Wenn am Wörthersee der erste betrunkene Motorbootlenker (heuer war es eine Lenkerin) in der Nacht eine Insel übersieht und mit Karacho strandet, weiß man: Der Sommer naht.
Bei mir hat er schon in der Vorwoche angeklopft – mit einer Einladung zum ersten „Party Brunch“ in einem neuen „Beach Club“ am Wörthersee mit den vielen gefährlichen Inseln. Dresscode: „Dubai Chic“.
Was zum Klabautermann bedeutet „Dubai Chic“?! Soll ich mich mit Dubai-Schokolade einreiben? Und mit Pistazien belegen? Sie sind in Cremeform, so viel weiß ich, ein wesentlicher Bestandteil der Süßigkeit. Das wäre – angesichts meines Umfangs und der Preise für Dubai-Schokolade – eine teure Leibspeise.
Oder heißt „Dubai Chic“, dass man inhaltlich unvorbereitet erscheinen soll? Also leer wie die Luxushotels, Restaurants und Einkaufszentren (in einem „Beach Club“ sagt man „Malls“) in Dubai, seit das Emirat ins Kreuzfeuer des US-Kriegs gegen den Iran geraten ist.
Eine Verkleidung als Emir wird mit „Dubai Chic“ wohl nicht gemeint sein. Das wäre kulturelle Aneignung. Und wir haben mit den Sternsingern ja schon genug Probleme.
„Mix aus internationalen High-End-Designerlabels“
Google hat mich schließlich aufgeklärt: „Dubai Chic steht für einen luxuriösen, extravaganten und sehr gepflegten Modestil, der oft durch den Mix aus internationalen High-End-Designerlabels, glamourösen Abendkleidern und exklusiven Accessoires definiert wird. Es ist ein Look, der auffallen darf, Eleganz mit Extravaganz verbindet und oft in den klimatisierten Malls oder bei Abendveranstaltungen in Dubai getragen wird.“
Reichen dafür meine Tommy-Hilfiger-Socken? Nein, ließen mich Kolleginnen und Kollegen mit mehr Stil im Newsroom wissen. Damit sei ich definitiv kein Markenschwein, ja nicht einmal ein Markenferkel. Es wird also nichts mit dem „Party Brunch“ im „Beach Club“.
Dann doch lieber „Kärnten Chic“
Trost – auf Dubai-Deutsch „Champagner für die Seele“ – habe ich am Freitag beim Liederabend anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Singgemeinschaft Sörg in Liebenfels gefunden. Sänger und Gäste trugen „Kärnten Chic“. Meiner bestand aus Jeans vom Diesel, den man sich noch leisten kann, einem karierten Hemd von Gloriette und einem Janker vom Kärntner Heimatwerk.
Wie bei solchen Anlässen üblich, stand man nach Veranstaltungsende noch lange zusammen, um zu singen. Irgendwann wurde – auch das ist bei solchen Anlässen üblich – eine der vielen berühmten heimlichen Hymnen angestimmt, das Kärntnerlied „Da bin i daham“. Es ist weithin eher unter seiner ersten Textzeile „Mittendrin im Kärntnerland“ bekannt. Besungen werden weder „Beach Clubs“ noch Motorboote.
Ein Land, zwei Welten.