Eine zusätzliche Altersvorsorge, am besten erworben über ein betriebliches Pensionsmodell, ist nicht nur im Interesse der Bürger – funktionierende Rentensysteme sind sowohl für den Sozialversicherungsschutz als auch für die Stärkung der Kapitalmärkte der EU von Bedeutung. Zwar liegt die Kompetenz dafür in den Ländern und nicht bei der EU, der EU-Rechnungshof prüfte nun aber die Versuche der EU-Kommission und der zuständigen europäischen Aufsichtsbehörde, die Lage zu verbessern. Fazit: Es sei nicht gelungen, die betriebliche Vorsorge zu stärken oder gar der „Europarente“, eingeführt 2022, zum Durchbruch zu verhelfen.
Weder grenzüberschreitende betriebliche noch europaweite Rentenprodukte spielen eine ernstzunehmende Rolle auf dem EU-Markt für Zusatzrenten. Dort werden zwar Vermögenswerte in Höhe von rund 2,8 Billionen Euro und für rund 47 Millionen Arbeitnehmer und Rentner verwaltet, aber eben kaum grenzüberschreitend und nur in wenigen Ländern. In Österreich lag die „aggregierte Ersatzquote“ (durchschnittliche Renteneinkommen gegenüber dem Erwerbseinkommen vor dem Eintritt in den Ruhestand) im Jahr 2023 mit 56 Prozent etwa im EU-Schnitt, höher als in den Niederlanden (53 Prozent) oder in Deutschland (49 Prozent). Die Bandbreite an Ersatzquoten rangiert zwischen 78 Prozent in Griechenland und 35 Prozent in Kroatien. 2023 waren in Österreich acht Einrichtungen zur betrieblichen Altersvorsorge aktiv, fast eine Million Menschen wurden versorgt.
Österreich im Mittelfeld
Österreich liegt laut ERH bei der betrieblichen (und privaten beschäftigungsbezogenen) Altersversorgung mit einem Wert von 5,5 Prozent des BIP im Jahr 2023 im unteren Drittel der EU-Länder. Spitzenreiter sind Dänemark (fast 200 % des BIP) und die Niederlande (fast 150 Prozent des BIP). Das österreichische Volumen liegt 2023 bei 26 Mrd. Euro und damit im EU-Mittelfeld.
Mihails Kozlovs, das für den Bericht zuständige Mitglied des Rechnungshofs, fordert daher „zusätzliche Schritte, um diese Formen der Altersvorsorge zu stärken“. „In den Volkswirtschaften der EU, die mit demografischen und haushaltspolitischen Herausforderungen konfrontiert sind, dürfte die zusätzliche Altersvorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnen“, betonte er in der Pressekonferenz, und fordert daher die Kommission auf, die Gründe für das Scheitern des europäischen Rentenprodukts zu bewerten. Weiters solle die Aufsichtsbehörde die Wirksamkeit ihrer Instrumente überprüfen.