Der DAX ist am Dienstag unbeeindruckt von Zoll-Ankündigungen erstmals über die Marke von 22.000 Punkten geklettert. Der deutsche Leitindex erhöhte seine Bestmarke auf gut 22.046 Punkte. Auch zum Handelsschluss blieb der DAX über der runden Marke mit einem Plus von 0,58 Prozent auf 22.037,83 Zählern. Die Deutsche Börse feiert Rekordwerte.

Zoll-Drohungen oder -Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump verfangen am Markt kaum noch. Händler sagten, die Anleger sähen sie als Mittel Trumps, Deals zu erreichen und dabei Kompromisse einzugehen, die letztlich allen nützen könnten. Auch den unlängst erlittenen Kurseinbruch wegen Sorgen vor KI-Konkurrenz aus China hatte der DAX schnell wettgemacht.

Zollandrohungen beeindrucken Börse und DAX nicht

Der Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets sagte: „Zollandrohungen aus dem Weißen Haus haben inzwischen ihren Schrecken verloren, die Anleger haben sich scheinbar daran gewöhnt.“

Gründe für die Hausse sind neben positiv aufgenommenen Quartalszahlen in der laufenden Berichtssaison letztlich auch im günstigeren Zinsumfeld in der Eurozone zu finden - die Europäische Zentralbank versucht angesichts günstigerer Inflationsperspektiven mit Zinssenkungen der schwächelnden Wirtschaft zu helfen.

A display shows the German Stock Market Index DAX at 22021,06 points at the stock exchange in Frankfurt, Germany on February 11, 2024. Germany's blue-chip DAX stock index rose above 22,000 points for the first time on February 11, 2025, led by industrial conglomerate Siemens and software giant SAP. (Photo by Daniel ROLAND / AFP)
Bild für die Ewigkeit von der Deutschen Börse: DAX erstmals über 22.000 Punkte
| Bild für die Ewigkeit von der Deutschen Börse: DAX erstmals über 22.000 Punkte © AFP / Daniel Roland

Wer an der Börse am stärksten profitierte

Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es am Dienstag um 0,14 Prozent auf 27.246,06 Punkte nach unten.

Im DAX schoben kräftige Kursgewinne der Index-Schwergewichte SAP und Siemens an. Beide Papiere gingen auf Rekordhoch aus dem Handel. Beim Softwarehersteller SAP bedeutete dies ein Plus von 2,4 Prozent, Siemens legten um 1,8 Prozent zu.

Konjunktursensible Unternehmen wurden an der Börse gemieden

Konjunktursensible Papiere aus der Automobilbranche wurden indes gemieden, auch wegen der Ungewissheit um Zölle: Porsche SE und Porsche AG verloren um die 1,6 Prozent, BMW gaben um 1,1 Prozent nach. Im MDAX sackten die Papiere von Tui nach Quartalszahlen um 10,8 Prozent ab.

Analystin Chandni Hirani von der britischen Investmentbank Barclays sprach zwar von ermutigenden Resultaten des Reisekonzerns. Der Bereich Märkte und Airlines habe sich aber schwach entwickelt. Die Expertin sieht zudem eine Normalisierung im Buchungsverhalten.

An der Spitze des Nebenwerteindex sprangen Renk 11,7 Prozent in die Höhe. Der Ausbau der Beteiligung des Rüstungskonzerns KNDS gab Auftrieb. KNDS ist jetzt größter Aktionär des Panzergetriebeherstellers.

Salzgitter gaben um ein Prozent nach. Geschäftszahlen und Ausblick des Stahlkonzerns bewegten unter dem Strich nur wenig. Dies dürfte auch mit dem unlängst unterbreiteten Übernahmeangebot der Unternehmen GP Günter Papenburg und TSR Recycling über rund 18,50 Euro je Aktie zu tun haben. Über diesen Kurs kamen die Papiere von Salzgitter in den vergangenen Wochen kaum hinaus.

Der Personaldienstleister Amadeus Fire hatte im abgelaufenen Jahr überraschend einen Umsatzrückgang verzeichnet. Der Abschwung und Nachfragerückgang sei in den für das Unternehmen relevanten kaufmännischen und IT-Berufsgruppen angekommen, hieß es. Für die Aktien von Amadeus Fire ging es um drei Prozent nach unten.

Rekordergebnis der Deutschen Börse 2024

Die Deutsche Börse hat im vergangenen Jahr dank guter Geschäfte mit Dienstleistungen rund um die Kapitalmärkte und Übernahmen so viel verdient wie noch nie. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sei 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf knapp 3,4 Mrd. Euro geklettert, teilte das Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluss in Frankfurt mit. Die Nettoerlöse zogen um 15 Prozent auf rund 5,8 Mrd. Euro an.

Im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit weiteren Zuwächsen. Die Aktionäre sollen eine um 20 Cent auf 4 Euro je Aktie erhöhte Dividende erhalten.

Bei Anlegern sorgte das Zahlenwerk allerdings erst einmal für Zurückhaltung. Der Aktienkurs des Unternehmens gab im nachbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate um knapp ein Prozent im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs nach.