Österreichs Unternehmen sind von Chancengleichheit noch weit entfernt. Wie eine neue Deloitte-Umfrage zeigt, steigt weder der Frauenanteil in den obersten Führungsebenen noch wird sich der Gender Pay Gap in naher Zukunft schließen. Zwar könnte der Beschluss der neuen EU-Lohntransparenzrichtlinie dahingehend einen wichtigen Anstoß geben, die Umsetzung stellt die Unternehmen aber vor einige Hürden.
Das Beratungsunternehmen Deloitte erhebt jährlich zum Weltfrauentag am 8. März die Parameter von Geschlechtergleichstellung in der österreichischen Wirtschaft. Das Ergebnis der diesjährigen Umfrage unter 500 Führungskräften zeigt: In Sachen Gleichstellung treten die Unternehmen nach wie vor auf der Stelle. Vor allem das Durchbrechen der gläsernen Decke scheint für Frauen weiterhin unmöglich.
Keine Erhöhung des Frauenanteils geplant
„Fast die Hälfte der Unternehmen plant derzeit keine Erhöhung des Frauenanteils in den obersten Führungsetagen. Ein Fünftel beklagt zudem einen Mangel an qualifizierten Frauen“, sagt Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Die Führungsebenen in der österreichischen Wirtschaft sind seit jeher klar männlich dominiert.“
Mit diesen Erkenntnissen reiht sich die Deloitte Studie in die Reihe weiterer Analysen ein, die den großen Aufholbedarf hinsichtlich Geschlechterparität deutlich machen. Das Weltwirtschaftsforum beispielsweise hat erst kürzlich berechnet, dass es bis zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern noch mehr als 130 Jahre dauern wird.
Lohnlücke schließt sich nur langsam
Die mangelnden Karrierechancen für Frauen wirken sich auch auf deren Verdienst aus. So liegt Österreichs Gender Pay Gap im EU-Vergleich deutlich über dem Durchschnitt. Das Schließen der Lücke gilt weiterhin als Mammutaufgabe für Österreichs Unternehmen: Über ein Viertel der Befragten geht davon aus, dass dies in ihrem Unternehmen noch rund zehn Jahre oder länger dauern wird. Weitere 22 Prozent können überhaupt nicht einschätzen, wann eine faire Lohnverteilung erreicht wird.
„Um den Weg zur Geschlechterparität zu beschleunigen, braucht es vor allem strukturelle Veränderungen wie den Ausbau der flächendeckenden Kinderbetreuung, die frühe Förderung von Mädchen in MINT-Fächern oder den Fokus auf formale Maßnahmen wie Quoten. Unternehmen wiederum können mit nachvollziehbaren Prozessen rund um die Karriere- und Einkommensentwicklung viel bewirken und eine Unternehmenskultur schaffen, die Transparenz, Fairness und Leistungsorientierung fördert.“