Das hat die Autoindustrie gerade jetzt noch gebraucht: Für die weltweite Autoindustrie und Zulieferindustrie werden mit den höheren, von Trump ausgerufenen Zöllen, die Karten neu gemischt – inklusive absurder Auswüchse.

Denn selbst die US-Hersteller werden von Trumps Politik hart getroffen, die Autos werden teurer. Gerade jetzt, inmitten der Transformation. Die US-Hersteller General Motors und Ford betreiben zum Beispiel in Kanada und in Mexiko Werke – und ausgerechnet sie müssen beim Export von Kanada und Mexiko in die USA jetzt höhere Zölle in Kauf nehmen, was die Autos teurer macht und die Verkäufe erschweren wird.

Das eine Monat, in dem Trump mit Mexiko noch verhandeln will, ist nicht mehr als eine Gnadenfrist.

Volkswagen im Zoll-Chaos

Auch die Europäer müssen sich im Zoll-Chaos neu aufstellen. Volkswagen zum Beispiel, das in Kanada eine – gut subventionierte – Batteriezellenfabrik geplant hatte, um Batterien für die E-Auto-Produktion in den USA herzustellen, steht jetzt auch ziemlich ratlos da. Teurere Batterien, teurere Autos. Ganz abgesehen davon, dass die E-Auto-Pläne durch Trump einen Dämpfer erhalten haben.

Was Trump an Mexikos Autoindustrie stört

Für die Länder Mexiko und Kanada, die Gegenmaßnahmen planen, stellen die US-Zölle eine Zäsur dar. Mexiko beispielsweise gehört zu den am schnellsten wachsenden Auto-Produktionsstandorten, was Trump ein zusätzlicher Dorn im Auge sein dürfte: General Motors, Nissan, Stellantis, Ford, Volkswagen, Kia, Mazda, Honda, Toyota betreiben in dem Niedriglohnland Werke. In der Folge hat sich eine gigantische Zulieferindustrie dort angesiedelt, die auch direkt in die USA liefert. Rund vier Millionen PKW werden in Mexiko produziert.

Autoindustrie: Weltweite Lieferketten brechen zusammen

Auch Magna ist als Zulieferer in Mexiko und Kanada und natürlich den USA tätig. Liefert man aus Mexiko oder Kanada Fahrzeugteile in die USA, werden genauso Zölle fällig. Das würde bedeuten, dass die in den USA produzierten Fahrzeuge, die genauso für den Export in andere Regionen der Welt bestimmt sind, sowohl in den USA wie auch in anderen Ländern teurer werden. Selbst für Fahrzeuge, die in den USA produziert werden, geht es letztlich darum, wie hoch die Fertigungstiefe mit in den USA produzierten Teilen ist.

Die gesamte Strategie der Konzerne, über Jahre aufgebaut, droht mit den Zöllen schweren Schaden zu nehmen. Trumps Zollpläne bringen die weltweiten Lieferketten zum Einsturz, eine Neuordnung wird sich über Jahre ziehen. Europas Hersteller in den USA sind genauso betroffen: BMW etwa gehörte über Jahre zu den größten Auto-Exporteuren der USA . . .

Was Audi und Porsche planen, um Zölle zu umgehen

Europas Autoindustrie ist ob der drohenden Zölle also äußerst besorgt. Auch, wenn es noch offen ist, wie hoch Trump die neuen Zölle ansetzt.

Während eben BMW und Mercedes ihre eigenen Werke in den USA betreiben, wäre Porsches extrem wichtiger Markt USA in Gefahr, weil man in Europa produziert. Genauso wie Audi überlegt man Porsche bereits bestehende Kapazitäten des Volkswagenkonzerns in den USA zu nutzen – ein weiterer Dämpfer für Europas Autoindustrie, die in vielen Bereichen ihre Werke nicht mehr auslasten kann. Nicht nur das: Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit werden in Europa zwei Millionen Fahrzeuge weniger pro Jahr verkauft. De facto werden alle europäischen Hersteller, die in den USA erfolgreich sein wollen, gezwungen in den USA zu produzieren.

Bringt man in Kanada bzw. Mexiko produzierte Fahrzeuge in die USA sollen erhebliche Mehrkosten anfallen, man spricht zwischen 4000 und 6000 Dollar.

Europas Autoindustrie in zwei Zoll-Konflikten

Und Europa bewegt sich inmitten eines zweiten Handelskonflikts, nämlich mit China. Europa hat chinesische Autos mit Strafzöllen belegt. BMW-Chef Oliver Zipse warnte bereits davor. Strafzölle würden auch europäischen Herstellern schaden. Weit mehr als die Hälfte aller aus China eingeschifften E-Fahrzeuge stammte im vergangenen Jahr von westlichen Herstellern, wie Tesla, Dacia und eben BMW. Mercedes-Chef Ola Källenius will überhaupt alle Zölle abschaffen. „Null in alle Richtungen!“, sagte er in einem Interview mit der Kleinen Zeitung.

Denn: „Führt China nach Europa ein, sind zehn Prozent Zoll angesagt. Von Europa nach China sind es 15 Prozent. Von den USA nach Europa sind es zehn Prozent, von Europa nach USA 2,5 Prozent.“

Es wird damit gerechnet, dass Trump mindestens auf zehn Prozent erhöht . . . Europa lässt noch die Muskeln spielen.. „Die Antwort ist, mit denselben Aktionen zu reagieren“, sagte Luxemburgs Premier Luc Frieden. „Wenn jemand einen Handelskrieg will, kriegt er ihn.“

Die Konsequenzen an der Börse

Die ersten Konsequenzen sieht man an der Börse: Der drohende Handelskrieg der USA mit wichtigen Handelspartnern lässt Auto- und Lkw-Aktien absacken. Die Papiere von BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen fielen am Montagvormittag zeitweise um 5 bis 7 Prozent. Die Papiere der Lkw-Hersteller Daimler Truck und Traton büßten ebenfalls deutlich ein, und auch die Aktienkurse von deutschen Zulieferern wie Continental und Knorr-Bremse fielen.

Analyst Philippe Houchois vom Investmenthaus Jefferies sieht allerdings weniger die deutschen Hersteller betroffen als vielmehr die großen US-Autokonzerne. Die US-Einfuhrzölle dürften die Fahrzeugpreise in den USA beziehungsweise die Produktionskosten um durchschnittlich 6 Prozent steigen lassen, falls es nicht zu einer raschen Deeskalation komme, sagte er.