Stundenlang saß Boris Becker (54) am Freitag wieder vor Richterin Deborah Taylor, die soeben das Strafmaß gegen den Ex-Tennisprofi verkündete: Zweieinhalb Jahre Haft für Geldwäsche, Betrug und Hinterziehung in der Insolvenz. Die Hälfte davon wird Becker tatsächlich hinter Gittern verbringen müssen. Becker zeigte keine Regung nach dem Spruch. Er griff nach einer bereits gepackten Tasche und wurde von einer Justizmitarbeiterin durch eine Seitentür aus dem Saal geleitet. Vermutlich wird Becker schon am Samstag in eine Haftanstalt kommen. 

Becker stehen noch Rechtsmittel offen, sowohl gegen den Schuldspruch als auch gegen das Strafmaß. Er hat nun 28 Tage Zeit, um gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Nach einer langen Ausführung  von Staatsanwältin Rebecca Chalkley und einer vergleichsweisen kurzen Stellungnahme von Beckers Vertreter Jonathan Laidlaw gab es eine eine Pause. Kurz vor 16 Uhr kehrte Becker, sein Sohn und seine Freundin in den Gerichtssaal zurück, wo das bange Warten auf das Strafmaß weiterhin kein Ende hatte. Die Richterin verspätete sich um eine halbe Stunde. Um 16.46 Uhr verkündete sie das Urteil. 

Laidlaw: "Die Marke Becker liegt in Scherben"

Nun steht der Weltstar vor den Trümmern seiner Existenz, wie auch sein Anwalt Jonathan Laidlaw in emotionalen Schlussworten beschreibt. "Er hat praktisch nichts mehr", sagt Laidlaw, als er um ein mildes Urteil bittet. Becker werde keine Arbeit mehr finden und sei auf Unterstützung Anderer angewiesen. "Die Marke Becker liegt in Scherben", betont Laidlaw. Das Verfahren sei ohnehin bereits die größtmögliche öffentliche Demütigung. Er hatte seinen Mandanten im Prozess nicht gerade freundlich dargestellt. Becker sei naiv und habe unklug gehandelt, aber ein gemeiner Betrüger, als den ihn Anklägerin Rebecca Chalkley porträtiert hatte, sei er nicht. Er könne halt einfach nicht mit Geld umgehen.

Als Tennisprofi hat Boris Becker in seiner Karriere wohl mit der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung gehadert. Doch nie ist für den Sportler so viel auf dem Spiel gestanden wie beim Spruch von Richterin Deborah Taylor am Freitag, schon vor drei Wochen war Becker von einer Jury in vier von 24 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Er habe seinem Insolvenzverwalter Teile seines Vermögens absichtlich vorenthalten. Darunter: Konten, Immobilien und sogar Trophäen. Nach dem Schuldspruch musste der Ex-Tennisstar seinen Pass abgeben, befand sich aber gegen Kaution auf freiem Fuß. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird eine etwaige Strafe in England vollstreckt werden, wo die Haftbedingungen härter sind als in Deutschland. Eine Verlegung nach Deutschland dürfte juristisch aber problematisch sein. 

25 Millionen US-Dollar Preisgeld

Für Gesprächsstoff sorgte im Vorfeld eine vermutlich teure Einkaufstour Beckers am vergangenen Donnerstag. Er soll im exklusiven und sehr teuren Londoner Geschäft "Harrod`s" gewesen sein. Doch Becker hatte viel Geld. 25 Millionen US-Dollar Preisgeld hat er in seiner Karriere zwischen 1984 und 1999 verdient. Hinzu kommt etwa die gleiche Summe durch Werbung, wie er vor Gericht schildert. Dass eine solche Menge plötzlich weg ist, darüber zeigt sich Becker überrascht und entsetzt. Er habe sich stets auf Berater verlassen, sagt er aus. Hinzu kommen private Sorgen. Ex-Frau Barbara muss Becker nach der Scheidung Millionen zahlen, auch für seine Tochter Anna Ermakowa bringt er ein Vermögen auf, unterstützt seine derzeitige Ehefrau Lilly, von der er getrennt ist, und den gemeinsamen Sohn Amadeus. Sein Lebensstil ist gehoben, er wohnt in einer angesagten Londoner Gegend.

Boris Becker selbst hatte im Vorfeld anscheinend mit einer längeren Haftstrafe gerechnet. Britischen Medienberichten zufolge verbrachte er in den letzten Tagen viel Zeit mit seinen Liebsten wie seiner Partnerin Lilian de Carvalho und seinen Kindern. Sogar Ex-Frau Lily Becker soll er getroffen haben. Doch Beckers größte Unterstützerin in dem Fall ist wohl seine Mutter Elvira Becker. Sie richtete die Bitte an das Gericht, ihren Sohn nicht ins Gefängnis zu schicken: "Alles in allem ist er ein Anständiger!"