Es war weit mehr als ein emotionaler Kraftakt, es war eine Botschaft, deren Dramatik bis heute nachwirkt. Da steht sie, im rosaroten Chanel-Kostüm, das mit Blut bespritzt ist. Das Blut stammt von ihrem Mann John F. Kennedy, US-Präsident, nun tot, erschossen vom Attentäter Lee Harvey Oswald. Jackie Kennedy behielt das Kostüm an, das wirkte wie eine paradoxe Intervention – und erschien deshalb noch dramatischer. Die Stilikone, die das schockierende Ende dieser Präsidentschaft am Körper getragen hat. Mamie Eisenhower, ihre Vorgängerin im Weißen Haus, nannte sie abwertend „College Girl“. Für die junge Boomergeneration hingegen war Jacqueline Kennedy mit ihren 31 Jahren der frische Wind, der in Richtung Zukunft drehte. Sie entstaubte das Weiße Haus und wurde zum Liebkind der Hochglanzmagazine, die ebenso zum Höhenflug ansetzten. Jackie Kennedy war ein Star, aber gleichzeitig auch Mutter von zwei kleinen Kindern – sie war jung und dynamisch, sie war Glanz und Glamour, sie war ein American Girl, aber auch ein bisschen good old Europe – Chanel, Gucci, Dior, Balenciaga? Gerne!
Zwischen Etuikleid und Caprihose
Der Hollywoodfaktor, der kam mit Designer Oleg Cassini, der halb Hollywood ausgestattet hat und mit Grace Kelly liiert war. Über 300 Kleider schuf er für Kennedy während ihrer Zeit im Weißen Haus und er war ihr Stilberater, hatte Anteil am typischen Jackie-Stil: Kostüm oder Etuikleid, Perlenkette und Pillbox-Hut, in dem man auch gut und gerne eine Krone sehen konnte. Hinzu kommt eine Frisur, für die man nicht einfach so aus dem Bett steigt: Der Friseur Kenneth Battelle kreierte ihre Bouffant-Frisur, die geradezu nach Rundbürste und ordentlich Haarspray schreit.
Jackie Kennedy war keine Trendjägerin, sondern Trendsetterin – von Paparazzi auf die Magazincover gehievt, wie eine moderne Ikone, die sich in Sachen Mode immer wieder neu erfand – im Gegensatz zum gediegenen Upper-East-Side-Stil des New Yorker Geldadels. Vom Etuikleid konnte sie mühelos in die Caprihose switchen. Die scheinbare Leichtigkeit, das Ungezwungene, das sie vor allem auch in späteren Lebensjahren umgab, war nicht zu fassen. Das ist die DNA von Zeitlosigkeit.
Die Vorreiterin in Sachen „Quiet Luxury“
Als Stilikone teilt sie diese DNA mit ihrer Schwiegertochter Carolyn Bessette-Kennedy – die sie nie kennengelernt hat. Bessette, die für Calvin Klein tätig war, gilt heute als Stilikone eines Minimalismus, der in New York der 1990er-Jahre der maximale Kontrast zur popkulturellen Übergangsgemengelage war: Hip-Hop, Grunge, Techno, umgeben von der Roughness einer Stadt, in der sich die Gentrifizierung ausbreitet. Es ist kein Wunder, dass sich Helmut Lang zu dieser Zeit von Wien nach New York verabschiedete und Calvin Klein an der Minimalismus-Spitze abgelöst hat. Bessette, die mit John F. Kennedy Junior, das von Paparazzi dauerverfolgte Lässigkeits-Powercouple bildete, war eine Vorreiterin in Sachen „Quiet Luxury“ – sündteuer, aber simpel. Yohji Yamamoto gehörte ebenso zu ihrer Garderobe, wie auch Prada. Erst Jahre später, 2007, gründete H&M mit COS eine Marke, die diesen Stil global in die Welt auslieferte. Schwarz, Weiß, Beige, die dominierende Farbpalette des Minimalismus, fällt heute unter klassisch bis gediegen.
Die aktuelle Begeisterung für Carolyn Bessette-Kennedy, ausgelöst durch die Serie „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“ (Disney+), zeigt sich in der Flut der immergleichen Bilder, die vor allem Paparazzi vom Paar geschossen haben. Es sind ein paar Dutzend. Die Euphorie ist nicht ohne Melancholie zu sehen und das hat mit der Mode im Zeitalter von Social Media zu tun, in dem ein globaler Trendtsunami auf den anderen folgt. Trends sind die Eintagsfliegen von Instagram. Stilikonen hingegen sind unsterblich.