Was bringt das junge neue Jahr für den stark strauchelnden Wirtschaftsstandort Österreich? Zumindest der Weg aus der hartnäckigen Rezession konnte 2025 – trotz Gegenwinds – gefunden werden. Klar ist aber auch: Die Bäume wachsen auch heuer nicht in den Himmel. Das prognostizierte Wachstum bewegt sich rund um die Marke von einem Prozent, zumindest die Inflation sollte sich merkbar abschwächen. Ein Überblick.

Konjunktur. Der Standort definiert den Standpunkt, das gilt ganz besonders beim Konjunkturausblick. Ein Prozent Wachstum wurde einstmals als lahm bis schleppend dargestellt, für 2026 ist es der Lichtblick nach zwei Jahren der Rezession. Die Erleichterung, dass Österreich 2025 die ökonomische Geisterbahn verlassen konnte, ist verständlich, denn schrumpft die Wirtschaft, ist Feuer am Dach der Gesamtwirtschaft. Um es korrekt einzuordnen: Rund ein Prozent Wachstum (das Wifo erwartet 1,2 Prozent) kann weder marode Staatsfinanzen sanieren noch die Jobmaschine anwerfen. Und schon gar nicht den Reformstau beseitigen. Denn Österreich hat, sind sich die Experten einig, weniger konjunkturelle denn strukturelle Probleme. „Wenn die diversen Wachstumsbremsen nicht gelöst werden, sind Wachstumsraten im Bereich von 0 bis 1 Prozent über Jahre die neue österreichische Normalität“, warnt Matthias Reith von Raiffeisen Research.

Arbeitsmarkt. In Anbetracht des Ausmaßes der soeben überwundenen Rezession hätte die Zunahme der Arbeitslosigkeit sogar noch dramatischer ausfallen können, der demografische Wandel milderte die negativen Folgen. Dennoch bleibt die Lage am Arbeitsmarkt auch in diesem Jahr schwierig. Die Nationalbank erwartet erst 2027 wieder sinkende Arbeitslosenraten, Wifo und IHS rechnen noch in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang von 7,4 auf 7,3 Prozent, ein Minus von 4000 Personen. Noch ist es nicht so weit: Etwas sinken soll die Arbeitslosigkeit erst im zweiten Halbjahr. Zumindest verlangsamte sich zuletzt der Anstieg: Fast 435.000 Menschen waren im Dezember 2025 auf Jobsuche, ein Zuwachs von zwei Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren es 5,5 Prozent.

Börsen. 2025 purzelten an den Börsen die Rekorde. Und 2026? Das kann niemand seriös beantworten. Sinkende Zinsen schaffen ein börsenfreundliches Umfeld, Analysten erwarten ein solides, aber volatiles Börsenjahr. Dass die zweistelligen Renditen des Vorjahres ­– der Wiener ATX legte um 45 Prozent zu, der deutsche DAX 23 Prozent – in dieser Tonart fortgeschrieben werden, ist wohl nicht zu erwarten. Auch 2026 sind die Fragezeichen unübersehbar: Die Geopolitik bleibt fragil und unberechenbar, die Entwicklung von Zinsen bzw. Inflation stets für Überraschungen gut. Und dann ist da noch die große Unbekannte: Zündet das KI-getriebene Kursfeuerwerk erneut oder drohen scharfe Korrekturen? Enttäuschte Erwartungen sind wohl die größte Gefahr. Noch ist es aber nicht so weit.

Inflation. Nach rund 3,6 Prozent Jahresinflation im abgelaufenen Jahr wird für heuer mit einer spürbaren Abschwächung der Teuerung auf 2,4 Prozent gerechnet. Maßgeblich dafür ist auch der Effekt aus den Anfang 2025 ausgelaufenen staatlichen Energiehilfen – dieser fällt mit Jänner weg und sollte die Inflationsrate gleich im Jänner um 0,8 bis einen Prozentpunkt nach unten drücken.

Zinsen. Für Sparerinnen und Sparer sowie Kreditnehmer ist die Zinsentwicklung im neuen Jahr von Interesse. Zur Erinnerung: Bei der jüngsten Dezember-Sitzung hat die Europäische Zentralbank (EZB) den maßgeblichen Einlagensatz zum vierten Mal in Folge bei 2,0 Prozent belassen. Von Mitte 2024 bis Juni 2025 war der Leitzins in acht Schritten von vier auf 2,0 Prozent halbiert worden. Seither ist er stabil. Wie also könnte es 2026 mit den Zinsen im Euroraum weitergehen? Der Rat der EZB um Präsidentin Christine Lagarde rechnet laut Reuters-Bericht für dieses Jahr mit weitgehend stabilen Zinsen. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Martin Kocher, hat Zinsschritte nach oben oder unten 2026 indes nicht ausgeschlossen. „Es gibt keine Vorfestlegung“, betonte er erst kurz vor Weihnachten mit Verweis auf die weiter unsichere gesamtwirtschaftliche Lage.

Außenhandel. Österreichs Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere von Industrieunternehmen – hat aufgrund der überdurchschnittlich gestiegenen Lohn- und Energiekosten zuletzt deutlich abgenommen. Für ein traditionell exportstarkes Land ist das problematisch. Die Nationalbank sprach zuletzt von einer „großen Herausforderung“. Große Teile der Industrie hoffen daher auf einen raschen Abschluss des Freihandelspakts mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, die Landwirtschaft ist weiter strikt dagegen. Doch das Abkommen ist EU-weit umstritten, Österreich sieht sich an einen sechs Jahre alten Parlamentsbeschluss gegen das Mercosur-Abkommen gebunden. Die EU-Kommission will es Mitte Jänner unterzeichnen.