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Durchbruch gegen Pandemie?Putin verkündet ersten Corona-Impstoff - WHO skeptisch

Details sind nicht bekannt, allerdings erfolgte die Zulassung offenbar noch ohne große Wirksamkeitsprüfung (Phase-III) an tausenden Probanden.

Russlands Präsident Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin © (c) AFP (ALEXEI DRUZHININ)
 

"Sputnik V": So lautet der Name des ersten Impfstoffes gegen das Coronavirus, dessen Zulassung in Russland Präsident Wladimir Putin am Dienstag bekanntgegeben hat. Russland ist damit das erste Land der Welt, das nach eigenen Angaben einen wirksamen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 entwickelt hat. Die Impfung sei in der Früh zugelassen worden, sagte Putin während einer im TV übertragenen Videokonferenz.

"Ich weiß, dass sie wirksam ist, dass sie dauerhafte Immunität gibt", fügte Putin hinzu. Die Bevölkerung soll bereits ab Jänner mit dem neuen Stoff geimpft werden, wie russische Agenturen unter Berufung auf das Arzneimittelregister des Gesundheitsministeriums berichteten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagierte jedoch zurückhaltend auf die Ankündigung. Sie kündigte an, alle Daten über die "Sicherheit und Wirksamkeit" des russischen Impfstoffs genau zu überprüfen, bevor sie ihr grünes Licht geben werde.

Ich weiß, dass sie wirksam ist, dass sie dauerhafte Immunität gibt.

Russlands Präsident Wladimir Putin

Laut Fondschef Kirill Dmitrijew soll am Mittwoch die dritte und letzte klinische Testphase für "Sputnik V" (V für Virus) beginnen. Die industrielle Produktion soll demnach im September starten. Dmitrijew zufolge gibt es bereits Vorbestellungen von 20 Ländern in einem Umfang von "mehr als einer Milliarde Dosen".

Name mit historischem Bezug

Laut dem russischen Investmentfonds, der das Projekt mitfinanziert, wird der Impfstoff nach dem sowjetischen Sputnik-Satelliten benannt, der im Oktober 1957 als erster Satellit weltweit in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht wurde.

Bei "Sputnik V" handelt es um einen Impfstoff, der am Gamaleja-Institut für Epidemiologie in Moskau gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff - das bedeutet, er stützt sich auf ein für den Menschen ungefährliches Virus, das dann so verändert wird, dass es eine Infektion mit dem Coronavirus verhindert. Als Vektorvirus genutzt wird das Adenovirus, mit dem auch die Universität von Oxford arbeitet.

Bei DNA- oder RNA-Vakzinen werden Erbsubstanzteile der Erreger mittels Genvektoren per Impfung verabreicht. Sie sorgen dafür, dass im Körper des Immunisierten jene Antigene produziert werden, gegen die das Immunsystem schließlich eine Abwehrreaktion aufbaut. Das soll gegen natürliche Infektionen schützen.

Die andere, erste Variante wären eben Vektoren von sonst ungefährlichen Viren, auf welche Antigene von SARS-CoV-2 "aufgepfropft" werden, um eine Immunantwort zu erzeugen. Kandidatvakzine nach diesem Prinzip aus China mit humanen Adenoviren als Ausgangspunkt hatten bisher das Problem, dass die Vektoren bei Probanden selbst eine Immunantwort gegen sich verursachen, was eben den Impfeffekt reduziert. Die in Oxford entwickelte und bereits in Phase-III der klinischen Tests befindliche Vakzine (AstraZeneca) verwendet Virusvehikel, die auf Schimpansen-Adenoviren beruhen.

Appell der WHO

Die WHO forderte Russland damals auf, sich bei der Herstellung eines Corona-Impfstoffes an die festgelegten Richtlinien für die Produktion sicherer und wirksamer Medikamente zu halten. WHO-Sprecher Christian Lindmeier wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass Russland bisher noch keine überprüfbaren Studien über seine Forschungsergebnisse veröffentlicht habe.

Es bestehe ein Unterschied, ob tatsächlich ein funktionierender Impfstoff gefunden wurde, der alle vorgeschriebenen Testphasen durchlaufen habe, oder ob nur die Vermutung da sei, einen solchen Impfstoff gefunden zu haben, fügte der WHO-Sprecher schon damals hinzu.

