Infineon-Werk VillachEuropas (erste) Antwort auf den akuten Chipmangel

Die Halbleiterkrise setzt ganzen Industriezweigen, allen voran den Autoherstellern, gewaltig zu. Das neue Infineon-Chipwerk in Villach leistet als Krisenfeuerwehr erste Hilfe. Am Freitag wird es eröffnet.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Die neue Fabrik (links) am Gelände der Infineon in Villach
Die neue Fabrik (links) am Gelände der Infineon in Villach © KK
 

Größte Industrie-Baustelle Europas, modernstes Chipwerk der Welt: Das im Endausbau 1,6 Milliarden teure Bauwerk der Superlative in einer Betonhülle, in der Weichen für eine grüne Zukunft gestellt werden. Im neuen Werk von Infineon in Villach, spezialisiert auf 300-Millimeter-Dünnwafer, sollen Halbleiter für 25 Millionen Elektroautos produziert werden. 400 hoch qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

Eröffnet wird die Zwillingsfabrik zu einem Werk in Dresden nächsten Freitag, drei Monate früher als geplant. Zu einem Zeitpunkt, zu dem weltweit Produktionen in Automobilwerken stillgelegt oder zurückgefahren werden müssen, weil der Nachschub an elektronischen Bauteilen fehlt, also keinen Moment zu früh. Einen Teil der 60.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche – die genaue Zahl ist noch unter Verschluss – nimmt das Allerheiligste der Halbleiterei, der Reinraum ein. Die Luft ist hier um den Faktor 100.000 reiner als in den Bergen, um den Faktor 1000 verglichen mit einem OP-Saal.

Im Mai war die Einrichtung der neuen Fabrik mit Equipment voll angelaufen
Im Mai war die Einrichtung der neuen Fabrik mit Equipment voll angelaufen Foto © Weichselbraun

Smarte Waffe im Kampf gegen die Klimakrise

Kilometerlang beschickt dort ein voll automatisiertes Overhead-Transportsystem in fünf Meter Höhe die Produktionsanlagen mit Losen, die Maschinen wählen für die Wafer eigenständig die korrekte Verarbeitung. Bis zur Fertigstellung eines Wafers braucht es rund 1000 Arbeitsschritte. Die Produktion einer Scheibe, aus der am Schluss die Mikrochips herausgesägt werden, dauert acht bis zwölf Wochen. Die hier erzeugten Superchips haben einen grünen Auftrag – als Hightech-Waffe im Kampf gegen die Klimakrise.

Im Geschäftsjahr 2020 erzeugte Infineon 8,45 Milliarden Chips in 1800 verschiedenen Produkttypen in Villach. Wie viele im neuen, vollautonomen Werk, intern „Halle 18“ genannt, auf, gefertigt werden, ist noch geheim. Das zusätzliche Umsatzpotenzial soll bei vollständiger Auslastung der neuen Chipfabrik jedenfalls um 1,8 Milliarden Euro pro Jahr steigen.

Dachgleiche der neuen Fabrik im Mai 2020
Dachgleiche der neuen Fabrik im Mai 2020 Foto © Privat/KK

Spatenstich vor weniger als drei Jahren

Seit am 10. November 2018 Roboter „Panda“ mit prominenter Unterstützung den historischen Spatenstich setzte, ist viel geschehen. Coronakrise, Verschärfung der Klimakrise und eine sich auftürmende Welle bei der Nachfrage nach Halbleitern bescherten Vorstandschefin Sabine Herlitschka, Produktionsvorstand Thomas Reisinger und Finanzvorstand Oliver Heinrich wohl emotionale Berg- und Talfahrten. In Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 1000 Menschen auf der Fabrik, teils ausgewiesene Spitzenfachkräfte aus halb Europa.

Infineon investiert 1,6 Milliarden Euro am Standort Villach
+

Zum 51. Jubiläum des Villacher Hightech-Standortes von Infineon, den Siemens 1970 auf einer Müllhalde und mit einer Holzbaracke begründete, beschenkt der deutsche Halbleiterkonzern sich - aber auch Kärnten, Österreich und Europa, das auf dem verloren geglaubten Schlachtfeld der Halbleiterindustrie einen Terraingewinn verzeichnet. Ob der Versuch, der übermächtigen asiatischen Konkurrenz die Stirn zu bieten, letztlich gelingt, bleibt abzuwarten.

Daten zur neuen Fabrik

Bruttogeschoßfläche: 60.000 Quadratmeter

35 Meter hoch, 120 Meter lang, 100 Meter hoch

In Summe werden 400 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon sind rund 40 Prozent besetzt

Eine Phalanx an Ehrengästen wird anlässlich der Eröffnungsfeier diese neue Ära einläuten: Erwartet werden zum Festakt Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Bundeskanzler Sebastian Kurz, die Minister Martin Kocher, Leonore Gewessler und Margarete Schramböck sowie Infineon Technologies-CEO Reinhard Ploss. Die Eröffnungszeremonie hat einen bezeichnenden Namen: „Bereit für die Mission Zukunft.“ Der Countdown läuft.

Spatenstichfeier im November 2018
Spatenstichfeier im November 2018 Foto © Markus Traussnig

Kommentare (3)
Boss02
7
11
Lesenswert?

Peinlich Bgm Albel..............

..........er schafft es dazu nicht eine angrenzende Brücke seit Jahren fertig zu stellen Lichtmasten aus Holz zeigt den Technologiesprung u die Zufahrtstrasse „ Abstimmungsstrasse“ ist eine reine Katastrophe u Lebensgefährlich für Radfahrer aber als Rennstrecke für die Traktoren anscheinend geeignet .

Na vielleicht fahren die Politiker und der BP Van der Bellen dort drüber, Bgm Albel sie sollen sich schämen überhaupt an der Eröffnung teil zu nehmen, sie haben ihre Aufgabe nicht erledigt 5 + setzen !!!!!!

anonymus21
13
9
Lesenswert?

weltweiter Chip Mangel

Kenn mich jez ja nicht sooo gut aus, aber hängt es auch damit zusammen das neue moderne PKW jeden Scheixx elektronisch machen müssen? Dabei gibts grad da immense auch sicherheitsrelevante Probleme. Falsche Verkehrsschilder Erkennung, Spurhalte Assistent fail in Baustellen, abprutes automatisches Abbremsen weil der Bordcomputer eine Gefahr erkennt die gar nicht da ist usw...

anda20
26
7
Lesenswert?

Ursachenforschung

Frag nach bei den Amis und Chinesen.

Und an der EU läuft die Zukunft wieder mal komplett vorbei und die Abhängigkeit steigt weiter.

Der Kurze hat bei seinen Besuchen in Silicon Valley scheinbar auch nichts gelernt.

Vielen Dank