„Be sexy, not sorry“, also etwa: „Sei sexy, nicht traurig“ lautet die aktuelle Werbekampagne. Bei den rund 500 Palmers-Mitarbeiterinnen wird der Slogan nicht so gut ankommen. Am Montag hat der Wäschehersteller Kündigungen beim AMS-Frühwarnsystem angemeldet. Die Lage ist ernst. Schon mit der Auszahlung der aktuellen Monatsgehälter soll es Probleme gegeben haben. „Aktuell ist nicht abschätzbar, ob und in welchem Umfang es zur Umsetzung von Kündigungen kommt“, teilt das Unternehmen mit Sitz in Wiener Neudorf mit. Ein Stellenabbau ist also sicher, es ist nur die Frage, wie stark er ausfallen wird. Oder droht gar die Insolvenz.
Covid-Kredit muss zurückgezahlt werden
Schon bei der Hauptversammlung Ende Jänner hatten die Brüder Luca und Tino Wieser, denen die Hälfte von Palmers gehört, angekündigt, dass ein Investor einsteigen könnte. Den hätte das 110 Jahre alte Unternehmen auch bitter nötig. Im Geschäftsjahr 2023/24 hat sich der Verlust auf fast 15 Millionen Euro mehr als verdreifacht, während der Umsatz von 71 auf 66 Millionen Euro gesunken ist. Ende Juni wird ein millionenschwerer Covid-Kredit fällig. Die 14,4 Millionen Euro waren mit einer Laufzeit von fünf Jahren genehmigt worden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise aufzufangen. Sollte Palmers nicht bezahlen können, haftet der Staat – somit der Steuerzahler – für 90 Prozent der Kreditsumme.
Wer ist der Investor?
„Höchste Priorität hat eine nachhaltige Fortführung des Unternehmens und die Sicherstellung der Arbeitsplätze“, heißt es jetzt nun es von Palmers. Wer der neue Investor sein könnte bzw. mit einem wie hohen Anteil er in das Unternehmen einsteigen könnte, ist unklar. Jedenfalls soll er eine Kapitalerhöhung ermöglichen.
Bereits im Herbst hat Palmers angekündigt, 20 Filialen in Österreich zu schließen. Für die Modernisierung der Geschäfte war eine Crowdinvest-Kampagne gestartet, aber bereits mit Jahreswechsel wieder rückabgewickelt worden, weil die vertraglich erforderliche Mindestinvestitionssumme von 500.000 Euro nicht erreicht worden war. Investoren, die bereits investiert hatten, bekamen ihr investiertes Geld wieder zurück.
Dabei ist der Unterwäsche-Markt in Österreich ein wachsender. 2025 werden in dieser Branche laut Statista 354 Millionen Euro umgesetzt werden. Für 2029 sind 379 Millionen prognostiziert. Durchschnittlich vier BHs und elf Unterhosen kauft eine Frau in Österreich laut Marketagent im Jahr. Sogar, woran eine Frau beim Kauf von Dessous denkt, ist statistisch erfasst: 47 Prozent „an sich selbst“, 13 Prozent „an den Partner“, 13 Prozent „an den Kleiderschrank“, zwölf Prozent „an den Preis“, schreibt Statista. Allerdings hat Palmers ein viel dichteres Filialnetz als Mitbewerber wie Calzedonia (samt seiner Marken Intimissimi und Tezenis), Triumph, und Hunkemöller. Palmers, der Flächenkaiser.