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Commerzialbank Mattersburg Geständnis von Ex-Vorständin: "Falsche" Kunden im Grundbuch gesucht

"Ich habe die Manipulationen in den Systemen vorgenommen und bei papierhaften Ausfertigungen wirkte Herr Pucher mit." Eine Ex-Vorständin der Commerzialbank Mattersburg legt ein umfassendes Geständnis ab.

Die Commerzialbank im Zentrum Mattersburgs
Die Commerzialbank im Zentrum Mattersburgs © Jürgen Fuchs
 

In der Causa um die Commerzialbank Mattersburg ist nun auch die Ex-Vorständin geständig, berichtete der ORF Burgenland aus dem Vernehmungsprotokoll der Bankmanagerin. Ex-Bankchef Martin Pucher und die Vorständin seien wohl schon länger ein eingespieltes Team gewesen. Persönlich habe sie sich aber nicht bereichert, berichtete das ORF-Radio am Dienstag.

Beide hätten jahrelang die Bilanzen der Commerzialbank manipuliert, gestand die Ex-Vorständin: "Ich habe die Manipulationen in den Systemen vorgenommen und bei papierhaften Ausfertigungen wirkte Herr Pucher mit. Ein weiterer Mitarbeiter der Bank oder der dritte Vorstand waren dabei nicht involviert". Rund 670 Millionen Euro der Commerzialbank-Bilanz seien in Summe frei erfunden.

Die Ideen für die Fälschungen seien von Pucher gekommen, sie selbst habe es technisch durchgeführt, habe die Ex-Vorständin laut ORF-Radio bei der Einvernahme erklärt. "Teilweise wurden bei bestehenden Kunden neue, fingierte Kreditkonten eröffnet und teilweise habe ich als Kunden infrage kommende Personen in der Grundbuchdatenbank und im Firmenbuch gesucht und Pucher traf dann die Auswahl. Diese Personen hatten gar keine reale Geschäftsbeziehung zur Commerzialbank Mattersburg", führte die Ex-Vorständin, für die die Unschuldsvermutung gilt, laut dem Vernehmungsprotokoll weiter aus.

Ex-Vorständin wollte mehrmals kündigen

Persönlich bereichert habe sie sich aber nicht. "Ich persönlich für mich habe kein Geld entnommen. In die Hand bekommen habe ich es schon, aber ich habe es nicht für mich behalten", zitiert das Ö1-Morgenjournal. Ihr sei außerdem klar gewesen, dass die Bilanzfälschungen unrechtmäßig waren, hieß es in den Bericht.

Die Ex-Vorständin habe auch mehrmals kündigen wollen, Pucher habe sie jedoch mehrmals wieder überredet in der Bank zu bleiben. Sie habe gehofft, die Fälschungen irgendwann wieder bereinigen zu können. "Hätte ich damals gekündigt, hätte der Herr Pucher alleine vermutlich nicht geschafft, das zu verstecken," wird die Topmanagerin zitiert.

In der Bankbilanz seien rund 350 Millionen Euro an Kundenkrediten ausgewiesen worden. 180 Millionen davon sollen fingiert gewesen sein. In ihrer Einvernahme verweise die Ex-Vorständin auch mehrfach auf Datenträger, die sie den Ermittlern übergeben habe: "Auf den USB-Sticks und auf der Festplatte befinden sich umfangreiche Daten, die die vollständige Aufklärung der Causa sicherstellen werden".

Die Prüforgane der Bank sollen von den Unregelmäßigkeiten aber nichts mitbekommen haben. "Aus meiner Sicht hat die TPA niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei den Prüfungen festgestellt und wurde ich auch nie auf Unstimmigkeiten von den Prüfern der TPA angesprochen. Auch der Aufsichtsrat der Commerzialbank Mattersburg hat niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten festgestellt", sagte die Ex-Vorständin bei ihrer Einvernahme aus.

Kommentare (45)

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Genesis
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U-Haft für beide Vorstände bitte sehr

Also, warum gehen diese beiden geständigen Wirtschaftskriminellen nicht in U-Haft? Die Höhe der Malversation rechtfertigt dies wohl zu 1.000 % ! Hier geht es nicht um "Manipulation" sondern um gewerbsmäßigen schweren Betrug nach mafiösem Vorbild. Mattersburg ist damit das Coreleone (schlag nach bei Google) des Jahres 2020!

