Fein säuberlich packt Liselotte Trummer sieben Sträußchen Petersilie in ein kleines Sackerl und reicht es ihrem Kunden. Es ist ein ruhiger Donnerstagvormittag am Kaiser-Josef-Markt in Graz, für Standler und Marktbesucher bleibt sogar Zeit für kurze Plaudereien. Äpfel, Erdbeeren, Krauthäuptel, frischer Spargel in allen Farben – die Auswahl an frischem Obst und Gemüse ist groß, fehlen tut es auf den ersten Blick an nichts.

Nicht sichtbar ist die Anspannung der Marktbetreibenden, mit der sie seit Wochen leben. Das Wetter macht den Direktvermarktern zunehmend zu schaffen. „Die momentane Trockenheit ist schlichtweg ein Alptraum“, klagt Trummer. Die Ortswasserleitung ist auf ihrem Gemüseanbaubetrieb seit Tagen 24 Stunden am Tag aufgedreht. „Das sind Kosten ohne Ende“, ist die Marktlerin verzweifelt.

Liselotte Trummers Jungkarotten sind heuer nur halb so groß wie im letzten Jahr
Liselotte Trummers Jungkarotten sind heuer nur halb so groß wie im letzten Jahr © Alexander Danner

Trockenheit: Weniger Ware, höhere Kosten

Vor allem der anhaltende Wind setze den Pflanzen zu, sagt sie. „Man gießt und wenig später ist alles wieder trocken.“ Das bestätigt auch Manuel Posch zwei Stände weiter, er verkauft zwar kein Gemüse, versorgt die Grazerinnen und Grazer aber mit Balkonblumen. Er hat Glück, verrät er, er bezieht seine Wasserversorgung über den hauseigenen Brunnen. „Wir haben eine Pumpe reingelegt, damit kommen wir gut aus“, sagt er. Müsse er das Stadtwasser anzapfen, wäre das kostentechnisch fatal. „Den Preis kann man auch nicht an Kunden weitergeben, das würde niemand mehr bezahlen.“

Manuel Posch versorgt seine Blumen aus dem eigenen Brunnen
Manuel Posch versorgt seine Blumen aus dem eigenen Brunnen © KLZ/Alexander Danner

Trummer kämpft genau mit diesem Problem. „Wir haben weniger Ware und gleichzeitig aber höhere Kosten wegen des Wasserverbrauchs.“ Die Preise stark anzuheben, um die Kosten auszugleichen, komme nicht infrage. „Dann wird noch weniger gekauft und wir sind als reine Direktvermarkter auf die Kundinnen und Kunden angewiesen.“ Diesen fehle es oft an Verständnis, so Trummer. Kurz vor unserem Gespräch habe ein Kunde sie sogar beschimpft, erzählt sie. „Die Jungkarotten waren der Person zu klein für den Preis“, sagt sie. Drei Euro kostet ein Bund des kleinen, orangen Vitamin A-Lieferanten.

Mais steht und wächst nicht

Ende 2025 wurde das Gemüse eingepflanzt, durch den wenigen Regen wurde das Wachstum der Karotten verlangsamt. „Letztes Jahr waren sie um dieselbe Zeit doppelt so groß.“ Einen Totalausfall verzeichnet Trummer im Moment beim Rhabarber. „Alles, was im Folientunnel wächst, können wir noch gut durchbringen, aber alles was draußen wächst, bleibt auf der Strecke.“

Georg Tappaufs Spargel hat die Trockenheit unterdessen bislang gut überlebt. In 30 bis 40 Zentimetern Tiefe, wo der Spargel im Boden gedeiht, hat sich die Feuchtigkeit nach einem schneereichen Winter gut gehalten. „Bei uns in Gnas hatten wir konstant von Weihnachten weg einen Meter Schnee, das hat geholfen. Wir können deshalb ganz normal ernten und haben keine Einbußen. Unter der Schwarz-Weiß-Folie hält sich die Feuchtigkeit auch gut“, so Tappauf. Spargel sei als mehrjährige Pflanze aufgrund ihres stärkeren Wurzelkonstrukts auch robuster als anderes Gemüse.

Beim Mais sehe die Sache anders aus, sagt er. „Der steht und wächst nicht im Moment“, erzählt er. Das verlangsamte Wachstum hat zumindest bei Zwiebeln einen Vorteil, wie er wissen lässt. „Sie brauchen zwar länger, sind deshalb aber auch geschmacksintensiver.“

150 Kubikmeter Wasser am Tag

Was die Trockenheit für die Direktvermarkter bedeutet, kann Edi Laposa sogar in Zahlen aufschlüsseln. In einem normalen Jahr braucht der Direktvermarkter vier Kubikmeter Wasser am Tag, um sein Obst und Gemüse zu bewässern. „Im Moment sind es 100 bis 150 Kubikmeter.“ Neun Pumpen hat er auf seinem Hof installiert, zwei davon laufen 24 Stunden am Tag. Sein Glück: Seine Photovoltaikanlage. „Dadurch kann ich mein eigenes Reservoir immer wieder anfüllen und brauche nicht auf Stadtwasser zurückzugreifen.“

Bei Edi Laposa gibt es schon frische Erdbeeren, im Moment braucht er allerdings zum Gießen 150 Kubikmeter Wasser pro Tag – statt vier
Bei Edi Laposa gibt es schon frische Erdbeeren, im Moment braucht er allerdings zum Gießen 150 Kubikmeter Wasser pro Tag – statt vier © KLZ/Alexander Danner

Vor allem bei Obst wie Äpfeln wird sich der schwindende Ertrag erst in der kommenden Saison bemerkbar machen, prognostiziert Johanna Krenn unterdessen. Die Äpfel, die derzeit an ihrem Stand zum Verkauf stehen, sind noch aus der letzten Ernte. „Aber unser Getreide leidet sehr, wir brauchen dringendst Regen.“ Der Blick in den Himmel: Wenig vielversprechend, denn in diesem Moment schiebt sich die Sonne zwischen den Wolken hindurch und taucht den „Kaiser“ provokativ in gleisendes Licht.