„Die Leidenschaft kommt von der Mama“, schießt es aus Lorenz Tatschl (11) nur so heraus. Seine Schwester Lisa (13) nickt zustimmend. Für die beiden Kinder aus Haag (Gemeinde Bad Gleichenberg) scheint recht klar zu sein, dass ein nicht zu geringer Teil ihres Erfolges auf das Engagement von Regina Tatschl zurückzuführen ist.

Erst kürzlich konnten sie beim Musikwettbewerb Prima la Musica in Graz einen ersten Preis erreichen, Lisa holte sich mit 90,5 Punkten auf der Bratsche sogar den Landessieg. Damit darf sie demnächst beim Bundeswettbewerb in Eisenstadt antreten. Aber auch ihr Bruder konnte sich mit 96 Punkten am Klavier für das Bundesfinale qualifizieren.

Musikalisch „erblich vorbelastet“

Fragt man hingegen die Mutter der beiden Ausgezeichneten, woher das Talent kommt, hat sie noch eine weitere Person im Verdacht: „Der Opa der beiden, also mein Vater, war selbst Musiker und mit seiner Band ‚Haager Consort‘ beziehungsweise ‚Haager Spitzbuam‘ schon als Jugendlicher viel unterwegs.“ Ihm sei wichtig gewesen, dass die eigenen Kinder auch Instrumente lernen und das habe sie dann auch übernommen, sagt Regina Tatschl.

Ein Opa mit einer Band sowie einem Keller voller Instrumente, eine musizierende Mama und eine Schwester, die an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz Querflöte studiert – die Grundlage für ein Interesse an der Musik war bei Lisa und Lorenz Tatschl von Geburt an gegeben. Doch natürlich kommt ihr Erfolg nicht von selbst, da gehören viele Stunden Üben dazu.

Regina Tatschl mit ihren vier Kindern: Lorenz, Lisa, Ludwig und Laura (v.r.)
Regina Tatschl mit ihren vier Kindern: Lorenz, Lisa, Ludwig und Laura (v.r.) © Regina Tatschl

Ohne Üben geht nichts

Ein bis zwei Stunden pro Tag sind es bei der jungen Bratschistin und zwei bis drei beim elfjährigen Pianisten. „Sobald sie im Schulalter sind, muss man da als Familie schon dahinter sein, es kostet ja auch was und soll einen Sinn machen“, betont Regina Tatschl, die selbst Klavier spielt. Sohn Lorenz ist überhaupt erst auf den Geschmack gekommen, als er einmal seiner Schwester und Mama beim gemeinsamen Üben zugehört hatte, erzählt er und ergänzt: „Ich dachte mir, als Hobby kann das ja nicht schaden.“

Inzwischen läuft das Üben von selbst. „Manchmal fühlt es sich ein wenig wie Arbeit an, aber es macht mir schon noch sehr Spaß. Und ich spiele sehr gerne im Streicher-Ensemble am Johann Joseph Fux Konservatorium“, erzählt etwa die 13-Jährige. Ihr kleiner Bruder sieht das ähnlich: „Es braucht manchmal ein bisschen Überwindung. Ich freue mich auch, wenn jemand zuhört. Aber eigentlich reicht es mir schon, wenn die Katze zuhört.“

So blicken die beiden jüngsten Tatschl-Kinder bereits mit Vorfreude, aber auch einer guten Portion Respekt auf ihren ersten Bundesbewerb und hoffen auf eine gute Platzierung. „Der Spaß kommt auch durch den Erfolg. Wenn nichts weitergeht, dann verliert man die Freude“, erklärt Regina Tatschl ihren Zugang zum Instrument-Lernen.

Erfolge und Platz an der Kunstuni Graz

Erst kürzlich schaffte Lisa die Aufnahme am Konservatorium und will sich auch für das Konservatorium-Förderprogramm YASnet in Kooperation mit der Kunstuni Graz bewerben. Apropos Kunstuni: Nach einem Konzert wurde der damals achtjährige Lorenz angefragt, ob er nicht in das Nachwuchsförderprogramm der Universität aufgenommen werden möchte. Doch es ging noch weiter: „Lorenz ist seit seinem 9. Lebensjahr Student in der Hochbegabtenklasse an der Kunstuniversität Graz. Damit war er der jüngste Student im Bezirk“, erzählt Lorenz‘ Mama.

Dadurch kommen für die Kinder viele Termine in Graz dazu. „Das ist für solche Landeier anfangs gar nicht so einfach“, sagt Regina Tatschl. Denn das Lernen für die Schule und Freunde treffen soll nebenbei auch noch funktionieren. Lisa findet im Reitstall ihren Ausgleich und Lorenz versucht sich in Hapkido und Golf.