"Unser Impfstoff basiert auf zwei sogenannten Vektoren, modifizierten Viren, die das Genmaterial des Coronavirus in die menschliche Zelle bringen. In diesem Fall sind das Adenoviren, die eine sehr leichte Form der Grippe auslösen. Sehr vereinfacht ausgedrückt, funktionieren die Vektoren wie ein Zug, der Genmaterial des Coronavirus-Stachels (Spike- oder S-Protein an der Virusoberfläche, mit dem das Virus an Zellen andockt; Anm.) in die Zelle transportiert. Der Körper fängt dann an, diesen Stachel zu bekämpfen, und bildet Antikörper", wurde der Chef des russischen Staatsfonds, Kirill Dmitrijew, vor wenigen Tagen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in einem Interview zitiert. Aus dem Zitat geht nicht eindeutig hervor, auf welcher Basis die Vakzine funktionieren soll.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sorgt die zweimalige Impfung mit dem Stoff für eine "lange Immunität". Diese könnte demnach bis zu zwei Jahre anhalten. Die für Gesundheitsfragen zuständige Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa hofft nach eigenen Angaben, bereits in den kommenden Wochen mit der Impfung des medizinischen Personals beginnen zu können. Lehrer sollen ebenfalls zum ersten Personenkreis zählen, der geimpft wird.

Putin berichtete, dass sich auch eine seiner Töchter im Rahmen der Tests mit dem neuen Stoff habe impfen lassen. Sie habe eine leicht erhöhte Temperatur entwickelt, "das war alles", sagte er. Am wichtigsten sei es aber, dass "wir in der Zukunft die völlige Sicherheit der Impfung garantieren können", fügte der Kremlchef hinzu.

Russland hatte bereits Anfang August angekündigt, ab September mit der Massenproduktion eines Impfstoffes zu starten. Ausländische Experten äußerten schon vorher ihre Besorgnis über die Geschwindigkeit, mit der das Land einen eigenen Impfstoff entwickelt.

Derzeit arbeiten weltweit Labore fieberhaft an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. Insgesamt sechs von westlichen Firmen und von China entwickelte Impfstoffe befinden sich bereits in der dritten und letzten Phase der klinischen Tests. Am Dienstag starteten in Indonesien Tests mit dem Impfstoff CoronaVac des chinesischen Unternehmens Sinovac Biotech. Er wird bereits in Brasilien an 9.000 Ärzten, Pflegern und Krankenschwestern getestet.


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Kommentare (22)

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zweigerl
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"Putnik"

"Sputnik"-Putnik macht das Rennen! Eigentlich beschämend, dass die Entwicklung des rettenden Impfstoffs zur Machtdemonstration genützt wird. Am beschämendsten freilich für die hochdotierten westlichen Laboratorien, die Milliarden an Forschungsgeldern somit sinnlos verpulvert haben.

Obama
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русская рулетка

Neu definiert von Wladimir Wladimirowitsch Putin.

dieRealität2019
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die Länder die eine derartige Menge bereits vorbestellt haben, werden sich sicherlich dabei was gedacht haben

Laut Fondschef Kirill Dmitrijew soll am Mittwoch die dritte und letzte klinische Testphase für "Sputnik V" (V für Virus) beginnen. Die industrielle Produktion soll demnach im September starten. Dmitrijew zufolge gibt es bereits Vorbestellungen von 20 Ländern in einem Umfang von "mehr als einer Milliarde Dosen".

tintifax
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putin

hat auch jetzt nur daran gedacht, wie er seine macht stärken und alle anderen ums ohr hauen kann. sonst nichts. es hat sich bei ihm absolut nix geändert seit der zeit, als er kgb-chef in der ehemaligen ddr war. ich weiß es schmerzlich von langjährigen russischen freunden, die sehr unter diesem regime leiden.

dieRealität2019
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so wie in Russland gibt es bereits auch in anderen Länder

in der Wissenschaft Teilerfolge bei der Herstellung eines Impfstoffes Man wird sehen wie lange es dauern wird, bis ein Impfstoff erfolgreich zur Anwendung kommt. Natürlich benötigt man hier Testpersonen keine Frage, verständlichereise in jedem Land.

dieRealität2019
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die Antwort der WHO ist aus meiner Sicht letztklassig

nicht weniger die Kommentare mancher PosterInnen. "...Durchbruch gegen Pandemie? Putin verkündet ersten Corona-Impstoff - WHO skeptisch..."
.
Nahezu in allen Ländern wird weltweit am Impfstoff gearbeitet, aber weil es Russland ist kommen dann die dümmlichsten und trottelhaftesten Kommenare einserssetis von der Politik und von den Medien, von Poster in den Foren ganz zu schweigen.
.
Denkt wer das Russland keine Wissenschaft besitzt? Letztklassig.

pescador
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Seine Tochter sei bereits geimpft worden.

