Im 17. Jahrhundert erstmals als Gastwirtschaft erwähnt, war es Julius Verdino, der das Hotel Moser 1897 um 75.000 Gulden von der Familie Moser erwarb, zunächst aufstockte und ab 1905 neu errichten ließ. Sein Gewerbe wurde ihm in die Wiege gelegt. „Julius Verdino war der Sohn eines Gastwirtes in Glandorf“, sagt Herfried Verdino. Die letzte Eigentümerin aus der Verdino-Familie war die Cousine seines Vaters.

Julius Verdino heiratete 1898 Elisabeth „Elise“ Trabesinger. „Die Tochter des bekannten Einkehrgasthofbesitzers in der Klagenfurter Vorstadt“, wie Chronist Eduard Skudnigg 1972 in einem Artikel schrieb. Dem Ehepaar, das zwei Kinder hatte, war allerdings kein langes gemeinsames Leben vergönnt. Julius Verdino starb im Jänner 1913 im 42. Lebensjahr.

Fortan war es Elise Verdino, die die Geschicke des Hotels lenkte. Sie war in der Geschichte des Betriebes - das Haus wurde bereits im 17. Jahrhundert als Gastwirtschaft erwähnt - nicht die erste Witwe in dieser Funktion. In ihrem Porträt bei den „Klagenfurter FrauengeschichteN“ anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Stadt wird sie als „Frau Sacher von Klagenfurt“ bezeichnet, als die sie in die Stadtgeschichte eingegangen war.

Anna Sacher, dreifache Mutter, leitete nach dem Tod ihres Mannes Eduard 1892 das Wiener Luxushotel und läutete mit ihrem unternehmerischen Geschick eine neue Ära ein. Der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass 1933 auch Franziska Jamek die gleiche Bezeichnung wie Verdino zuteil wurde, als ihr Mann, der Chef des Hotels Sandwirt, verstarb. „Franziska Jameks berühmter Pudding war quasi die Sachertorte von Klagenfurt“, sagt Historikerin Alexandra Schmidt, die beide Frauen in ihrem Buch „Klagenfurterinne(r)n“ beleuchtet hat.

Verschuldet

Leicht hatte es Elise Verdino von Anfang an nicht. Der Umbau hatte das Ehepaar finanziell sehr herausgefordert, es war in Schulden geraten. Doch sie ließ sich nicht unterkriegen. Die Dame „von bestrickend einfacher Eleganz, die ihre Stellung nur durch zwei Brillantboutons in den Ohrläppchen andeutete, beherrschte den Betrieb absolutistisch“, schreibt Skudnigg.

Die „wackere Frau“ habe mit „zäher Ausdauer“ den Ersten Weltkrieg und die folgende Inflation gemeistert, heißt es im Mai 1936 in der Zeitung „Freie Stimmen“ anlässlich ihres 60. Geburtstags. Sie war, so Historikerin Alexandra Schmidt, ihrer Zeit voraus. Die Hotelierin ließ das Moser Verdino in den 1920er Jahren zwei Mal erweitern und richtete das Café im Art-Déco-Stil ein. Darüber schrieb auch die Klagenfurter Zeitung am 24. Oktober 1923. Sie hat dem Kaffeehaus „von neuem jenen vornehm bürgerlichen Anstrich gegeben, das es von jeher ausgezeichnet hat.“ Die Sitzmöbel stammten von der renommierten Wiener Firma Thonet.

Das Hotel war über Jahrzehnte eine der angesagtesten Adressen der Stadt und mehr noch: „Der Ruf des Hauses Verdino gewann - man kann sagen - europäische Bedeutung“, so die „Freie Stimmen“, Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland stiegen im Hotel ab.

Auch Sohn verstarb früh

Privat wurde Elise Verdino 1938 ein weiteres Mal schwer gebeutelt. Ihr Sohn Georg, der ihr nachfolgen sollte, starb im Alter von 39 Jahren. Sie selbst schloss am 11. September 1941 ihre Augen für immer. Im Jahr vor ihrem Ableben bewies sie noch einmal Weitsicht und ließ im Hotel einen Luftschutzkeller einbauen, wie Historikerin Katja Almberger in ihrem Artikel in der „Carinthia I“ 2024 schreibt.

Das von Bomben schwer beschädigte Hotel wurde in der Folge von den Briten beschlagnahmt und erst 1954 wieder freigegeben. Elise Verdinos Enkelin Elisabeth Charlotte war es, die den Betrieb wieder aufnahm. 1979 ging die Verdino-Ära mit dem Verkauf des Hauses an die Erste Allgemeine Versicherung zu Ende.

2016 wurde das Hotel unter der Arcotel-Gruppe geschlossen, 2020 nach einem Umbau als Select-Hotel wiedereröffnet. Die Lilihill Gruppe hatte als Eigentümer rund 23 Millionen Euro investiert. 2023 ging das Gebäude an die Ertani Realinvest über. Seit Februar wird das Haus als Garner-Hotel geführt.