Der chinesische Elektroautobauer BYD nimmt einem Insider zufolge Deutschland als Standort für ein drittes Montagewerk in Europa in die Auswahl. Westeuropa komme deswegen in Frage, weil BYD über die Produktion in der Region seine Marke stärken und die Akzeptanz bei den Kunden verbessern könne, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Deutschland ist für BYD erste Wahl

Deutschland sei dabei die erste Wahl, auch wenn das wegen der Kosten für Arbeit und Energie, einer niedrigen Produktivität und einer geringen Flexibilität intern durchaus in Frage gestellt werde. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen. BYD antwortete zunächst nicht auf die Bitte um Stellungnahme.
Bisher BYD-Werke in Ungarn und Türkei vorgesehen. Deutschland gerät auch deshalb in den Fokus, weil hier die Verkaufszahlen mies sind.

BYD-Vizepräsidentin Stella Li hatte zuletzt der „Automobilwoche“ gesagt, dass das Unternehmen neben den Werken in Ungarn und der Türkei über eine dritte Produktionsstätte nachdenke. Dem Insider zufolge muss sich BYD bei seinen Entscheidungen an eine Vorgabe der Regierung in Peking halten, nicht in Ländern zu investieren, die für die Strafzölle der Europäischen Union auf Elektroautos aus China gestimmt hatten. Damit fielen Frankreich und Italien weg. Deutschland hatte gegen die Zölle gestimmt.

BYD wollte VW-Werke übernehmen

Freilich hänge eine Entscheidung über ein weiteres Werk davon ab, wie sich der Absatz von BYD entwickle und wie stark die Kapazitäten in Ungarn und der Türkei ausgelastet seien, hieß es weiter. Zusammen haben die beiden Anlagen eine Kapazität von ungefähr 500.000 Fahrzeugen jährlich. Im Jänner hatte Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, dass chinesische Autobauer womöglich an überzähligen Volkswagen-Werken in Deutschland interessiert sind. BYD hatte bereits Interesse an dem Ford-Werk in Saarlouis angemeldet, der Verkauf scheiterte jedoch.

Die Superbatterie für die Luxusklasse

Auch auf technischer Ebene macht BYD Schlagzeilen: Jetzt wurde ein 1000-Volt-System für Luxusmodelle präsentiert, das extrem hohe Ladegeschwindigkeiten ermöglichen soll. In nur fünf Minuten soll es möglich sein 470 Kilometer nachzuladen. Auch will BYD dafür ein eigenes Ladesäulen-System aufbauen.

Die neuen E-Auto-Batterien von BYD wären damit noch einmal besser als die neueste Generation der CATL-Akkus: Diese können in 12 Minuten ganze 500 Kilometer an Reichweite nachladen – vorausgesetzt die Ladesäule gibt die entsprechende kW-Kapazität her. Bisher ist es zum Beispiel in Österreich oft so, dass die Schnellladestationen nur selten die maximale Kapazität schaffen.