kindergruppen und Chöre Aufstellung. Um 11 Uhr beginnt die 10.-Oktober-Feier bei der Stätte der Kärntner Einheit. Der Hochnebel hat sich verzogen, ab jetzt ist an diesem Freitag Goldener Oktober angesagt: Sonne und blauer Himmel. Jörg Haider trägt Kärntner Anzug. Er wirkt etwas müde und abgekämpft.

Doch sobald er am Rednerpult steht und die Mikros laufen, ist er putzmunter. Haider legt sich mit dem Nachbarland an. Slowenien würde in der Ortstafelfrage „zündeln“, das sei „ungehörig und nicht im Sinne einer guten Nachbarschaft“, schimpft er in Bezug auf das Koalitionsabkommen der neuen Regierung in Laibach. Diese wolle offenbar „Zwietracht, Diskussion und Streit von außen ins Land tragen“. Auch Haiders 90 Jahre alte Mutter Dorothea Haider ist bei der Feier dabei. Das Kärntner Heimatlied erklingt.

Haider bei der 10.-Oktober-Feier im Landhaushof Foto © Daniel Raunig
Genauigkeit, Geschwindigkeit, Optik. Nach diesen Kriterien werden die 21 Teilnehmer aus ganz Österreich beim Bundeswettbewerb der Jungmaurer bewertet. Heimvorteil optimal genützt: Die zwei Kärntner Teilnehmer Adrian Pecnik und Markus Lengfeldner erringen einen Doppelsieg. Haider übergibt gegen 12.30 Uhr bei der Siegerehrung an der Bauakademie in Klagenfurt die Preise.

Die Chefredakteure der Kleinen Zeitung, Hubert Patterer und Reinhold Dottolo, warten auf Haider für ein Interview im Klagenfurter Hotel Moser Verdino. 14 Uhr. Der Landeshauptmann verspätet sich, er hat noch bei der Geburtstagsfeier des damaligen Konzerthausdirektors Franz Widrich vorbeigeschaut. Bald taucht er aber gut gelaunt im Extrastüberl des Moser Verdino auf. Die Diskussion um unliebsame Berichterstattung ist schnell erledigt. Am kleinen Tisch daneben sitzt sein schlecht gelaunter Pressesprecher Stefan Petzner. Im Interview geißelt Haider die Finanzbranche. Bankmanager, die leichtfertig mit dem ihnen anvertrauten Geld umgehen, „müssen eingesperrt werden“, fordert Haider. „Der schwarze Freitag“ titelt die Kleine Zeitung am 11. Oktober angesichts der dramatischen Kursstürze an den internationalen Börsen. Im Blattinneren erscheint das Interview mit einem Toten.

Haider beim Interview mit der Kleinen Zeitung Foto © Gert Eggenberger
Beim inoffiziellen Teil nach dem Interview bestellt Haider Chardonnay. Das sah man sonst selten. Der Landeshauptmann wirkt entspannt und hat keine Eile. Er genießt den Freitag „frei von allem Zeitdruck“, wie er den Chefredakteuren sagt. Es ist schon gegen 17 Uhr, als es die beiden zurück in die Redaktion zieht. Haider geht dann noch in eine Boutique, lässt sich in seine Klagenfurter Wohnung fahren und soll sich vor seinen Abendterminen auch noch mit einem Bekannten getroffen haben. Seinem Chauffeur gibt er frei. Der Kärntner Anzug bleibt im Schrank. Jetzt trägt er Jeans, rosa-weiß gestreiftes Hemd, beige Lederjacke und einen Kärnten-Anstecker am Revers. Um 19.30 Uhr erscheint er bei der Eröffnung des neuen Lokals „Bem Vindo“ am Kardinalplatz. Haider trinkt Mineralwasser und bleibt rund eineinhalb Stunden, um doch noch eine weitere Party zu besuchen.
UNFALLTOD VON JOERG HAIDER: ABENDVERANSTALTUNG
Besuch bei einer Party im Le Cabaret in Velden Foto © APA
Szenefotograf Egon Rutter präsentiert im „Le Cabaret“ in Velden sein „Blitzlicht“-Magazin und rechnet nicht mehr mit dem Besuch des Landeshauptmannes. Doch der steht plötzlich, gegen 21.15 Uhr, da. Wie man ihn kennt, erzählen Gäste. Sportlich, jovial, Small Talk da, ein lockerer Spruch dort. Den hat er auch für das gelbe Mikro der Antenne Kärnten parat. Welche Talente er gern hätte, will Reporter Arne Wilrich wissen. „Ich habe eigentlich alle Talente, das ist ja das Problem“, entgegnet Haider. Er trinkt ein Glas Sekt, alkoholisiert wirkt Haider nicht, erzählt Wilrich später. Nach einigen weiteren lockeren Fragen ist das Radiointerview zu Ende.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden Haiders letzte Stunden und der tödliche Unfall Gegenstand wilder Spekulationen und kruder Verschwörungstheorien – auch weil anfangs nicht klar ist, wann Haider die Party in Velden verlässt. Es ist aber wohl schon gegen 22.30 Uhr. Kurz vor seiner Abfahrt soll es noch zu einem Streit mit Stefan Petzner gekommen sein.