Franz63
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Gesamtbezüge Vorstand

zur ergänzenden Information:
Die Gesamtbezüge der drei TOP Manager betrugen z.B 2017 EUR 1,125 Mio. und
2018 EUR 1,352 Mio. Der "Aufsichtsrat" hat für seine "Kontrollfunktion" EUR 54.000,- erhalten (aus dem Jahresbericht 2018). Soviel zu "keine persönliche Bereicherung". Die guten und langjährigen Freunde im Aufsichtsrat haben offenbar alle Gehaltswünsche der Vorstände genehmigt.
Wirklich lachen konnte ich über diese Aussage: "Auch der Aufsichtsrat der Commerzialbank Mattersburg hat niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten festgestellt", sagte die Ex-Vorständin bei ihrer Einvernahme aus"

voit60
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Flucht-, Tatbegehungs-und Verdunkelungsgefahr

sind der Strafprozessordnung Gründe, um eine U-Haft zu verhängen. Der Herr Pucher wird wahrscheinlich wie so viele dieser Kategorie nicht haftfähig sein. Der Ärmste.

Simunek
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Flucht-, Tatbegehungs-und Verdunkelungsgefahr

Das ist ja die Sauerei. Der schlürft den Champagner seiner Frau zu Hause, liegt im Swimmingpool seiner Frau und lebt eben zu Hause, im Haus seiner Frau. Sie kümmerts sich um die Finanzen. Sie hat ja 25 Jahre alles gespart und hat jetzt die Reserve für die kargen Zeiten. Er hat ihr schon vor Jahren das Haus überschrieben, ODER?. Sie hat das Haus. Fluchtgefahr ?? Verabredungsgefahr ?? Herr Pucher geht nie ins Gefängnis ist schwer krank und auch nicht haftfähig.

GordonKelz
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UNGEHEUERLICH....

Wie kann eine solche Person mit einem so kriminellen Ich ,Vorstand einer Bank sein?
Gordon Kelz

Simunek
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"Falsche" Kunden im Grundbuch gesucht

Jetzt kommen immer mehr Details zu Tage. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn man die Berühmten "58" Konten sich angesehen hätte, es gab 2015 bereist die Hinweise und man genau geschaut hätte und substanziell geprüft hätte, dann hätte man das als Prüfer der TPA und auch als Prüfer der OeNB erkennen MÜSSEN. Das wird ja immer schlimmer. Wie kann man so etwas übersehen. Da haben ALE weggesehen. Ich sage dezidiert. Die jungen Akademiker, die die OENB als Prüfer eingestellt hatte, waren überfordert. Es hätte da mehr Unterstützung seitens erfahrener Prüfer bedurft. Nowotny hat ja bereits 2008 die Abteilung für Bankenprüfung ausgebaut. Aber wo ist die Qualifikation geblieben. Da die neuen Zugänge dem Dienstrecht 5 unterliegen sind auch die Gehälter viel unattraktiver als die der alten Dienstrechte. Genau so ist das bei TPA. Eine Heerschar an jungen AssistentInnen prüfte da. Vollkommen überfordert. Und die WPs hat es nicht gekümmert. Hauptsache ein Saldenbestätigung konnte man zu den Arbeitspapieren legen. Und das nach den Malversationen in 2015 und den Infos des Whistleblowers. Das ist ein veritabler Skandal der besonderen Sorte, sich von solchen Vorständen über viele Jahre über den Tisch ziehen zu lassen. Ich hoffe sehr, dass eine Amtshaftungsklage Erfolg hat. Kredite kann man substanziell auf ihr Bestehen prüfen, auch die Salden bei anderen Banken durch Gegencheck. Wenn jemand die Wps und die Aufsicht in Schutz nimmt, dann ist er fehl am Platze./Grob fahrlässig

Genesis
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Sie haben völlig Recht

Hier wurde von der OeNB an der falschen Stelle gespart. Und die TPA-WP's, die werden sich noch entsprechend vor Gericht erklären müssen. Ich für mich hätte als WP bei Verfolgung eines ISA konformen risikoorientierten Prüfungsansatzes anhand der Stichprobenprüfung bei der Einzelkreditprüfung eindeutig die Malversationen entdeckt. EINDEUTIG! Und das nicht, weil ich so gut bin, sondern weil es, wenn die Sache wirklich so gelaufen ist, wie die Medien berichten, sowas von leicht gewesen wäre!

