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Trotz AufschwungAMS-Chef Kopf: "Es können nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden"

Das Arbeitslosengeld erst zu erhöhen und dann einmal abzusenken, führt zu mehr Flexibilität, so der AMS-Chef Sonntagabend in der ZiB2. Das ganze System des Arbeitslosengeldes sollte grundlegend diskutiert werden.

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AMS-Vorstand Johannes Kopf
AMS-Vorstand Johannes Kopf © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Die Wirtschaft nimmt Fahrt auf und das zeigt sich auch in einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Gab es zu Jahresanfang noch 110.000 Arbeitslose mehr als zur gleichen Zeit 2019, so sind es jetzt "nur" mehr 51.000 zusätzliche Arbeitslose. "Man sieht eine Lockerung, zufrieden können wir aber noch nicht sein", sagte Arbeitsmarkt-Chef Johannes Kopf in der "ZiB" am Sonntagabend. Kopf wies darauf hin, dass auch im Aufschwung nicht alle Jobs erhalten werden können.

Die Kurzarbeitsunterstützung müsse verringert werden, der Ausstieg aus dieser Wirtschaftshilfe werde in Teilbereichen auch schmerzhaft sein und zu Arbeitslosen führen, so Kopf. Dennoch: "all inclusive sollte die neue Kurzarbeit nicht mehr sein". Um aber die Weiterentwicklung der Wirtschaft nicht zu behindern, müsse man eine Lösung finden, "um aus den Förderungen herauszukommen". Der AMS-Vorstand wies als Beispiel auf die Luftfahrt hin. Ein hochrangiger Lufthansa-Vertreter habe gesagt, dass die Luftfahrtbranche wohl 20 Prozent zu viel Personal habe - das werde auch bei AUA und Flughafen Wien Auswirkungen haben. Ziel müsse es sein, dass zwar Jobs verloren gehen, aber die betroffenen Menschen rasch eine andere Arbeit finden können. Kopf wies darauf hin, dass es "in diesen Tagen" erstmals wieder 100.000 offene Stellen beim AMS gebe.

AMS-Vorstand Kopf zur Lage am Arbeitsmarkt

In der Diskussion um eine erhöhte Nettoersatzrate plädiert Kopf vor allem für eine Diskussion über das Gesamtsystem. Derzeit erhalten Arbeitslose bis zu ein Jahr lang 55 Prozent des letzten Nettogehalts als Arbeitslosenentgelt. Gewerkschaft und andere fordern 70 Prozent. Der Wirtschaftsbund hat ein Modell vorgelegt, wonach das Arbeitslosengeld zwar mit 70 Prozent des letzten Nettogehalts startet, dann aber schrittweise auf 40 Prozent fällt.

Anfangs höhere Unterstützung, dann Absenkung

Internationale Studien würden zeigen, dass eine Absenkung der Arbeitslosenunterstützung nach drei Monaten die Betroffenen tatsächlich zu mehr Flexibilität, also zur Annahme eines weniger idealen Jobs, motiviere. Er, Kopf, sei daher für eine anfangs höhere Unterstützung mit einer Absenkung. Er glaube aber nicht, dass die Unterstützung mit der Zeit dann noch weiter hinuntergehen sollte.

Insgesamt sei aber die ganze Arbeitslosenunterstützung inzwischen ungemein komplex. "Ich würde dieses ganze System auch mit dem Zuverdienst gerne grundlegend diskutieren" und nicht "eine populistische Maßnahme" wie die 70-Prozent-Nettoersatzrate einzeln herausgreifen, sagte Kopf. Man könne davon ausgehen, dass die meisten Menschen grundsätzlich schon arbeiten wollen, aber eventuell nicht in den angebotenen Jobs.

Kommentare (8)
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dieRealität2020
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Für einen Teil von Menschen gilt die Devise, wer geht 30-40h wöchentlich arbeiten, wenn er monatlich 1.000-1.500 an sozialen Leistungen beziehen kann, da wäre er trivial banal ausgesprochen ein Trottel.

