Im für Swatch zentralen Markt China ist dem Schweizer Uhrenhersteller ein massiver PR-Fehler unterlaufen. Das Unternehmen reagierte in seiner Zentrale in Biel und nahm die beanstandete Kampagne zurück. Sämtliche Onlinekanäle wurden bereinigt.

Hintergrund des Rückzugs ist eine Werbung für die Swatch-Essentials-Linie: Darin ist ein asiatisches Model zu sehen, das mit den Fingern seine Augen nach außen zieht. Diese Geste wird in China vielfach als rassistisch verstanden, weil sie ein abwertendes Klischee bedient. In den sozialen Netzwerken führte das zu massiver Kritik.

Sämtliches Werbematerial zurückgezogen

Der Uhrenkonzern veröffentlichte am Samstag auf der Plattform Weibo eine Erklärung auf Chinesisch und Englisch. Darin hieß es, man nehme die geäußerten Bedenken ernst und habe sämtliches Werbematerial weltweit zurückgezogen. Parallel erschien dieselbe Stellungnahme auch auf Instagram. „Wir bitten aufrichtig um Entschuldigung für alle Irritationen und Missverständnisse“, teilte das Unternehmen mit. Zu weiteren Fragen nahm Swatch bislang keine Stellung.

FILE - The logo of Swiss watchmaker
"Swatch" ist auch auf dem Champs Elysees in Paris vertreten © AP/Francois Mori

„War wirklich überrascht“

In China sorgte der Vorfall für große Aufmerksamkeit. „Als ich diese Nachricht sah, war ich ziemlich schockiert. Swatch ist seit vielen Jahren auf dem chinesischen Markt vertreten, und ich glaube, dass die meisten Menschen mit der Marke vertraut sind“, sagte der 23-jährige Student Justin Zhao. „Ich weiß nicht, warum sie das getan haben. Sie konnten das irgendwie veröffentlichen, nachdem sie zahlreiche Genehmigungen durchlaufen hatten“, heißt es in einem Beitrag des deutschen „Handelsblatt“. Auch der Mode-Influencer Peter Xu, der mehr als sieben Millionen Follower auf Weibo zählt, äußerte sich kritisch. Er geht davon aus, dass die Kontroverse kurzfristig Folgen für das Geschäft haben dürfte, schätzt den Schaden aber wegen der schnellen Reaktion des Unternehmens als begrenzt ein. „Es war ziemlich dumm, solche Bilder zu veröffentlichen“, erklärte er.

Einer der größten Verlierer

An den Finanzmärkten blieb die Kontroverse nicht ohne Wirkung. In Zürich zählten die Inhaberaktien von Swatch mit einem Minus von 3,2 Prozent zu den größten Verlierern im Luxusgütersegment. Der Image-Schaden trifft Swatch in einer schwierigen Phase. Seit Jahresbeginn 2023 hat das Unternehmen an Börsenwert mehr als die Hälfte eingebüßt. Zusätzlich belasten seit August US-Zölle von 39 Prozent auf Schweizer Uhrenexporte das Geschäft.