„Bauchschmerzen“ bereitet Agenda-Austria-Ökonom Jan Kluge der Blick auf die jüngsten Daten des Preismonitors der E-Control zum Einsparpotenzial von Haushalten beim Strombezug. Denn vor allem in Ost- und Südösterreich ist dieses gewaltig. Die E-Control vergleicht regelmäßig den Strompreis zwischen dem lokalen Versorger mit dem jeweils günstigsten Angebot.
Über 400 Euro Ersparnis möglich
Aktuell (1. Juni 2025) können sich steirische Haushalte im Jahr 412,44 Euro (bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh) beim Wechsel zum aktuell günstigsten Stromanbieter (inklusive Neukundenrabatt) sparen. In Kärnten sind es immerhin 224,76 Euro. Mehr 300 Euro Sparpotenzial sind es im Burgenland, fast 300 Euro in Salzburg, Wien und Niederösterreich. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Strompreise der Landesenergieversorger sind die möglichen Ersparnisse in Tirol (knapp 30 Euro) und Vorarlberg (knapp 90 Euro) die geringsten in Österreich. Ganz anders in den Landeshauptstädten im Süden: In Graz sind sogar 418,02 Euro Ersparnis möglich, in Klagenfurt immerhin 272,46 Euro.
„Liberalisierung geht nicht weit genug“
Dass Abertausende Stromkunden in einigen Bundesländern zum Teil Hunderte Euro mehr für Strom bezahlen als sie müssten, habe zwei zentrale Gründe, analysiert Kluge. Zum einen gehe die Liberalisierung des Strommarktes nicht weit genug: „Die Landesenergieversorger haben wenig Interesse, den Markt aufzurollen“, ortet Kluge – neben fehlendem Netzausbau – politische Gründe. Auch sei die fehlende Wechselbereitschaft vieler Stromkunden unverständlich. Denn das halte die Preise hoch: „Landesenergieversorger können mehr verlangen, weil sie keinen Wechsel fürchten müssen.“ Dabei sei der Anbieterwechsel einfach und „erfolgt auf Knopfdruck“. Die Politik müsse verstärkt hinter dem Wechsel zu günstigeren Anbietern stehen, appelliert Kluge.
Noch viele Fragezeichen
Beim geplanten Elektrizitätswirtschaftsgesetz sieht er noch viele Fragezeichen: Vor allem, dass Versorger dazu gezwungen werden sollen, sinkende Großhandelspreise weiterzugeben, hält Kluge für fragwürdig: „Anstatt die Marktstruktur mit den in Landesbesitz befindlichen Versorgern anzugreifen, wird nur an Symptomen herumgeschraubt.“