Irmiernst
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Jeder....

Eierdieb wird verknackt, nur für diese feine Herr- und Frauschaft gelten offenbar andere Regeln und Gesetze.... Pfui Teufel!

haumioh
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das ist österreichische Freunderlwirtschaft

wen man Pucher einsperrt wird er ausparken und das Gefängnis würde voll von den Politikern werden - Pucher weis zu viel deswegen läuft er noch frei herum

maexchen85
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ja hatte denn keiner der Prüfer die Idee...

einmal im Grundbuch nachzuschauen, ob die Kredite überhaupt als Pfand eingetragen und besichert worden sind? Wird so in Österreich seitens der Wirtschaftsprüfer und Bankenaufsicht geprüft ?!?!

Genesis
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Antwort - GEGENDARSTELLUNG

Da ich Wirtschafts- und Bankprüfer bin, fühle ich mich von Ihrem Statement bzw. Ihrer Frage oben direkt angesprochen! ANTWORT: NEIN, so wird von mir und von den WP's im Allgemeinen nicht geprüft wie im schönen Burgenland. Ich für meine Wenigkeit nehme bei von mir geprüften Kreditengagements stets Einblick in den öffentlich zugänglichen Firmenbuch- und Grundbuch-Stand. Dann gleiche ich die von der Bank in ihrem Risikomanagement erfassten Kreditsicherheiten mit den vorzulegenden Schätzungsgutachten und natürlich (!) obligatorisch mit dem jeweiligen aktuellen Grundbuchsauszug ab. Wenn da auch nur eine Kleinigkeit nicht stimmt oder nicht nachvollziehbar ist dann klingeln die Alarmglocken, ABER GEWALTIG!

Simunek
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ja hatte denn keiner der Prüfer die Idee...

Gutes Argument. Heute prüft man nicht mehr, man legt die Unterlagen, die man vom Klienten erhält einfach in den Arbeitspapieren ab. Hauptsache die Salden gleichen denen in der FIBU (Finanzbuchhaltung)

georgXV
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???

könnte es sein, daß der Vorstand und die Vorständin "a Gspusi" hatten ?
Es gilt die USV

Simunek
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georgXV

Ich glaube nicht, dass dies relevant ist. Was hat das mit der mangelnden Qualität der Prüfungen zu tun ?

georgXV
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bitte langsam

es könnte ja sein, daß sie sich gegenseitig "erpresst" oder aber gegenseitig "gedeckt" haben ...
Es gilt die USV

Bodensee
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jetzt aber schon rasch ab in den Häfn ....

.....mit Pucher und dieser erfolgreichen Absolventin einer 3-jährigen Hauswirtschaftsschule.

Simunek
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jetzt aber schon rasch ab in den Häfn ....

Und so etwas führt die WPs, die FMA und die OeNB mehr 20 Jahre vor. Das mit dem Gefängnis wird so schnell nichts. Ich habe schon geschrieben warum. Lange Verfahrensdauer mit Einsprüchen bis zur obersten Instanz. Das dauert mehr als 10 Jahre

sunny1981
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Commerzislbank

Warum kommt hier niemand in U Haft?
Verdunklungsgefahr besteht auch wenn die geständig sind

Simunek
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Commerzislbank

Das müssen Sie die Justizministerin fragen. Aber die bekommt ja ein Kind. Pucher ist ja nicht mehr haftfähig. Zwei Schlaganfälle. Der wird auch nie in das Gefängnis gehen. Beide sind ja geständig und kooperieren voll. Pucher hat mit Dr. Wess einen der besten Wirtschaftsanwälte des Landes. Ein wahrer Medienprofi. Herr Pucher hat auch kein Vermögen mehr. Auch der Privatkonkurs läuft schon. Komisch !! Seine Kollegin hat sich er auch die guten Rechtsberater, also hat man ein feines Leben zu Hause. Nicht einmal eine Kaution ist festgesetzt. Was da wohl der Rechtssaat sagt dazu. Was denken sich die BürgerInnen.

