Ein Video, das einen jungen Mann zeigt, wie er mit Hose, Schuhen und T-Shirt bekleidet von der berühmten Alten Brücke (Stari most) in Mostar (Bosnien-Herzegowina) springt, geht derzeit in sozialen Netzwerken viral. Es wurde bereits hunderttausendfach geklickt und kommentiert. In dem Video, das etwa eine Minute lang ist, ist zu sehen, wie sich der Mann am vergangenen Mittwoch aus 20 Metern Höhe in den Fluss Neretva stürzt und direkt neben einem kleinen Boot im Wasser landet. Zunächst sieht es so aus, als würden ihm Einheimische, die sich am Ufer befinden, zu Hilfe eilen. Doch als der Springer aus dem Wasser steigt, gehen einige Männer plötzlich auf ihn los und attackieren ihn. Sie brüllen ihn an und einer der Männer schlägt ihm mit der Faust in den Bauch. Der junge Mann versucht zu flüchten. Auch bosnische Medien sind erzürnt und schreiben von einem „verantwortungslosen Verhalten“ des ausländischen Touristen. Denn die gefährliche Aktion soll nicht genehmigt und abgesprochen gewesen sein.
Wie „Vorarlberg Online“ (vol.at) am Samstag berichtet, handelt es sich bei dem Springer angeblich um einen Österreicher, genauer gesagt um einen 28-jährigen Vorarlberger. Er wohnt in Feldkirch und soll ein passionierter Brückenspringer sein. „Ich wollte mir einen Traum erfüllen“, rechtfertigt der junge Mann, der anonym bleiben will, seine Aktion gegenüber „Vorarlberg Online“.
Weltkulturerbe
Die Alte Brücke ist das Wahrzeichen der Stadt Mostar. Sie gilt seit Jahrhunderten als symbolisches Bindeglied zwischen dem muslimisch geprägten Ostteil und dem katholisch geprägten Westteil der Stadt. Erbaut wurde sie Mitte des 16. Jahrhunderts. Im November 1993 wurde sie im Bosnienkrieg zerstört. Nach Ende des Krieges begann 1995 der Wiederaufbau, der etwa 15 Millionen Euro kostete. Im Juli 2004 wurde die Brücke wiedereröffnet. Das Bauwerk wurde in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
Nervenkitzel mit Tradition
Bereits seit dem 17. Jahrhundert stürzen sich vorwiegend junge Männer aus 20 Metern Höhe in die kalten Fluten der Neretva. Ein Nervenkitzel mit Tradition. Der waghalsige Sprung ist nicht ungefährlich, die Springer erreichen in nur drei Sekunden Geschwindigkeiten von bis zu 85 km/h. Bei diesem Tempo ist die Wasseroberfläche hart wie Beton. Touristen bezahlen die professionellen Brückenspringer, um einen Sprung zu sehen. Zum neunten Mal kehren Anfang September auch die Red Bull Cliff Diving World Series nach Mostar zurück.