„Ich bin erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel“, sagte eine sichtlich gerührte Senta Berger (85) Freitagabend auf der Bühne im Palais am Funkturm in Berlin. In der Hand hielt sie dabei ihre Lola, das Publikum gab Standing Ovations. Die in Wien geborene Schauspielerin wurde beim 76. Deutschen Filmpreis für ihre Rolle als Inge Birkmann in der Buchverfilmung „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Es war generell ihre allererste Filmpreis-Nominierung.

Ihr Sohn Simon Verhoeven (53), der Regie geführt und das Drehbuch geschrieben hat, würdigte seine Mutter vor der Übergabe der Lola auf der Bühne. „Wenn man mit seiner Mutter einen Film dreht, so führt das natürlich dazu, dass man als Regisseur am Set ständig Mama sagt. Was nicht unbedingt ideal ist oder autoritätsfördernd, aber in diesem Fall war es ganz wunderbar.“

Er habe seine Mutter besetzt, weil sie die beste Schauspielerin für die Rolle gewesen sei, sagte Verhoeven. Und trotzdem sei er jeden Tag aufs Neue überrascht worden. „Ich habe eine andere Frau gesehen, eine Frau, die mir fremd war und die mir trotzdem so nahe kam.“

„Ich habe deine Verletzlichkeit gesehen, deine Empfindsamkeit, deinen Humor, dein Herz, aber in einer neuen Form, einer neuen Hülle, einem neuen Rhythmus, einem anderen Menschen“, sagte er. „Mama, ich gratuliere dir zu deiner allerersten Nominierung für den Deutschen Filmpreis mit 85 Jahren.“ Als sie die Auszeichnung gewann, gab er ihr ein Bussi.

„In die Sonne schauen“ als bester Film ausgezeichnet

Großer Sieger des Abends war „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski. Gleich zehn Auszeichnungen gab es für das Drama, darunter die Goldene Lola für den besten Spielfilm. Das gab die Deutsche Filmakademie in Berlin am Freitagabend bekannt. Der Film erzählt von mehreren Frauen, die in unterschiedlichen Zeitebenen auf einem Bauernhof leben. Er wurde unter anderem für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Der Politthriller „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak gewann die Lola in Silber. Der Film erzählt von einem Künstlerpaar, das politischen Repressionen ausgesetzt ist. Die Lola in Bronze ging an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Als bester Hauptdarsteller wurde August Diehl für seine Leistung in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ ausgezeichnet. Ähnlich wie bei den Oscars in den USA konnten die rund 2400 Mitglieder der Deutschen Filmakademie über viele der Preisträgerinnen und Preisträger abstimmen.

Die schönsten Roben des Abends:

Gala wegen Technikproblemen zeitweise unterbrochen

Die Preisverleihung musste zwischenzeitlich wegen Technikproblemen unterbrochen werden. Das Publikum konnte den Saal verlassen. Auch die Live-Übertragung online wurde vorübergehend ausgesetzt. Im Fernsehen wurde die Gala zeitversetzt erst später am Abend im Ersten gezeigt.

Eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion teilte mit: „Aufgrund eines unerwarteten Ausfalls der Saaltechnik kam es während der Übertragung des Deutschen Filmpreises am Freitagabend zu einer vorübergehenden Unterbrechung des Programms.“

Regisseur Wenders ergreift das Wort

Regisseur Wim Wenders (“Perfect Days“, „Paris, Texas“) erhielt für seine Verdienste um den deutschen Film den Ehrenpreis. Der Filmemacher nutzte die Bühne, um über eine umstrittene Nacktszene in seinem Film „Falsche Bewegung“ von 1975 zu sprechen.

Schauspielerin Nastassja Kinski war damals erst 13 und versucht nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“, die Szene entfernen zu lassen. Wenders sagte, er würde die Szene heute nie wieder so drehen. Gleichzeitig frage er sich, wie man mit Filmerbe umgehe und ob man eine solche Szene einfach kürzen solle. Er wünsche sich dazu eine Diskussion mit der Filmakademie.

Zur Gala am Berliner Funkturm waren rund 1900 Gäste geladen, darunter war auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). Moderator Christian Friedel kommentierte mit Seitenhieben unter anderem die kulturpolitischen Debatten der vergangenen Monate. Die Akademiechefs Florian Gallenberger und Vicky Krieps riefen zum Zusammenhalt auf. Kultur verbinde und sei ein Raum, in dem alle Platz hätten, sagte Gallenberger. Kultur helfe auch gegen die AfD und sie widersetze sich jede Bevormundung.