Mehrere Jahre stand die einzige noch aktive Straßenbahnlinie in der Hafenstadt Triest still. Prozesse um die Verantwortung nach einer Kollision sorgten für die Pause, die heuer im Frühling endete. Die 123 Jahre alte Tram konnte ihren Betrieb wieder aufnehmen - ein Nahverkehrsangebot, das nicht nur von den Einheimischen, sondern auch von Touristen begeistert angenommen wurde.
Die ersten Fahrten waren so überlaufen, dass Gäste in der Straßenbahn sogar stehen mussten, was bei der Steigung und dem Gefälle auch anstrengend ist. Schnell war klar: Die Triestiner lieben ihre Tramway und Touristen tun es auch. „Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?“, dachten sich wohl die Betreiber. So entstand die Idee, Sonderfahrten mit dem kultigen Fahrzeug anzubieten.
Und ein Zusatzverdienst kann auch nicht schaden: Denn die Restaurierung der alten blauen Wagons ist teuer, ebenso die Instandhaltung der Schienen und der Fahrbetrieb. Und die öffentlichen Zuschüsse decken die Kosten nicht ab. Daher wurde heuer ein Konzept aus anderen Städten übernommen und „triestisiert“.
Video von der Wiedereröffnung der Tram
TriesteTramTour
„TTT“ heißt das Programm - die drei T stehen für „TriesteTramTour“. Bis zur „Barcolana“, der - bezogen auf die Teilnehmerzahl - größten Segelregatta der Welt im Herbst, fährt eine der drei Tram-Garnituren immer samstags und sonntags mit einem Spezialprogramm. In verschiedenen Sprachen, auch in Deutsch, werden Audioführungen angeboten.
Die Passagiere erfahren Wissenswertes über die Geschichte der Tram und der Strecke. Zusätzlich gibt es Anekdoten. Als Motto hat die Transportgesellschaft „Höre dir die Geschichte an, gönne dir die Aussicht, genieße das Reise-Erlebnis auch kulinarisch“ ausgegeben. Im Herbst wird nachgerechnet, ob sich der heurige Probebetrieb ausgezahlt hat und es eine Weiterführung geben wird.
Fotos der ersten Tramfahrt nach dem Neustart
Eigener Sightseeing-Wagon
Die dritte Garnitur wird mittels Magnetvorrichtung an die Wagons angehängt. In den anderen fahren Passagiere ohne Audio Guides mit. Unter der Woche wird der dritte Wagon abgekoppelt. Wer im Sightseeing-Wagon mitfahren möchte, kauft online um zwölf Euro eine Fahrkarte, Triestiner zahlen acht Euro. Die Sitzplatzbestätigung kommt per E-Mail, denn in der Touritram dürfen die Gäste nur sitzen. Damit ist das Kartenkontingent auf 50 Stück pro Kurs beschränkt.
Die Karte gilt zusätzlich eine weitere Stunde für die Benutzung aller öffentlichen Triester Verkehrsmittel in der Stadt. Damit soll gewährleistet werden, dass man auch im Anschluss an die Spezialfahrt mit Öffis weiterkommt. Zur nachhaltigen Erinnerung ist im Fahrpreis ein Stoffsackerl mit einem großen „T“ und einer Bim oder einer gezeichneten Strecke in den Farben rot, blau, grün und gelb inbegriffen.