Die Pandemie hat der österreichischen Papierindustrie deutlich zu schaffen gemacht. Doch bei der Jahrespressekonferenz konnte die Austropapier, die Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, die heuer 150-jähriges Jubiläum feiert, von einem deutlichen Aufschwung 2021 berichten. "Wir sind auf Vorkrisen-Niveau", erklärte Austropapier-Präsident Kurt Maier (Heinzel Holding). Die wieder gestiegene Nachfrage beschert der Branche ein Umsatzplus von 15,2 Prozent. Allerdings sei dieses Plus auch den steigenden Rohstoff- und Energiepreisen geschuldet. Bedeute, wie Maier betont, also kein entsprechendes Plus beim Gewinn.

Die Gesamtproduktion stieg gegenüber 2020 um 7,3 Prozent auf 5,1 Millionen Tonnen, die Zellstoffproduktion mit zwei Millionen Tonnen war minimal rückläufig (minus 0,9 Prozent). Einen Zuwachs von 14 Prozent gab es bei den grafischen Papieren (2,2 Millionen Tonnen). Online-Einkauf und der Trend zu umweltfreundlicher Verpackung macht sich mit einem Plus von 2,1 Prozent bei Verpackungspapieren bemerkbar.

Ohne Gas, keine Produktion

Die Papierindustrie ist eine der energieintensivsten Branchen. Mit entsprechender Sorge wird die Entwicklung im Ukraine-Krieg und ein möglicherweise drohendes Gasembargo beobachtet. "Fällt Gas zu 100 Prozent aus, steht die Produktion still, was jeden einzelnen unmittelbar betreffen würde", sagt Maier. Verpackungen für Lebensmittel und Medikamente, aber auch Hygienepapiere, wären innerhalb kurzer Zeit nicht mehr verfügbar. Steht weniger Gas zur Verfügung, habe man schon verschiedene Szenarien mit gedrosselter Produktion durchgespielt.

Die Papierindustrie hat zwar einen Anteil von 60 Prozent an erneuerbarer Energie und ist in diesem Bereich ein Vorreiter, wie Austropapier-Energiesprecher Max Oberhumer (Sappi Austria) hervorstrich. Doch zu 35 Prozent ist sie noch auf Gas angewiesen.  "Die Dekarbonisierung ist keine Frage des Obs, sondern Wann wir es machen", betont Oberhumer. 2021 konnte die Papierindustrie ihren CO₂-Ausstoß trotz eines Produktionszuwachses von 7,3 Prozent um 0,1 Prozent minimal senken. Seit 2000 hat die Branche die CO₂-Emissionen um 25 Prozent gesenkt. Darüber hinaus versorgt die Papierindustrie über 100.000 Haushalte mit Fernwärme, die als Nebenprodukt in der Produktion anfällt. Sowohl Maier als auch Oberhumer hoben hervor, dass man sich zu den Klimazielen unter anderem mit Umrüstung auf Photovoltaik und Biomasse bekenne, die behördlichen Genehmigungsverfahren aber beschleunigt werden müssten.

Steigende Rohstoff- und Energiepreise haben schon bisher zu Preissteigerungen geführt. Es sind weitere zu erwarten. Allerdings sei aufgrund der vielen offenen Fragen wie beim Gas das Ausmaß derzeit, laut Maier, nicht abschätzbar.