Die letzte Station vor dem Unfall: Der Stadtkrämer in Klagenfurt Foto © Daniel Raunig
Haider ist dann offenbar kurz in seiner Wohnung in Klagenfurt, taucht aber noch vor Mitternacht im einschlägigen Szenelokal „Stadtkrämer“ in der Spitalgasse auf. Gemeinsam mit einem jungen Mann steht Haider an der Theke. Innerhalb einer Stunde sollen sie eine Flasche Wodka vernichtet haben. Um 1 Uhr spaziert er aus dem Lokal. Ein Gast bietet dem offenbar sichtlich betrunkenen Landeshauptmann an, ihn zu fahren. Haider lehnt ab, er will nach Hause ins Bärental.

Um 1.16 Uhr verliert er kurz nach einem Überholmanöver auf Höhe Lambichl die Kontrolle über den VW Phaeton. Das Auto dreht sich um die eigene Achse, „rasiert“ Betonpfeiler und einen Gartenzaun, überschlägt sich und kommt auf den Rädern zum Stillstand. Haider war laut Ermittlern mit über 140 km/h unterwegs und hatte 1,77 Promille Alkohol im Blut. Er erleidet schwere Kopf-, Brust- und Armverletzungen und ist bereits tot, als er ins Krankenhaus eingeliefert wird.

Das erste Bild von der Unfallstelle Foto © APA

Kommentare (4)

Kommentieren
alsoalso
18
17
Lesenswert?

Das war ein Freitod

Er wusste um den Zustand der Hypo und die Milliarden an Landeshaftungen. Als LH war er dafür hauptverantwortlich. Das hätte für ihn Verurteilung, Haft und Zugriff auf sein Vermögen (sein Bärental) bedeutet. Sein Partner Martinz musste für seine Beteiligung an dieser Sache die Suppe dafür auslöffeln......

Antworten
leini1993
8
4
Lesenswert?

Ein Toder kann sich nicht wehren

Die SPÖ wie auch andere Parteien haben für die Hypo zugestimmt

Antworten
chris14
6
17
Lesenswert?

@alsoalso

Auch nur eine Theorie.
WENN das mit "der Flasche Wodka" stimmt ist der Alkoholisierungsgrad ja geklärt. DANN stimmen die kolportierten 1,8 Promille. Die Geschwindigkeit soll ja auch "amtlich" sein, damit erscheint ein Unfall wahrscheinlich, Suizid möglich.
Ganz egal was es war, es sollte endlich zu spekulieren aufgehört werden. Auch ein J.H. soll in Frieden ruhen können. Nein, ich bin kein Fan von ihm!

Antworten
leini1993
3
4
Lesenswert?

Reine Spekulationen

Wir werden es nie erfahr ob er wirklich 1,8 Promille gehabt hat
Geschwindigkeit schön und gut dann müsste das Auto am Dach zerdrückt sein oder? Auf dem Foto sieht man nur das die Motorhaube rechts zerstört ist mhm.

Wie auch immer. Er soll endlich seinen Frieden haben

Antworten