Wer in letzter Zeit rund um Puch bei Weiz unterwegs war, wird es bemerkt haben: Wo noch vor Kurzem Apfelbaum an Apfelbaum stand, sind jetzt im besten Fall Grasstoppeln und ein paar Büschel Unkraut zu sehen. Darüber nur Himmel.

Im schlechteren Fall sind die Apfelbäume gerodet, die Betonpfeiler und die Hagelnetze aber stehen noch. Und im schlechtesten Fall – für angrenzende Apfelbauern – erobern die verlassenen Apfelbäume die Kultur zurück, überwuchern die Hagelnetze und beherbergen – so befürchtet man – Krankheiten und Schädlinge.

Was ist passiert? „Wir haben einige, die auf Beeren umstellen, andere verjüngen ihre Kulturen“, sagt Bürgermeisterin Gerlinde Schneider. „Wieder andere haben keinen Nachfolger und stellen auf Wein oder Kirschen um.“

Als Beispiel nennt Schneider Maria und Gerhard Fink im Ortsteil Klettendorf. Früher hatten Obstbauern nur Äpfel. Heute hat man noch immer elf Hektar davon, aber schon drei Hektar Kirschen und 4,5 Hektar Wein.

Mit Kirschen haben die Finks schon früh begonnen: „1999 war das, da ist es mit den Äpfeln nicht so gut gelaufen“, erzählt Gerhard Fink. Also habe er es mit Kirschen probiert. „Das hat gut funktioniert und die Leute waren begeistert“, erzählt der Landwirt. Heute haben sie acht bis zehn Sorten. Die Vermarktung erfolgt zu 90 Prozent ab Hof.

Der Wein wiederum sei 2015 das Projekt von Sohn Michael gewesen. „Man muss die Jungen was probieren lassen, wenn sie bleiben sollen“, sagen die Finks. Und so ist der Wein heute im Ort gut angeschrieben und wird ebenfalls hauptsächlich ab Hof verkauft.

„Wir haben uns um mehrere Standbeine bemüht, denken immer ein paar Jahre voraus“, sagt Gerhard Fink. Den Jungen habe man vorgezeigt, dass „es nicht reicht, wenn man jammert, man muss was tun und die Begeisterung weitergeben“, sagt Maria Fink.

Dass viele Flächen brach liegen, sei schade, aber nicht unverständlich. „Pro Hektar kostet das Abräumen sicher an die 5000 Euro“, meint Fink. Das Problem sei nur, dass Schädlinge von nicht bewirtschafteten Plantagen auch auf die Nachbarflächen übergreifen würden. „Und man kämpft so schon mit dem Spätfrost und dann hast du das auch noch dazu“, sagt Fink.

Liebreiz geht verloren

Einen weiteren Punkt spricht Karl Schloffer an. Er ist Biobauer in Anger und einer der „Apfelmänner“, die den Abakus, einen Apfelbrand nach geheimem Rezept, vermarkten. „Das Problem bei den Brachflächen ist auch, dass der Liebreiz der Landschaft verloren geht. Und das wirkt sich auf den Tagestourismus, die Selbstvermarkter und letztendlich auch auf die eigenen Bewohner aus“, sagt er.

Karl Schloffer ist Biobauer in Anger
Karl Schloffer ist Biobauer in Anger © KLZ / Ulla Patz

Schloffer selbst habe im Vorjahr eine Plantage im Tal stillgelegt, heuer erfolgte eine zweite. Der Spätfrost habe die Flächen unrentabel gemacht. „Aber wir haben alles weggeräumt, vielleicht entsteht mit der Zeit eine schöne Wiese“, meint er.

Obmann ebenfalls umgestellt

Und was sagt der Obmann der Apfelstraße, Michael Eiteljörg, dazu? „Das ist nicht mein Thema.“ Aber ja, es sei richtig, er sei der Obmann der Apfelstraße. Äpfel allerdings, so hört man im Dorf, habe Eiteljörg keine mehr. Er habe längst auf Wein umgestellt.