Auch wenn die Betreuung der Kleinsten, gerade was flächendeckende Ganztagsangebote angeht, in der Steiermark ein Sorgenkind ist, blickt der zuständige Landesrat Stefan Hermann (FPÖ) dem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, das ab 2027/28 gelten soll, gelassen entgegen. Er begrüßt es auch „gerade in Hinblick auf die Sprachförderung.“ Was das Jahr kostet und Details zu den Geldern, die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) über den Wechsel fließen sollen, kann er nicht nennen: „Die 15a-Vereinbarung muss erst verhandelt werden.“ Seine Hoffnung: „Der Minister will ja einheitliche Qualitätsstandards und da haben wir in der Steiermark die Nase schon vorne. Ich hoffe, dass die ,Braven‘ auch mehr Mittel vom Bund erhalten.“

Laut Zahlen der Statistik Austria besuchen bereits 95 Prozent von Österreichs vierjährigen Kindern, die Altersgruppe, die das neue Pflichtjahr betrifft, schon jetzt den Kindergarten. In Tirol sind es sogar 98,8 Prozent, in Wien 93 Prozent, nur die Steiermark liegt hinter der Bundeshauptstadt. Eine Statistik, die Hermann zurechtrückt: Übers ganze Land biete man eine Bedarfsdeckung für 99 Prozent der Kinder an, nur werde dieser nicht überall voll in Anspruch genommen. Man sei in den Gemeinden also gut aufgestellt und habe Reserven.

Graz hinkt im Kindergarten nun wieder hinterher

Ausreißer ist freilich Graz, wo es nur für rund 90 Prozent der drei- bis fünfjährigen Kinder einen Betreuungsplatz gibt. Die Quote war schon besser. Durch die Verkleinerung der Gruppengrößen hat man in der Stadt aber Plätze eingebüßt. Und just hier ist auch der Sprachförderbedarf am größten, wie die Beantwortung einer Dringlichen Anfrage von Neos-Chef Niko Swatek im letzten Landtag belegt.

Neos-Chef Niko Swatek ließ die Zahlen zum Sprachförderbedarf im Kindergarten ausheben
Neos-Chef Niko Swatek ließ die Zahlen zum Sprachförderbedarf im Kindergarten ausheben © APA / Erwin Scheriau

Neos drängen auf mehr Sprachförderung

Von rund 20.000 Kindergartenkindern, die im Frühjahr 2025 bei der Spracherhebung evaluiert worden sind, hat rund ein Fünftel nicht Deutsch als Erstsprache. Jedes vierte hat laut den Sprachtests erhöhten Deutschförderbedarf. Am niedrigsten war der Anteil im Bezirk Hartberg mit 15 Prozent, am höchsten in Graz mit 34 Prozent. In der Landeshauptstadt hat schon fast jedes vierte Kindergartenkind nicht Deutsch als Erstsprache. Swatek fordert daher einmal mehr eine massive Aufstockung der Deutschförderbudgets und eine Sprachstandserhebung aller Dreijährigen. Laut Anfragebeantwortung kämen auf die 226 Sprachförderkräfte und Sprachberater jeweils 21 Kinder mit Förderbedarf. Hier brauche es deutlich mehr Personalstärke.

Landesrat Stefan Hermann (FPÖ)
Landesrat Stefan Hermann (FPÖ) © APA / Erwin Scheriau

Bildungslandesrat Hermann kontert auf beide Forderungen: Sprachtests bei Dreijährigen seien wissenschaftlich umstritten und nicht immer aussagekräftig. Tests für Kinder, die in keiner Betreuungseinrichtung angemeldet sind, seien rechtlich aktuell gar nicht möglich. Und die Mittel für die Sprachförderung habe er nun forciert, es stünden nun von Bund und Land insgesamt 13,65 Millionen Euro zur Verfügung.

Wird es für „Nachrücker“ aus der Krippe eng?

Auch wenn man fürs zweite Pflichtjahr gerüstet sei, müsse man den Ausbau, nicht nur in Graz vorantreiben, sieht man beim Bildungslandesrat doch auch Sorgenfalten: „Deshalb haben wir ja die stufenweise weitere Reduktion der Gruppengrößen hinausgezögert und die baulichen Auflagen für Kindergärten gelockert, um da mehr Spielraum zu haben.“ Denn ein Engpass könnte auf die Steiermark doch zukommen, fürchtet Hermann: „Wenn die Einrichtungen durch das zweite Pflichtjahr voll ausgelastet sind, könnte Plätze für jene Kinder fehlen, die aus der Krippe in den Kindergarten wechseln müssen.“