Die dritte Staffel der Netflix-Serie „Monster“ unterstreicht die Popularität von True Crime einmal mehr. Seit Freitag sind die acht Episoden der „Ed Gein Story“ aus der Feder von Ian Brennan verfügbar. Die Serie erzählt die Geschichte des Mörders aus Wisconsin, der in den USA in den 1950er-Jahren für Angst und Schrecken sorgte.
Der britische Schauspieler Charlie Hunnam (45), bekannt etwa aus dem Motorrad-Drama „Sons of Anarchy“, schlüpft in die Rolle des „Schlächter von Plainfield“ - eine spezielle Herausforderung für den Hollywood-Publikumsliebling, die er selbst als „eine tiefe und eindringliche Erfahrung“ beschreibt. Doch wer war Ed Gein, der als Vorlage für zahlreiche Filme wie Alfred Hitchcocks „Psycho“ (nach dem Buch von Robert Bloch) dient? Um den psychischkranken Mörder und Leichenschänder ist ein regelrechter Kult entstanden.
Einfluss der Eltern
Edward Gein wurde 1906 im US-Bundesstaat Wisconsin als zweites Kind seiner Eltern geboren. Der Vater George Gein war Alkoholiker, Mutter Augusta wird als dominant, streng und sehr religiös beschrieben. Sie zog ihre Söhne abgeschottet von der Außenwelt auf einer abgelegenen Farm auf. Gein hatte keine Freunde und interessierte sich schon in jungen Jahren für Gewalt und Kannibalismus.
Bei einem Großbrand auf der Farm starb Ed Geins älterer Bruder Henry - laut Spekulationen könnte er bereits das erste Opfer des Serienmörders gewesen sein. Als ein Jahr später auch seine Mutter starb, begann Ed Gein, sich doch unter die Menschen zu mischen. Er lernte Mary Hogan kennen, die eine Bar betrieb und seiner Mutter ähnlich sah. 1954 erschoss Gein die Barinhaberin und versteckte ihre Leiche bei sich zuhause.
Farm voller Leichenteile
Es dauerte nur drei Jahre bis zum nächsten dokumentierten Mord. Die 58-jährige Bernice Worden, die Gein ebenfalls an seine Mutter erinnert haben dürfte, erschoss er ebenfalls. Die Leiche versteckte er wieder auf seiner Farm. Der Sohn des Opfers verdächtigte Gein, die Polizei durchsuchte anschließend dessen Haus. Dabei machten sie einen grausamen Fund: Gein hatte die Leichen der Frauen zerstückelt, Wordens Leiche hatte er ohne Eingeweide in seinem Schuppen aufgehängt.
Auf der Farm fanden die Ermittler zahlreiche andere Leichenteile, unter anderem Möbel oder einen Anzug aus menschlicher Haut. Sie sollen von mindestens 15 verschiedenen Frauenleichen stammen, die Gein am Friedhof ausgegraben und gestohlen hatte. Er habe zwanghaft gehandelt, sagte Gein später aus.
Bis zum Tod in der Psychiatrie
Gein gab beide Morde und den vielfachen Leichendiebstahl zu, war sich aber keiner Schuld bewusst. Zuerst hatte man den Mehrfachmörder als nicht prozessfähig eingestuft und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. 1968 musste er sich dann doch vor Gericht verantworten. Laut Urteil war Gein schuldig wegen Mordes, er verblieb aber in der Klinik. Er soll an Schizophrenie, Wahnvorstellungen und verzerrter Wahrnehmung gelitten haben - wobei Diagnosemethoden in den 1950er-Jahren weniger entwickelt waren als heute.
Gein verließ die Klinik bis zu seinem Tod nicht mehr. 1984 starb er im Alter von 77 Jahren an Atemversagen infolge seiner Krebserkrankung. Er gilt als einer der berüchtigsten Verbrecher des 20. Jahrhunderts. Filme, Serien, Musik und Videospiele setzen sich bis heute mit seinen Taten auseinander - nun auch Netflix.