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Chinesischer FinanzdienstleisterAnt, was jetzt? Weltgrößter Börsengang vorerst geplatzt

Aufgeschoben, nicht aufgehoben? Weltgrößter Börsengang des Finanzdienstleisters Ant dürfte aber kleiner werden. Fast die Hälfte der Erträge des Technologiekonzerns kommt von Verbraucherkrediten.

© (c) AFP (STR)
 

Die Kehrtwende kam am Montagabend: Da wurden Alibaba-Gründer Jack Ma und die Führung seines Finanzdienstleisters Ant Insidern zufolge von den chinesischen Bankenregulierern einbestellt. Am Ende des Treffens war klar: Der mit mehr als 37 Milliarden Dollar (32 Mrd. Euro) größte Börsengang der Welt würde so nicht stattfinden. Den Behörden sei das Rad, das das Fintech auf dem Kreditmarkt dreht, einfach zu groß geworden, glauben Analysten den Grund für die Notbremse zu kennen.

Ant hatte sich stets als Technologiekonzern präsentiert, benahm sich aber zunehmend wie eine Bank - mit den entsprechenden Risiken. Spätestens im Börsenprospekt wurde das klar. Fast 40 Prozent der Erträge kamen zuletzt aus der Vergabe von Verbraucherkrediten.

Höhere Bewertung als weltgrößte Bank

Die Emission in Hongkong und Shanghai sei nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, sind Experten überzeugt - aber sie dürfte eine Nummer kleiner ausfallen. Bei dem abgesagten Börsengang wäre Ant mit umgerechnet 315 Milliarden Dollar bewertet worden, höher als die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), nach der Bilanzsumme die größte Bank der Welt. "Das Geschäft von Ant wird wohl durch neue Regulierungsvorschriften eingeschränkt. Im Ergebnis wird der Ausgabepreis bei der Neuauflage geringer sein", glaubt Andrew Collier von Orient Capital Research.

Eine offizielle Begründung, warum die Behörden den Börsen-Zug in voller Fahrt stoppten, gab es nicht. "Die Botschaft des Einschreitens der chinesischen Regulierer ist, dass sie das De-Risking immer noch als absolute Priorität sehen", sagte Andrew Batson von Gavekal Research. Vor allem das lukrative Geschäft mit der Vergabe von Verbraucherkrediten im Internet dürfte den Behörden ein Dorn im Auge gewesen sein. "Keine Innovation ist so wichtig, dass sie zu finanzieller Instabilität führen darf", spielte Batson auf Äußerungen von Ma an: Der ehemalige Englisch-Lehrer und Milliardär, der auch den Internet-Riesen Alibaba groß gemacht hat, hatte im Oktober in einer Rede kritisiert, dass die Finanzregulierung in China Innovation abwürge.

In die Schranken gewiesen

Mit dem Stopp-Signal für den Börsengang wollten die Behörden Ma offenbar in seine Schranken weisen. Die Notenbank und die Finanzregulierungs-Kommission hatten in einem Diskussionspapier bereits am Montag empfohlen, die Vorschriften zur Vergabe von Kleinkrediten für Verbraucher im Internet zu verschärfen. Sie fürchten massive Kreditausfälle. "Wenn diese Regeln umgesetzt werden, wird das die Internetfirmen stark treffen, die aggressiv im Kreditgeschäft wachsen", schrieb Dong Ximiao vom Zhongguancun Internet Finance Institute. In Staatsmedien hieß es am Mittwoch, die Absage des Ant-Börsengangs sei nötig und im öffentlichen Interesse gewesen.

Analyst Batson ist wie viele seiner Kollegen überzeugt, dass Ant seine Börsenpläne nicht aufgeben wird. Doch bis zum nächsten Anlauf könnte es ein langer Weg sein. Morningstar-Analystin Iris Tan glaubt, China wolle gleiche Wettbewerbschancen für Fintechs und traditionelle Banken schaffen. Ant werde seine Konsumkredite künftig mit mehr Kapital unterlegen müssen - das kostet Rendite. Zhang Yi, Chef der Beratungsfirma iiMedia, schlägt Ant vor, sich aufzuspalten und mit zwei Unternehmen an die Börse zu gehen: mit dem Kreditgeschäft, das wohl eine eigene Banklizenz brauchen werde, und dem Zahlungsverkehrsgeschäft (Alipay).

Frustrierte Kleinanleger: "Das ist ein Witz"

Kleinanleger, die sich einen wahren Run auf die Ant-Aktien geliefert hatten, zeigten sich frustriert. Viele hatten Kurzfrist-Kredite aufgenommen, die Banken zu Sonderkonditionen anboten, um die Aktien zu zeichnen. "Ich glaube, ich habe eine völlig falsche Entscheidung getroffen", sagt Cambridge-Student Vincent Tse, der in Hongkong lebt und 160.000 Hongkong-Dollar (rund 17.600 Euro), die er mit einem Nebenjob verdient hat, in Ant-Aktien stecken wollte. Er werde das Geld jetzt lieber in den USA, Europa oder Japan investieren. "Das ist ein Witz", ärgert sich eine 37-jährige Sekretärin, die sich Olivia nennt. Sie habe schon 50 von 350 bestellten Aktien zugeteilt bekommen. "Ich bin nicht sicher, ob ich wieder zeichne, wenn Ant wieder an die Börse geht. Wenn sich das Geschäftsmodell ändert, könnte es weniger attraktiv sein."

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