Auch die steirische Industrie hatte in den vergangenen Monaten ganz massiv mit den Auswirkungen der Coronakrise zu kämpfen. Auch wenn grundsätzlich weiterproduziert werden konnte, wirkten sich insbesondere die Reisebeschränkungen auf die traditionell sehr exportlastigen steirischen Produktionsbetriebe negativ aus. Mittlerweile gibt es aber auch Lichtblicke, wie eine aktuelle Umfrage der Industriellenvereinigung Steiermark (IV) unter ihren Mitgliedern zeigt:
- Mehr als 4 von 10 Unternehmen produzierten im November 2020 auf oder sogar über dem Niveau des Vergleichsmonats 2019.
- Gleichzeitig lagen jedoch knapp 8 Prozent auf einem Produktionsniveau von unter 70 Prozent des Novembers 2019.
- Dieses an sich gute Gesamtbild werde aber mit Jahresbeginn nicht ganz zu halten sein, befürchten die Unternehmen: Ein Drittel rechnet mit Produktionseinbußen von mehr als 10 Prozent im ersten Quartal 2021.
- Optimistischer fällt der weiter in das Jahr 2021 reichende Blick: Nur 15 Prozent rechnen mit – im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2020 – reduzierten Auftragseingängen.
- Was heißt das für die Beschäftigung in den kommenden Monaten? 13,4 Prozent der Unternehmen halten einen Personalabbau für unausweichlich (im Oktober war es noch jeder dritte Betrieb), 67 Prozent wollen ihren Mitarbeiterstand halten, 19,6 Prozent denken hingegen daran, die Zahl der Beschäftigten im ersten Quartal 2021 zu erhöhen.
Impulse durch Investitionsprämie
Mehr als 82 Prozent der Betriebe nutzen laut Umfrage die Möglichkeit der Investitionsprämie oder planen, sie demnächst zu nutzen. Die Investitionen betreffen in erster Linie Maßnahmen zur Forcierung der Digitalisierung und der Ökologisierung in der Industrie. "Eine Verlängerung der Investitionsprämie über den Februar 2021 hinaus würde diese positiven Effekte ausbauen und nachhaltig absichern“, so der Geschäftsführer der steirischen IV, Gernot Pagger.
75 Prozent der Betriebe lassen auf eigene Kosten testen
Das größte gegenwärtige Produktionshemniss für Industriebetriebe stellen aktuell behördlich angeordnete Absonderungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dar. "Die langsame Abwicklung von Verdachtsfällen sowie zu lange Wartezeiten auf COVID-19-Testergebnisse werden als Belastung empfunden", heißt es in einer Aussendung. Drei Viertel der Unternehmen reagieren darauf mit Testungen auf eigene Kosten in Kooperation mit Ärzten, privaten Labors und anderen Anbietern, wird unterstrichen. Pagger betont: „Unternehmen haben im Bereich der Testungen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter enormen Aufwand betrieben und so die öffentlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie unterstützt und ergänzt. Diese Bemühungen und Vorarbeiten machen sich bezahlt. Die schnellstmögliche Abwicklung der behördlichen Testungen und der Kommunikation der Testergebnisse sind wichtige Faktoren, um den epidemiologischen, den individuellen und auch den gesamtwirtschaftlichen Schaden durch COVID-19 erfolgreich zu begrenzen.“
Auch geschlossene Kinderbetreuungseinrichtungen sowie reduzierte Betreuungszeiten stellen laut Umfrage Beschäftigte in 20 Prozent der Betriebe vor Herausforderungen. 14 Prozent der Industrieunternehmen sehen auch jetzt in der mangelnden Verfügbarkeit von Fachkräften ein Hemmnis ihrer Produktion.
"Zwischen geschäftlichen und touristischen Reisen unterscheiden"
Erneuert hat die IV ihre Forderung nach einem Abbau der Barrieren für geschäftliche Reisetätigkeiten. 35,8 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass ihre Geschäftstätigkeit aufgrund des derzeit eingeschränkten Flugangebots gehemmt wird – für 12,6 Prozent sogar massiv. „Unsere dringende Forderung ist es, dass bei Reisewarnungen zwischen geschäftlichen und touristischen Reisen unterschieden wird. Weiters hoffen wir auf die baldige Wiederaufnahme des vollen Linienflugangebots ab Graz, allen voran nach Frankfurt, München und Wien“, so Pagger.