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Auf deutschen BaustellenMaterial wird knapp: "Holz kaum noch verfügbar"

Holz, Dämmaterial, Stahl – aber auch Plastikrohre oder Kunststoffe: Ein Mangel an verfügbaren Waren und explodierende Rohstoffpreise bereiten der Baubranche in Deutschland und Österreich große Sorgen. Zumal deren Auftragsbücher prall gefüllt sind.

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Baustellen: Volle Auftragsbücher, leere Materiallager
Baustellen: Volle Auftragsbücher, leere Materiallager © sculpies - stock.adobe.com
 

Bei vielen Bauträgern und Projektentwicklern in Deutschland wächst einer Umfrage zufolge die Sorge vor Verzögerungen oder Stillstand wegen Materialmangels. Wie der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BDW) am Mittwoch mitteilte, ergab dies eine Umfrage unter den rund 1600 Mitgliedsunternehmen. Demnach belegen fast 90 Prozent der Antworten "signifikante Engpässe bei Holz, Dämmmaterial und Stahl".

"Mit Sorge beobachten wir, dass Holz kaum noch verfügbar ist", erklärte BFW-Präsident Andreas Ibel. "Bei Holz sowie bei Stahl und Dämmstoffen kennt die Preisentwicklung nur eine Richtung - nach oben", fügte er hinzu. Dieser Trend müsse "dringend gestoppt werden, bevor es auf den Baustellen zum kompletten Stillstand kommt".

Verzug schon jetzt bei "zwei bis vier Wochen"

Knapp sind nach BFW-Angaben aktuell auch Plastikrohre und Kunststoffe. Der Mangel gefährde damit Neubauprojekte und Sanierungsarbeiten gleichermaßen. "Unsere Unternehmen machen sich aktuell große Sorgen", beklagte Ibel. Fest geplante Übergabetermine seien in Gefahr, Finanzierungspläne kämen ins Wanken. "Schon jetzt liegt der Verzug auf vielen Baustellen bei zwei bis vier Wochen", erklärte er. Die Engpässe bei zahlreichen Gütern sind unter anderem auf die stark gestiegene Nachfrage in China und den USA zurückzuführen.

Mangel und damit einhergehende Preisexplosionen beschäftigen freilich auch die österreichischen Betriebe zurzeit intensiv. Die Entwicklung sei  "derzeit wirklich dramatisch", sagte jüngst erst der steirische Bauinnungsmeister Alexander Pongratz im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Auf breiter Front schießen die Baukosten nach oben. "Wir sind bei vielen für den Bau relevanten Rohstoffen und Vormaterialien mit einer Kombination aus Nachfragesteigerung und Verknappung konfrontiert, das wirkt sich gravierend auf die Preise aus", ließ Pongratz wissen.

Holzbau-Innungsmeister Oskar Beer wiederum berichtete von Preissteigerungen bei einzelnen Holzsorten von "40, 50, teilweise 60 Prozent seit Dezember".

2020 sei hinsichtlich der Rohstoffproduktion vielfach ein "abwartendes Jahr gewesen", erklärt Beer. Dies habe dazu geführt, dass "in vielen Branchen teilweise ein halbes Jahr Rohstoffproduktion fehlt.

Kommentare (9)
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selbstdenker70
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...

Ganz klare Empfehlung an alle die in diesem Jahr etwas baue, ausbauen, umbauen wollen... Finger weg. Die Preise sind aufgrund der vollen Auftragsbücher, in Kombination mit massiven Preiserhöhungen bei Holz, Blech, Kupfer, Fassaden ect. derzeit massiv überhöht. Von Wartezeiten reden wir noch gar nicht.

hansi01
3
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Man kan den ersten Gewinner der Corona Krise schon sehen

Die Industrie ist einer dieser Gewinner. Ein Jahr lang haben sie unbegründet Kurzarbeit gemacht und sehr viel Unterstützung vom Staat bekommen. Und jetzt fehlt es an deren Waren und sie verdienen mit saftigen Preisen noch einmal.

OE39
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Künstliche Verknappung

Um die Preise in die Höhe zu treiben. Holz ist regional ausreichend vorhanden, die Sägewerke arbeiten normal oder sollten es zumindest. So what? Oder kaufen die Chinesen wieder alles zu überhöhten Preisen ein? Hoffe, die Waldbesitzer bekommen wenigstens vom Kuchen was ab und es landet nicht alles in den Taschen der Industrie.

Mitreden
5
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Hyperinflation

Das wird vermutlich erst der Anfang sein. Noch leben wir in einer Wohlstandsgesellschaft, aber denke das wird sich ändern... Zumindest für einige Jahre.

VH7F
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Davon sind wir weit entfernt

Hohe Nachfrage trifft auf (künstliche) Verknappung zugunsten der Großen.

bitteichweisswas
10
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Entgegen der Meinung mancher Romantiker:

Die Materialverknappung und der damit einhergehende Preiswucher sind durch gierige Oligolpolisten gesteuert. Und blechen kann es die Allgemeinheit mit
a) Kurzarbeitsbeihilfe
b) 7 % Investitionsprämie
c) massiv gestiegenen Endpreisen

Hapi67
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Für den erwarteten

Wirtschaftsaufschwung und immensenen Nachholbedarfs durch Corona fehlen nur hundertausende Fachkräfte und lieferfähiges und bezahlbares Material.

Zu den derzeit vollen Auftragsbüchern warten noch hunderte angesparte Milliarden in der EU durch Corona auf Investitionen.

Kontaktaufnahme mit Handwerker bis zur Besichtigung und Auftragserstelkung dauern Wochen, Arbeitsausführungen sind heuer vielfach nicht mehr möglich.

Eine seit Jahren planlose, nichtreagierende Politik zum Thema Arbeitskräftemangel sowie Unternehner, die seit Jahren Einlagerungskapazitäten an die Produzenten ausgelagert haben, sind mitverantwortlich, dass dieser enorme Wirtschaftshebel nicht entsprechend genutzt werden können

Vielen Dank

Pablo63
9
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Klare Worte!

"Just in Time" setzt langjährige und gut gepflegte Lieferanten-Kunden-Beziehungen voraus. Wer den Rohstoff nur beim Discounter und am letzten Drücker kauft hat jetzt seine Lektion bekommen. Der Schaden für den genialen Rohstoff Holz und für die Jungfamilien die jetzt ohne Dach dastehen ist enorm.

Ratte
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Nur so am Rande angemerkt….

Holz wäre ein genialer Baustoff, wenn es nicht die österreichische Regelementierungswut gäbe.

Die Konstruktion eines Hauses aus Holz wurde durch überbordende Vorgaben in Richtung Schall- und Brandschutz erschwert und die an sich gute ökologische Bilanz durch zusätzlich vorgeschriebene Dämmungen ins Gegenteil verkehrt.

Alles in allem ist alles, was größer als ein Zweifamilienhaus ist, in Holz nur mehr ein teurer Krampf…