salem2708
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Gesindel...

persönlich bereichert hat sie sich nicht die Dame - hat nur a bisserl a Vorstandsgehalt kassiert, dass sie sonst nie bekommen hätte, da Herr Pucher sie ja auch net losgeworden konnte...bekommen hat sie das Geld schon, behalten hat sie es nicht - nein, natürlich nicht, weil sie es ja für ein schönes Leben ausgeben musste...zum KOTZEN!!! soll ich jetzt Mitleid haben? Das Ganze ist vorsätzlicher, schwerer Betrug und da braucht sich auch keiner auf das "Versagen" der Kontrollorgane ausreden - wenn jemand in ein Geschäft geht und ein Handy etc. stiehlt, ist dann auch die Polizei oder der Händler Schuld und nicht der Täter???

Simunek
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Gesindel...

Pucher EURO 350.000/brutto, Sie EURO 280.000/Jahr. Das sind Spesen für die Manipulation

lieschenmueller
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Mitleid nur mit den Kunden,

aber welch besch.......eidenes Leben diese Vorständin (eigenartiges Wort) hatte. Dauernd die Gewissheit, nicht nur mit einem Fuß im Kriminal zu sein, sondern mit beiden tiefst drinnen steckend.

Dazu ständig die Angst im Genick, dass es aufkommt. Und wenn es stimmt, dass sie sich selbst nicht bereichert hat, dann für den idiotischen Grund, dass der Chef als klasser Maxi da stehen wollte, den alle lieben sollen.

Wie ein User unten schreibt, eine Kontoeröffnung bzw. fast für alles was man auf der Bank braucht, Ausweis herzeigen, der kopiert und gespeichert wird. Wie wurde denn das umgangen bzw. geprüft?

langsamdenker
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@lieschenmueller

Ich kenns nur aus der Realwirtschaft. Dort schauen die Prüfer genauestens hin. Informieren sich über die Betriebe auch offenbar schon vor der Prüfung um sich einmal subjektiv ein Bild zu machen über die Kundenfrequenz, die Betriebsausstattung, Zustand und Alter der Gebäude usw. (die wissen schon warum sie das tun).
Die Steuerprüfungen bei denen ich dabei war, gingen in einer Art kritischer "Partnerschaft" mit dem gemeinsamen Ziel, zu einem rechtlich richtigen und sachlich korrekten Abschluss zu kommen, vonstatten. Steuerprüfer kennen sich in aller Regel SEHR gut in der Materie und der Branche, die sie prüfen, aus und wissen auch WO sie suchen müssen.
Darum bin ich geradezu entsetzt, dass es in der Finanzwirtschaft offenbar ganz anders zugeht.

Simunek
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langsamdenker

Man kann es nicht verallgemeinern. Es gibt auch bei den Steuerbehörden Prüfer, die nicht so effizient sind. Aber es geht hier um potentielles Steuermehraufkommen, es stimmt, die Prüfer sind heute gut geschult vor allem bei der Großbetriebsprüfung. Da sitzen Spezialisten , die auch z.B. Unternehmensbewertungen sehr gut prüfen. Die sind ja Streitpunkt für Teilwertabschreibungen und Zuschreibungen etc.. Also können Sie dem Ihnen gegenübersitzenden Steuerberater sehr gut kontern. Keine Frage. Das ist nur ein Beispiel. Sie bereiten sich gut vor und sind am Laufenden. Die Bundesfinanzschule scheint Ihre Prüfer besser auszubilden. da ist viel geschehen. Vor 30 Jahren war das noch ein leichteres Spiel

Simunek
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Langsamdenker

Wegen der leidigen Compliance darf man ja heute den Prüfer ja nicht einmal mehr auf einen "Radiergummi" einladen. Bullshit Aber im obersten Stockwerk des Unternehmens gibt es keine Compliance. Die gilt nur für die MA, nicht aber für die Geschäftsleitung. Ich habe viel gesehen. Alles Schmarrn künstliche Beschäftigung für die Abteilungen in den Unternehmen, Die Realität sieht anders aus. Wo bleib die Compliance in Mattersburg...………………….

VH7F
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Keine Ausweise für erfundene Kunden?

Bei jeder Bank finden sich die im Akt!

 
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