Eine täuschend echt aussehende Spielzeugwaffe mit in die Schule zu nehmen, ist nie eine gute Idee. In der Woche der schrecklichen Tragödie an einem Grazer Borg erst recht nicht. In einem Gymnasium in Kärnten kam es am vergangenen Freitag zu einem Zwischenfall mit zwei Burschen im Alter von zwölf Jahren. Einer von ihnen brachte eine Spielzeugwaffe mit, die allerdings täuschend echt aussah. Es wurde geblödelt und gerannt. Bis einer den Abzug betätigte und ein anderer zu Boden ging und so tat, als wäre er tödlich getroffen worden.
Aufgeschreckt von den (gespielten) Schreien eilte der im ersten Moment geschockte Schulwart zur Stelle und nahm den Burschen die Waffe ab. Gleich darauf wurde die Direktorin aus der mündlichen Matura geholt, sie informierte die Polizei, die wiederum die Spielzeugwaffe beschlagnahmte. „Aufgrund des Amoklaufs in Graz ist ein derartiges Verhalten als direkte Gefährdung einzustufen und zieht sämtliche mögliche Konsequenzen nach sich“, bestätigt Bildungsdirektorin Isabella Penz den Vorfall. Die Eltern wurden informiert, die Burschen für fünf Tage vom Unterricht suspendiert.
Viele Trittbrettfahrer
In den Schulen ist die Situation derzeit ähnlich angespannt wie nach dem Attentat im Feber, bei dem ein Schüler in der Villacher Innenstadt von einem Islamisten getötet wurde. Schon damals kam es in den Tagen und Wochen danach zu besorgniserregenden Vorfällen. Schüler kündigten ähnliche Taten an oder verherrlichten den Täter. „Das geht leider durch alle Altersgruppen. Sehr oft ist das ein Schrei nach Aufmerksamkeit von Trittbrettfahrern in diesen sehr sensiblen Phasen“, sagt Penz.
Was ist in Graz passiert?
Von offizieller Seite müssen derzeit noch mehrere Fälle aufgearbeitet werden. Ebenfalls am vergangenen Freitag sind in Kärntner Schulen Sätze wie „Ich habe auch eine Waffe daheim“ und „Ich würde das auch so machen (Amoklauf, Anm.)“ gefallen. Am Montag drohte ein Schüler mit den Worten „Ich steche euch alle ab“. Anschließend hat er sich geweigert, den Lehrer in seinen Rucksack schauen zu lassen.
Zutrittsbeschränkungen werden geprüft
Das Schulsystem sei seit dem Amoklauf in Graz besonders stark gefordert, berichten Lehrerinnen und Lehrer. „Alle Aussagen von Schülern werden sehr ernst genommen“, sagt Penz. Von offizieller Seite erfolge eine ständige Anpassung an aktuelle Bedrohungen, wie derzeit eine Beurteilung von möglichen Zutrittsbeschränkungen von schulfremden Personen.
Polizist hält Vortrag
Passieren Vorfälle, die auf eine Bedrohungslage schließen lassen, wird die Bildungsdirektion informiert und die Polizei verständigt. Im Fall der Spielzeugwaffe im Kärntner Gymnasium wird ein Präventionsbeamter der dortigen Polizeiinspektion einen Vortrag halten, um die Schülerinnen und Schüler für diese Themen besser zu sensibilisieren. Am kommenden Montag dürfen die suspendierten Schüler wieder am Unterricht teilnehmen.