Und morgen kommt der Weihnachtsmann und der Osterhase....

schadstoffarm
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Nach sputnik, gagarin

Endlich wieder eine frohbotschaft!

GordonKelz
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Bevor ich meine Tochter oder Enkel...

...als Versuchskaninchen herhalte, gehe wohl ich mit gutem Beispiel voran, Herr Putin !
Gordon Kelz

SoundofThunder
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🤔

Und jetzt braucht er noch Freiwillige die sich impfen lassen.

jaenner61
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die „freiwilligen“ werden in russland

wohl kaum ein großes problem sein. im schlimmsten fall als gegenleistung ein paar flaschen vodka 🤪

SoundofThunder
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Ja

Oder ein paar Inhaftierte Menschenrechtsaktivisten😉

tintifax
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Ich würde

mich mit diesem nicht nach internationalen Standards getesteten Präparat sicher nicht impfen lassen!

Ragnar Lodbrok
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Das ist genauso glaubwürdig, wie wenn

Trump versichert, daß Schwarze und Weiße in allen Lebensbereichen gleichgestellt werden müssen. 🤣

tintifax
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Diese Vorgangsweise Russlands

widerspricht allen international geltenden medizinischen Standards! Aber von Putin & Co. war nichts anderes zu erwarten. Höchste Skepsis ist mehr als angebracht!

DavidgegenGoliath
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@tintifax

Jede Coronaimpfung, die zur Zeit getestet wird, entspricht nicht internationalen Standards.
Diese Standards wurden weltweit ausgehebelt.
Egal woher der Impfstoff kommt, getestet wird er erst an der Menschheit!

Niemand wird die Impfung verweigern können!

tintifax
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Geschätzte Daumenrotrunterdrücker:

Wenn ihr die Fakten ignoriert, dann macht euch doch auf nach Russland und lasst euch dort freiwillig mit dem ach so „wirksamen Wirkstoff“ impfen, der offensichtlich produziert wurde, ohne dass man sich an die von der WHO festgelegten Richtlinien für die Produktion sicherer und wirksamer Medikamente gehalten hat … Eine Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien widerspricht dem international üblichen Vorgehen! Eine reguläre Zulassung eines Medikamentes ohne die umfangreichen Daten aus einer Phase-III-Prüfung mit mindestens mehreren tausend (bis zu zehntausend) Probanden ist laut Klaus Cichutek, Präsident des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, sehr riskant … Mögliche Nebenwirkungen etc. ... Kein Kommentar mehr meinerseits …

joektn
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Hm

Als wäre die WHO und diverse Studien das Allheilmittel und du hast bei jedem Medikament Nebenwirkungen. Anscheindend verfällt nun die europäische und amerikanische Pharmaindustrie in Panik. Immerhin geht es hier um Milliarden an Umsätzen und erst in zweiter Instanz um die Gesundheit der Menschen.

GordonKelz
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Impfungen

Auch bei der Zulassung von Impfstoffen wird
man sich den immer schneller werdenden Gegebenheiten anpassen müssen!
Zuzuschauen wie in Zukunft kommende Pandemien Millione Menschen dahinraffen und auf bestehende Zulassungsgesetze zu bestehen, kann nicht der Weißheit letzter Schluss sein.
Gordon Kelz

Amadeus005
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Generell finde ich es positiv

Dass sich die Herrscher mit Meldungen für die Menschheit übertrumpfen wollen. Mond, Mars, ... waren ja eher für das Wettrüsten.

BernddasBrot
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Da hab ich so meine Zweifel....

gerade das mit seiner Tochter

nicolene
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...ich hab auch meine Zweifel!!! Große!!!

Die Tochter wurde wahrscheinlich nur mit einer Kochsalzlösung geimpft! Aber in den Medien wird das eben so gut verkauft, damit sich viele Leute mit diesem Gift verseuchen lassen!😡