Schritt für Schritt hatte sich das Unheil angekündigt. In den letzten Wochen zogen die dunklen Wolken dann immer schneller auf. Jetzt ist klar: Die Palmers Textil AG ist insolvent. Am Donnerstag stellte der geschichtsträchtige Wäschehersteller beim Landesgericht Wiener Neustadt einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Dies geschehe zur „nachhaltigen Sicherung des Unternehmens“, wie es in einer Aussendung heißt.

Die Unternehmensführung sieht sich zu diesem Schritt gezwungen, „weil erforderliche Kapitalzuflüsse nicht zeitgerecht erfolgten“. Es wurde zwar versucht, Investoren zu gewinnen, die zur Finanzierung beitragen. Dies sei „wider Erwarten nicht in der Kürze der Zeit gelungen“. Die im Sanierungsplan zu berücksichtigenden Verbindlichkeiten (Passiva) liegen bei rund 51 Millionen Euro. Der Alpenländische Kreditorenverband AKV schreibt von 490 Gläubigern mit Gesamtforderungen von rund 69,19 Millionen Euro und Aktiva in Höhe von 11,60 Millionen Euro.

Gehälter noch ausständig

Man arbeite zudem an einer „zeitnahen Auszahlung der noch ausständigen Gehälter für die Beschäftigten“, wie Palmers versichert. Löhne und Gehälter sind seit Jänner offen, die Zahlung selbst soll dann durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds erfolgen. Zurzeit sind beim Unternehmen laut AKV 515 Dienstnehmer beschäftigt, darunter 493 Frauen.

Im Geschäftsjahr 2023/24 hat sich der Verlust beim 110 Jahre alten Unternehmen auf fast 15 Millionen Euro mehr als verdreifacht, während der Umsatz von 71 auf 66 Millionen Euro gesunken ist. Ende Juni wird zudem ein 14,4 Millionen Euro großer „Cofag-Kredit“ – eigentlich ein Kredit der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und eine Garantie der Republik – fällig. Dieser wandert jetzt in die Masse und die Haftung der Republik wird schlagend.

Die Unternehmensführung von Palmers zeigt sich nun jedenfalls „zuversichtlich“, dass man den Betrieb „mittelfristig wieder auf Erfolgskurs bringen kann“. Außerdem wolle man die „laufenden Investorengespräche erfolgreich abschließen“. Das „Profil“ berichtete zuletzt ja von einem Interessenten aus der Türkei, zur Kleinen Zeitung heißt es von Palmers, dass es „mehrere“ potenzielle Investoren gäbe.

Bereits Anfang Februar meldete der Wäschehersteller „vorsorglich“ Kündigungen beim AMS-Frühwarnsystem an. „Aktuell ist nicht abschätzbar, ob und in welchem Umfang es zur Umsetzung von Kündigungen kommt“, hieß es damals noch. Ein Stellenabbau scheint also unvermeidlich, es ist nur die Frage, wie stark er ausfallen wird. Auf Nachfrage heißt es seitens des Unternehmens nun, dass man möglichst viele Beschäftigte halten wolle. Eine exakte Zahl aber könne man nicht nennen.

20 Filialen werden geschlossen

Bereits im Herbst kündigte Palmers an, 20 Filialen in Österreich zu schließen. Laut den Kreditschützern vom KSV 1870 machten „insbesondere der starke Mitbewerb in einem sehr gesättigten Markt, der Zinsanstieg sowie die Inflation und der damit einhergehende Kaufkraftverlust die nunmehrige Antragstellung notwendig“.

Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform, sieht einen „toxischen Mix aus Billigkonkurrenz und Inflation“ als Ursache für die nunmehrige Misslage. Jedenfalls sei mit Palmers eine „weitere Ikone der österreichischen Wirtschaftsgeschichte insolvent“. Es bleibe „abzuwarten“, wie eine nachhaltige Sanierung aussehen kann.