Facebook-Postings, Leserbriefe an die Kleine Zeitung und ein großes Rätselraten: Badegäste am Schwarzl-See wundern sich über Hunderte chinesische E-Autos, die beim Gelände parken. Fein säuberlich aufgereiht, mit einem Bauzaun geschützt.
Beim Lokalaugenschein unseres Fotografen sitzt ein Asiate in einem kleinen Container. Man sieht eine Überwachungskamera. Und eben Hunderte und Hunderte Fahrzeuge. Angrenzend parken auch Badegäste.
Was ist da los?
Die erste Antwort kann man schnell geben: Es handelt sich um Modelle der Marke Aion des chinesischen Herstellers GAC. Die Autos wurden nach einem speziellen Fertigungsverfahren bei Magna Steyr in Graz produziert.
Was Magna und GAC nicht sagen
Bei Magna erklärte man auf unsere Anfrage: „Sobald die Fahrzeuge unser Gelände verlassen, sind sie nicht mehr in unserer Verantwortung.“ Die Infos zu den Autos müssten beim Kunden aufliegen.
Also Anfrage beim Kunden GAC: Hier will man offiziell keine Stellungnahme abgeben und hält sich bedeckt.
Inoffiziell erfährt man: Die Autos werden mit Marktstart auf die einzelnen Länder – und damit auch auf Österreich – verteilt. Sie warten hier auf das „Go“ für den Transport nach ganz Europa.
Marktstart und die Pläne der chinesischen Hersteller
Und das müsste bald der Fall sein: Am Donnerstag erfolgt zum Beispiel in Wien im Courtyard by Marriott Vienna Prater der offizielle Marktstart mit Aion V und dem Aion UT – das sind die ersten beiden Modelle für den heimischen Markt.
Beide Fahrzeuge werden für ganz Europa bei Magna Steyr in Graz nach einem speziellen Fertigungsverfahren gefertigt: Magna baut für die Chinesen in Graz in einer so genannten Standmontage die Fahrzeuge in einer SKD-Methode (SKD steht für Semi Knocked Down) auf.
Damit umgehen chinesische Hersteller die Strafzölle, die die Europäische Union auf Elektroautos aus China einhebt. Vorgefertigte Baugruppen und Teile werden angeliefert und die Modelle erst im Importland mit Komponenten wie Achsen und Motoren finalisiert. Wie Magna aber in früheren Gesprächen immer wieder betonte, will man eine höhere Wertschöpfung über lokale Zulieferer etc. ins Land holen. Die Praxis der Produktion in Europa wollen übrigens immer mehr Hersteller umsetzen – mehrere Marken suchen nach Werken in Europa, die sie übernehmen können, oder sie wollen neue Werke hochziehen.