Es ist eine spröde volkswirtschaftliche Kennzahl: die Erwerbsquote, die den prozentualen Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter angibt. Eine hohe Erwerbsquote fördert das Wirtschaftswachstum, sichert den Fachkräftebedarf und trägt natürlich zur finanziellen Unabhängigkeit der „Erwerbspersonen“ bei. Die Erwerbsquote von Frauen rückt im Vorfeld des internationalen Frauentages am 8. März besonders in den Fokus. Sie steigt in Kärnten. Aktuell beträgt sie 70 Prozent, während sie 2016 noch 65 Prozent betragen hat, berichtet AMS-Geschäftsführer Peter Wedenig. Gleichzeitig sinkt die Arbeitslosenquote von Frauen in Kärnten. Sie beträgt aktuell 6,7 Prozent. Im Jahr 2016 hat sie über zehn Prozent betragen.
Das ist gut, aber nicht gut genug. „Frauen verdienen in Österreich immer noch durchschnittlich 15,5 Prozent weniger als Männer. Das sind 10.000 Euro weniger pro Jahr“, sagt ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov. Männer verdienen in Kärnten im Durchschnitt 2411 Euro brutto, Frauen 1469 Euro. Die Gewerkschafterin stößt sich daher daran, Frauen am Frauentag mit Blumen zu beschenken: „Blumen zahlen keine Miete. Stattdessen fordern wir gleichen Lohn für gleiche Arbeit.“ Darüber hinaus haben Frauen 40 Prozent weniger Pension als Männer – ein durchschnittlicher Unterschied von 942 Euro pro Monat. Von den 17.000 Menschen, die in Kärnten Ausgleichszulagen beziehen, weil sie sonst unter dem Existenzminimum leben, sind 67 Prozent Frauen.
Ungleichgewicht trotz Gender Budgeting
„Ein Auftrag, Gleichstellung weiter voranzutreiben“, sagt LHStv. Gaby Schaunig (SPÖ). Nicht nur, dass sich etliche Maßnahmen im Rahmen des Territorialen Beschäftigungspaktes explizit an Frauen wenden. Das AMS Kärnten betreibt konkret Gender Budgeting, es erstellt sein Budget also im Hinblick auf Gleichstellungsziele. „Konkret geben wir mehr als die Hälfte unseren Budgets für Maßnahmen für Frauen aus, nämlich 51,3 Prozent. Das sind für dieses Jahr 35,2 Millionen Euro“, sagt Wedenig.
AMS-Tipps für Gleichstellung im Alltag
Das ist gut, aber nicht gut genug. Weil Frauen in der Öffentlichkeit immer noch unterrepräsentiert sind, hat das AMS Kärnten eine Checkliste von Maßnahmen erstellt, um sie sichtbarer zu machen. Die Tipps sind für Öffentlichkeitsarbeiterinnen, Geschäftsführungen und Personalverantwortliche gedacht und im Internet unter dem Schlagwort „Quick Wins“ (also: schnelle Gewinne) abrufbar. Unter anderem heißt es: „Überprüfen Sie Ihre Bilddatenbank dahingehend, ob nur Männer in Expertenrollen zu sehen sind.“ Oder: „Machen Sie Gleichstellung auf Ihrer Homepage sichtbar.“ Wedenig: „Gleichstellung beginnt nicht mit großen Konzepten, sondern mit bewussten Entscheidungen im Alltag.“