„Das da ist eine Taube.“ Franz Dampfhofer steht in der Galerie Marenzi in Leibnitz vor einer seiner Collagen und deutet auf Linien, Bögen und kleine Zeichen. Was wie eine geheimnisvolle Schrift wirkt, ist Vogelgesang. Dampfhofer hat dafür eigene „Partituren“ geschaffen. Wie sie klingen, entscheidet jeder Betrachter selbst.

Noch bis 25. Juli sind in der Bahnhofstraße 14 jene Werkzyklen zu sehen, die der Künstler über Jahre entwickelt und erst vor Kurzem abgeschlossen hat. Die Ausstellung „Dokument und Imagination“ ist keine gefällige Rückschau auf ein langes Künstlerleben. Dampfhofer öffnet darin vielmehr Räume, in denen Erinnerung, Verlust und Veränderung ineinanderfließen.

Franz Dampfhofer vor einer detailreichen Zeichnung, in der Erinnerungen, Familiengeschichte und traumartige Szenen ineinanderfließen
Franz Dampfhofer vor einer detailreichen Zeichnung, in der Erinnerungen, Familiengeschichte und traumartige Szenen ineinanderfließen © KLZ / Eva Brutmann

Im Zyklus „Verwandlung einer Landschaft“ kehrt Dampfhofer in das weststeirische Kohlerevier seiner Kindheit zurück. Er zeichnet ausgekohlte Krater, aufgeschüttete Halden, Häuser und Menschen. Er zeigt die Zerstörung durch den Bergbau – aber auch Pflanzen, die sich das verwundete Gelände zurückholen. Dampfhofer liest die Landschaft wie ein offenes Archiv. „Ich bin ein Spurensucher und Spurensicherer“, sagt er.

Stillstand gibt es in seinen Landschaften nicht. „Du möchtest sagen: Es wäre schön, wenn es so bliebe. Aber das nächste Mal ist schon der Bagger wieder da“, sagt er. Was einmal Heimat war, verändert sich, wird eingeebnet oder neu genutzt. Das Schöne und das Schreckliche bleiben dabei untrennbar verbunden.

Franz Dampfhofer mit seiner Frau Anna, die er 1975 kennenlernte, vor Arbeiten aus dem Zyklus „Vater und Sohn“ in der Galerie Marenzi.
Franz Dampfhofer mit seiner Frau Anna, die er 1975 kennenlernte, vor Arbeiten aus dem Zyklus „Vater und Sohn“ in der Galerie Marenzi. © KLZ / Eva Brutmann

Noch näher kommt man dem Künstler im Zyklus „Vater und Sohn“. Der früh verlorene Vater taucht darin als Erinnerung, Reibefläche und Leerstelle auf. Dampfhofer versetzt ihn in Träume, Familiengeschichten und unwirkliche Räume. Figuren stehen auf zerstörten Straßen, Erinnerungen erscheinen wie Szenen auf einer Bühne.

Die Bilder erzählen vom Suchen nach Halt und von Vaterfiguren, die später an die Stelle des Verstorbenen traten: Lehrer, Professoren und Vorbilder.

Neben Deix und Helnwein zum eigenen Stil

An der Akademie der bildenden Künste studierte Dampfhofer bei Rudolf Hausner gemeinsam mit Gottfried Helnwein und Manfred Deix. Hausner habe sie mit klaren Maßstäben konfrontiert. Dampfhofer aber suchte seinen eigenen Weg. „Sammeln“, nennt er seine Arbeitsweise. Aus Beobachtungen, Fotografien, Erinnerungen und kleinen Zeichnungen wachsen seine Werke.

Die mit „Eigentum Luftwaffe“ beschriftete Tasche wird bei Dampfhofer zum Symbol für familiäre Erinnerung
Die mit „Eigentum Luftwaffe“ beschriftete Tasche wird bei Dampfhofer zum Symbol für familiäre Erinnerung © KLZ / Eva Brutmann

Die ungewöhnliche Verbindung von Fotografie, Zeichnung, Malerei, Schrift und Collage überzeugte Kurator Klaus-Dieter Hartl davon, Dampfhofer in der Galerie Marenzi auszustellen. Bei einem Atelierbesuch seien ihm gerade diese Arbeiten aufgefallen. „Die Fotografien ergänzen seine Zeichnungen und Malereien um konkrete Eindrücke aus der Wirklichkeit – und erzählen die Geschichten hinter den Bildern weiter“, sagt Hartl.

In der Galerie hängen Bilder, die nichts beschönigen und dennoch von Neubeginn erzählen. Franz Dampfhofer hält darin nicht fest, um die Zeit anzuhalten. Er sammelt, was verschwinden könnte: die Stimme eines Vogels, die Form eines Berges, den Blick auf den Vater – und die Spuren, die bleiben.

V.l.n.r.: Kunsthistoriker Wenzel Mracek, Franz Dampfhofer und Kurator Klaus-Dieter Hartl in der Galerie Marenzi
V.l.n.r.: Kunsthistoriker Wenzel Mracek, Franz Dampfhofer und Kurator Klaus-Dieter Hartl in der Galerie Marenzi © Galerie Marenzi