Die täglichen Bilder und Clips von Ehrungen, Betriebsbesuchen und Veranstaltungen für die Kanäle und Portale von FPÖ und ÖVP, sie konnten die Eiszeit in der Grazer Burg nicht verbergen. Tief- bzw. Höhepunkt war am Dienstagnachmittag. Vize-LH Manuela Khom sagte im Interview mit der Kleinen Zeitung, ORF-Stiftungsrat Thomas Prantner müsste den „moralischen Kompass bei sich anwenden“ und Konsequenzen ziehen. Bald darauf wurde Khom vom zweiten Stock, Sitz von Landeshauptmann Mario Kunasek, informiert, dass Prantner den Posten räumt. Um 17.01 Uhr war die E-Mail der Landeskommunikation draußen.
Die Regie sah anderes vor: Kunasek besucht am Nachmittag die Tierwelt Herberstein und übernimmt eine Tierpatenschaft. Weil: beliebtes Ausflugsziel und schöner Content mit Tieren. Das hatten einst auch die roten Vize-LH Anton Lang (Puma Pelé) und Michael Schickhofer (Löwe Caesar) so gemacht – und erst im März der FPÖ-Landesrat Hannes Amesbauer (drei Flachlandtapire). Für Kunasek, der im Wahlkampf den „Kunibär“ verteilen lässt, wurde es Brillenbär „HuBÄRt“. Die Aussendung der Landeskommunikation kam kurz nach 16 Uhr.
Zu dem Zeitpunkt hatte Kunasek schon mehrere Telefonate mit „seinem“ Stiftungsrat geführt. Wegen des Rückzugs und des für beide Seiten gesichtwahrenden Endes. Eingeläutet haben es die Oppositionschefs Sandra Krautwaschl (Grüne), Max Lercher (SPÖ), Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ) und Niko Swatek (Neos). Um 9 Uhr informierten sie Journalisten, noch mehr Druck in der Causa aufzubauen. Die SPÖ richtete an alle Regierungsmitglieder detaillierte Anfragen über Kooperationen mit Prantners Firma. Daraufhin wurde emsig telefoniert.
Der Stabilitätspakt und seine Folgen
Auch an einer anderen Front gab es Ungemach. Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) hat ja im Alleingang externe Experten angeheuert, um den Druck für den Sparkurs zu erhöhen – und damit für Unruhe in eigenen Reihen und beim Koalitionspartner gesorgt. Im Interview mit der Kleinen Zeitung richtete er Kunasek aus, dieser habe den Stabilitätspakt unterzeichnet und der Landeshauptmann würde den Pakt dann wohl einhalten.
Kunaseks Konter per Aussendung sorgte in Burg und Landhaus für Verwunderung: Der Landeshauptmann teilte mit, er habe von der Einigung auf den Stabilitätspakt aus den Medien erfahren und sei von Ehrenhöfer nicht eingebunden worden. Seine Unterschrift sei ein notwendiger Formalakt gewesen. Was man hinter vorgehaltener Hand so sagt? Es sei schwer zu glauben oder schlicht nicht zu fassen, sollte sich ein Regierungschef für einen so folgenschweren Pakt mit dem Bund nicht weiter interessieren und dann quasi eine Blankounterschrift leisten.
Landtagsdelegation in Hannover
Es können nicht immer Chinas Millionenstädte sein. Also brachen die Landtagspräsidenten Gerald Deutschmann (FPÖ) und Werner Amon (ÖVP) mit einer Gruppe Abgeordneter (Grünen-Lambert Schönleinter, Neos-Robert Reif, SPÖ-Klaus Zenz u.a.) zuletzt nach Hannover auf. Seit den späten 1980er-Jahren pflegen der steirische Landtag und jener von Niedersachsen den Austausch. Diesmal etwa mit Landtagspräsidentin Hanna Naber, mit Ministerin Melanie Walter (über regionale Entwicklung ) sowie mit Staatssekretärin Frauke Patzke über die Raumordnung.
2027 gibt es ein Wiedersehen, denn kommendes Jahr findet die gemeinsame deutschsprachige Landtagspräsidentenkonferenz statt: Die Steiermark übernimmt den österreichischen und Niedersachsen den deutschen Vorsitz.