Immense Preiserhöhungen an den internationalen Strombörsen sorgen für Verwerfungen, die auch Haushalte, Industrie- und Gewerbekunden massiv betreffen. 200 Tarife seien laut Durchblicker-Chef Reinhold Baudisch allein innerhalb von 14 Tagen erhöht wurden. Letzte Woche verlautbarte die Energie Steiermark in Graz, an der Preisschraube zu drehen: Ab 15. November steigt der Stromtarif um 19,5 Prozent. Da sich die Stromrechung zu einem Drittel aus dem Tarif, den verordneten Netztarifen und Steuern und Abgaben zusammensetzt, erhöht sich die Gesamtstromrechnung um 7,9 Prozent bzw. 5,33 Euro für einen durchschnittlichen Haushalt.

Auch in der Kärntner Kelag staunt Vorstand Dany Güthlein über die enormen Erhöhungen des Großhandelspreises. Teilweise vervierfachten sich die Preise auf über 150 Euro je Megawattstunde, um sich dann wieder leicht auf 120 Euro zu entspannen. Das Niveau bleibt aber enorm hoch: "Derzeit sehen wir eine Erhöhung des Jahrespreises um den Faktor 2,5", sagt Güthlein. Auch für 2023 ist der Einkaufspreis für Strom um 60 Prozent höher ein Jahr zuvor.

"Wir sehen hier eine extreme Situation für das Winterhalbjahr, einmalig seit der Liberalisierung des Strommarktes vor 20 Jahren." Angetrieben werde diese auch vom stark gestiegenen Gaspreis. Es sei sogar möglich, so Güthlein, dass in Mitteleuropa Gas knapp werde, nicht nur, weil weniger geliefert wurde, sondern auch, weil die Speicher wesentlich niedriger gefüllt sind als in normalen Jahren. Wegen der vielen Gaskraftwerke in Deutschland wirke sich dieses Dilemma unmittelbar auf die Stromhandelspreise aus.

Kelag Vorstand Danny Guethlein Klagenfurt Maerz 2020
Kelag-Vorstand Danny Güthlein
© Markus Traussnig

Dennoch sei laut Güthlein derzeit keine flächendeckende Strompreiserhöhung durch die Kelag absehbar. "Darüber wurde noch nicht entschieden. Wir beobachten die Lage." Auf einen Zeitraum, für den eine Erhöhung ausgeschlossen werden könne, will sich Güthlein nicht festlegen.

Zuletzt hatte die Kelag am 1. September 2019 die Strompreise angehoben - damals um sechs Prozent bzw. vier Euro monatlich je Haushalt.