Essstörungen sind düstere und zerstörerische Erkrankungen, bei denen man seinen Körper auszehrt, nieder ringt – im schlimmsten Fall bis zum Tod. 200.000 Menschen in Österreich leiden an dieser psychischen Krankheit – hauptsächlich betroffen sind nach wie vor Frauen und Mädchen. Das sind nur die Zahlen, die es vor den Vorhang schaffen und die einer medizinischen Behandlung bedürfen. Der Weg dahin ist gepflastert mit Selbstzweifeln, Angst, nicht dazuzugehören, und im schlimmsten Fall Selbsthass. Kaum eine Jugendliche oder eine Frau, die diese Gefühle nicht kennt. Die Kampfzone Körper ist ein dauerlodernder Krisenherd für viel zu viele in der Gesellschaft – und zunehmend auch für Männer. Nichts daran ist schön oder erstrebenswert.

Falsches Bild in den sozialen Medien

Doch insbesondere in den sozialen Medien zeigen sich Essstörungen ganz anders: Dort steht zum Beispiel Magersucht häufig in Verbindung mit Schönheit und Schlankheit oder auch Glamour und Prominenz. Unter dem Hashtag Skinnytok fanden sich bis vor Kurzem auf TikTok mehr als eine halbe Million Videos, die einem erklären, wie toll es nicht ist, dünn zu sein. Inklusive fragwürdiger Diättipps, Bodyshaming und gefeierter Zurschaustellung von krankhaften Körperbildern.

Dabei dachten wir für einen kurzen Augenblick, wir hätten den sogenannten Heroin-Chic der 1990er Jahre hinter uns gelassen, als Models wie Kate Moss sich noch stolz von Wasser, Zigaretten und diversen Substanzen ernährten. Vorbei scheint die Body-Positivity-Bewegung, wo sogar berühmte Modehäuser mit unterschiedlichsten Körperformen Werbung gemacht haben.

Was können wir tun?

Der Konsum von sozialen Medien verursacht per se keine Essstörung. Aber es kann ein Brandbeschleuniger sein für Menschen, die bereits an der Kippe stehen. Denn Social Media ist der Raum der Illusionen und des Begehrens. Hier wird gezeigt, was sein soll, nicht was ist. Mit Träumen ließ sich schließlich schon immer Geld verdienen.

Nach Druck der EU-Verbraucherschützer sperrte die Plattform TikTok gefährliche Suchbegriffe. Monatelang drängten europäische Politiker auf das Verbot. Nun findet man, wenn man unter Skinnytok sucht, einen kurzen Erklärtext adressiert an Menschen mit Essstörungen. „Du bist nicht allein. Denk bitte daran, dich immer gut um dich selbst und um andere zu kümmern.“

Alleingelassen werden die Menschen jedoch genau auf diesen Plattformen. Es gibt keine Einordnung. Niemand relativiert und sagt einem, was noch „normal“ ist. Und seit die künstliche Intelligenz die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion nun völlig verschwimmen lässt, wird das noch verstärkt. Wo sollen also Verbote ansetzen? Ein blockierter Hashtag löst das Problem nicht. Dieselben Videos lassen sich nun einfach unter einem anderen Stichwort finden. Doch es ist auch keine Lösung, sich kampflos geschlagen zu geben. Wenigstens versucht die EU, die Hydra in Schach zu halten.