Plus 3,55 ProzentWifo-Chef Felbermayr sieht hohen Metaller-Abschluss kritisch

Ökonomen sehen Gefahr, dass Inflation weiter angeheizt wird. Felbermayr: "Kern der Lohn-Preis-Spirale". Bittschi: Abschluss "nahe an der Schmerzgrenze" der Industrie

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Warnstreiks nach abgebrochener vierter Verhandlungsrunde
Warnstreiks nach abgebrochener vierter Verhandlungsrunde © APA/ROBERT JAEGER
 

Der neue Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Gabriel Felbermayr, sieht den Lohnabschluss der Metaller kritisch, weil sich die Gewerkschaften an der zu erwartenden Inflationsrate orientiert haben. Temporäre Inflationsspitzen könnten sich so verfestigen und Inflationserwartungen selbsterfüllend werden. "Das ist der Kern der Lohn-Preis-Spirale, die für dauerhaft höhere Inflationsraten sorgen könnte", sagte Felbermayr im "Standard".

Wegen der hohen Preise für Energie und Vorprodukte sei der "verhältnismäßig hohe Abschluss" für die Industrie eine Herausforderung, so Felbermayr. Auch Wifo-Arbeitsmarktexperte Benjamin Bittschi sprach in "Presse" und Ö1-"Morgenjournal" von einer hohen Gehaltserhöhung. "Wenn die Arbeitgeber nun sagen, dass das nahe an der Schmerzgrenze ist, ist das nicht Taktik, sondern trifft durchaus zu", so Bittschi.

"Wenn man die außer Streit gestellte Inflation von 1,9 Prozent nimmt, dann liegt zumindest der Abschluss für die Ist-Löhne 1,65 Prozent über diesem Abschluss und das ist doch ein wirklich deutliches Ergebnis. Wenn man sich zum Beispiel die Stundenproduktivität in der Industrie anschaut, nimmt man an, dass die im Jahr 2021 um 2,1 Prozent steigt. Das heißt, nach der Zahl hätten die Arbeitnehmer sich von einem großen Teil der Produktivität am Verhandlungstisch geholt", rechnete Bittschi vor.

Kommentar

Ein Kommentar von Wirtschaftschef Manfred Neuper: KV-Gerangel beendet: Der Durchbruch bei den Metallern ist auch ein Sieg der Vernunft

Spannend könnten auch die Verhandlungen nächstes Jahr werden. Die Strategie der Gewerkschaften, auf die aktuelle und die zu erwartende Inflationsrate zu setzen, könnte dann nach hinten losgehen, sollte die Inflation sinken. "Dieses Argument könnte die Arbeitgeberseite auch nächstes Jahr anwenden mit Nachteilen dann für die Arbeitnehmerseite", so Bittschi. Sich an der Inflation der vergangenen zwölf Monate zu orientieren, habe sich bewährt, weil das helfe, dass eine hohe inflationäre Dynamik durch die Lohnabschlüsse dann nicht noch weiter angeheizt wird.

 

Kommentare (10)
hansi01
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Felbermayr, sind Sie sicher was Sie sagen?

Teuerung in der Baubranche bei gut 25%. Gebraucht KFZ wegen Mangel an Neuwagen gut 10%. Treibstoffe und Heizenergie 25% Strom 10% usw. Und da sprechen Sie von einer Inflation von 1,9%.
Ja es mag stimmen, dass mit dieser Lohnerhöhung die Inflationspirale nach oben geht. Aber ist diese schleichende Geldentwertung anlässlich der hohen Schulden welche alle Staaten haben nicht erwünscht?

stefstef
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Felbermayr

Seine Bestellung wurde von der WKÖ durchaus begrüßt und man kann ihn zumindest meiner Meinung nach als wirtschaftsliberal bezeichnen.

Kein Wunder, dass der nicht jubelt.

NORX
9
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Diese Aussage

kann nur jemand tätigen, dem die gesamten Teurerungen finanziell egal sind. Es gibt jedoch Einkommensschichten die richtig damit zu kämpfen haben.

stprei
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Metaller

Die betroffene Gruppe der Metaller zählt nicht zu den einkommensschwachen. Es ist allerdings auch ein Signal, dass der Facharbeitermangel den Beschäftigten zu Gute kommt, da sie mehr verlangen können.

Das Risiko bleibt aber, dass wie etwa bei MAN plötzlich sehr weitreichende Standortentscheidungen getroffen werden, wenn die Produktivität und Qualität nicht mehr zu den Personalkosten und den Steigerungen passen.

Rennratte90
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Die Jammerer

Die Metaller gehören aber sicher nicht zu diesen Einkommensschichten. In kaum einer Branche geht es den Angestellten so gut.

Bravo55555
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Richtig

sollte auch so sein, dass es den Angestellten gut geht oder?

petera
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Und warum geht es Ihnen gut?

Nicht weil die irgendetwas von den AG geschenkt bekommen, sondern weil sie sich organisieren und geschlossen gegen die AG auftreten.

Dadurch können sie sich einen Teil des Kuchens sichern, den sonst direkt den Investoren und Managern zusätzlich bekommen.

future4you
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Und wer bitte sieht die Preisexplosionen

der vergangenen Monate kritisch? Beispiel Kelag Strom + 68,7%!!! Mit welcher Begründung???

Heike N.
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Ragnar Lodbrok
1
29
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Strompreiserhöhung 18% Hr Felbermayr...

wir können auch zu Hause bleiben und ein Jahr lang nur Lebensmittel kaufen - dann sind Sie wohl ihren Job los!