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Ohne ins Detail zu gehen. 2019 waren beim AMS aus der Zuwanderung bzw. Asylberechtigten 63 Prozent arbeitslos gemeldet. Menschlich verständlich ein Teil von österreichischen Staatsbürger sind u.a. nicht bereit nicht einmal einige Kilometer von ihren Wohnsitz entfernt Arbeiten anzunehmen noch weniger wenn sie nicht ihrer letzten Beschäftigung entsprechen. Selbstverständlich gilt das auch für Nicht Österreicher.
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Beispielsweise. Im westlichen Tourismus sind u.a. nahezu mehr deutsche Staatsbürger tätig als österreichische oder nicht österreichische Staatsbürger. Warum wohl?
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Ohne ins Detail zu gehen. Die Zahlen sprechen europaweit und in der EU eine klar Sprache. Seit 20 Jahren wird die arbeitende Bevölkerung immer kleiner gegenüber einer Bevölkerung, die immer mehr im Sozialsystem sind. Fakten. Natürlich auch die Menschen im Sozialsystem tragen einiges für die Wirtschaft bei.
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Was spielt sich sichtbar momentan in der Steiermark ab? Ich frage mich unabhängig der Pandemiezeit wo sind die Jahr für Jahr tausenden (zehntausenden der letzten 30 Jahre) qualifizierten Arbeitskräfte die mittels WIFI BFI und anderer Institutionen (wie über das AMS) mit geförderten Maßnahmen umgeschult wurden? Wo?

dieRealität2020
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Eine realbezogene Aussage von Kopf.

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"Man könne davon ausgehen, dass die meisten Menschen grundsätzlich schon arbeiten wollen, aber eventuell nicht in den angebotenen Jobs." Wobei ich hier noch ergänzen möchte und nicht "anderen Orts".
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Einfach nur erhöhen und kein Gegengewicht mit Nachhaltigkeiten schaffen ist eine Sackgasse und kontraproduktiv.
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Es wäre an der Zeit eine "Diskussion über das Gesamtsystem so Kopf" und aus meiner Sicht mit allen Möglichkeiten zu führen und an 2021 mit Blick auf die Zukunft Akzente zu schaffen.

joe1406
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Mutige Worte von Kopf in der Zib

Sechs Tage pro Woche arbeiten, mehrere Sprache sprechen für 1450 Euro brutto monatlich - da wird es schwer jemanden zu finden. Eine Unternehmerin hat sich bei ihm beklagt kein Personal zu finden. So deutlich aus seinem Mund auch noch nie gehört.

beneathome
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Und

Was machen jetzt die Rechtsanwälte und Notare? Haben die jetzt auf einmal wieder viel Arbeit um ihre Angestellten zu halten. Ach ja, ein bisserl geht doch noch, oder! In der Kurzarbeit haben’s auch alles in der halben Zeit geschafft. Sonst bekomme ich wirklich ein Gewinnproblem.

Hapi67
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Auch Dänemark

hat seinerzeit mit einer sozialistischen Partei ein ähnliches unsoziales Modell, zusätzlich garniert mit niedrigeren Sozialleistungen als Motivation für unter 30 Jährige eingeführt.

Dazu noch zwei schöne erlebte Beispiele:
Der fixe Prozentsatz mit geringfügiger Zuverdienstgrenze ermöglicht es, mit minimalen Aufwand oder Pfusch sich abseits des Arbeitsstresses ein Sabbatical zu nehmen-der verheirate zweifache Vater hat die Arbeit dankend abgelehnt
Teilzeitangebot auf Vollzeit unattraktiv für alleinstehende unter 30Jährige-die Frau hätte Ihre Freizeit und Wohnungsbeihilfe verloren

Irgendwie verständlich, dass kein Geld für wirklich Bedürftige vorhanden ist

Vielen Dank

SoundofThunder
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🤔

Und die Generation 50+ welche einen Job suchen aber aufgrund ihres Alters und Gesundheitlichem Zustand nichts mehr finden geht halt mit unter. Und 55% von 1600€ Netto ist eh nicht viel.

Balrog206
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Letzte

Satz stimmt , nur wo sind den die Bewerbungen der 50+ wenn wir suchen ?

SoundofThunder
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😏

Und wieviele habt ihr abgelehnt? Wie viele habt ihr schon gekündigt weil die des öfteren Krank sind? Es kommt nämlich des öfteren vor dass ältere Menschen schon gebrechlich sind und körperlich ausgemergelt sind. Die sind des öfteren weg. Und das will kein AG. Und ich wage zu behaupten zu wissen warum ihr keine Fachkräfte findet.