Vor der Parteizentrale der ÖVP am Grazer Karmeliterplatz zeigt die sengende Sommersonne an diesem heißen Wahlnachmittag noch einmal so richtig, was sie drauf hat. Im Gebäude ist es nicht weniger schweißtreibend. ÖVP-Funktionäre und Funktionärinnen versammeln sich dort nach dem Schließen der Wahllokale, um gemeinsam die ersten Hochrechnungen und den Ausgang der Grazer Gemeinderatswahl zu verfolgen. Fächer sind das Accessoire der Stunde, Kameramänner sichern sich die besten Plätze, um später Gesichter und Reaktionen der Anwesenden auf die ersten Zahlen gut einfangen zu können.
Bevor der Wahlkrimi der letzten Wochen auf seinen Höhepunkt zugeht, dominiert Optimismus. „Ich war fast jeden Tag an einem Wahlstand, die Resonanz der Leute war sehr gut“, hofft etwa Brigitte Simon-Daum, die auf den hinteren Listenplätzen für den Gemeinderat kandidiert. Zu den weniger bekannten Gesichtern an den Tischen gesellen sich nach und nach namhafte Parteienvertreter wie die Nationalratsabgeordnete Daniela Gmeinbauer oder der Landtagsabgeordnete Detlef Eisel-Eiselsberg.
Erste Hochrechnung
Als dann kurz nach 17 Uhr die ersten Zahlen über den Bildschirm flimmern, ist alles dabei: kräftiger Applaus für den Spitzenkandidaten Kurt Hohensinner und die eigene Partei, für die sich zwar ein kleines Minus, aber ein besseres Ergebnis als in den letzten Umfragen abzeichnet, ungläubiges Kopfschütteln über das deutliche Plus für Elke Kahrs KPÖ. Das ultimative Match dieser Gemeinderatswahl ist entschieden. „Die Mehrheit hat offenbar unter Bürgermeisterin Elke Kahr eine positive Entwicklung in Graz gesehen“, analysiert Peter Filzmaier im TV. „Was war da positiv?“, kommt es trocken aus den Zuseherreihen in der ÖVP-Parteizentrale zurück.
Die nicht allzu große Schar zerstreut sich, nachbesprochen werden die eben verkündeten Zahlen in kleinen Runden. Auch wenn zu dem Zeitpunkt noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind, zeichnet sich ein Ergebnis um die 25 Prozent für die ÖVP ab. Erfolg? Oder doch Niederlage für den Spitzenkandidaten Kurt Hohensinner, der beim Wahlkampfauftakt im April vor 700 ÖVP-Vertretern und Vertreterinnen den Bürgermeisteranspruch gestellt hatte?
„Respektable Leistung“
Die Worte fallen unterschiedlich aus, die Meinung ist an diesem Abend am Karmeliterplatz aber einhellig. Für ÖVP-Graz-Geschäftsführer Markus Huber ist es eine „respektable Leistung, in Zeiten wie diesen im urbanen Umfeld 25 Prozent zu machen“. „Das Ergebnis ist beachtlich, es zeigt, dass die ÖVP mobilisieren konnte“, pflichtet die ehemalige ÖVP-Klubobfrau im Landtag, Barbara Riener bei. „Nach so einer Niederlage wie vor fünf Jahren muss man eine Partei erst einmal stabilisieren“, streut Gerd Wilfling, ehemaliger Bezirksvorsteher von Geidorf, Kurt Hohensinner Rosen.
Einer, der die Gefühlsachterbahn für den Spitzenkandidaten einer Partei selbst kennt, trudelt schließlich am Karmeliterplatz ein: Ex-ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl, der nach dem desaströsen Ergebnis der Gemeinderatswahl 2021 Elke Kahr den Bürgermeistersessel überlassen musste. „Ich fiebere an so einem Tag natürlich mit. Du kannst nicht mehr eingreifen, du kannst nur auf ein gutes Ergebnis hoffen“, erinnert er sich. „Besonders wichtig ist, dass die zwei Stadtsenatssitze gehalten werden konnten“, hebt Nagl hervor. Sein Nachfolger als Chef der Grazer ÖVP habe auf die richtigen Themen gesetzt, ist er sich sicher.
„Stärkste bürgerliche Kraft“
Nach Ex-LH Hermann Schützenhöfer gesellen sich auch LH-Vize Manuela Khom und Landesrat Karlheinz Kornhäusl zur ÖVP-Runde. Elke Kahr gratuliert man zum Wahlsieg. Daumen hoch gibt es für Kurt Hohensinner. „Wir sind die stärkste bürgerliche Kraft in der Stadt, doppelt so stark wie die FPÖ und vier Mal so stark wie die SPÖ“, hebt Kornhäusl hervor.
Wie es jetzt weitergeht? Bleibt für die ÖVP weiterhin nur die Oppositionsrolle oder wäre die Rolle eines Juniorpartners in einer Koalition mit der KPÖ denkbar? Diese Fragen müssen erst einmal warten. Am Wahlabend werden Schultern geklopft. Vor allem jene von Kurt Hohensinner. Mit einem kräftigen Applaus wird er nach der geschlagenen Wahl am Karmeliterplatz empfangen.